Die USNS Bowditch | Bildquelle: AP

Streit beigelegt China gibt US-Drohne zurück

Stand: 20.12.2016 09:18 Uhr

China hat den USA eine Unterwasserdrohne zurückgegeben, die es vor einigen Tagen beschlagnahmt hatte. Die Volksrepublik teilte mit, der Rückgabe seien "freundliche Gespräche" vorausgegangen. Dabei war der Ton zwischen beiden Seiten zuletzt schärfer geworden.

Der Streit zwischen den USA und China über die Beschlagnahmung einer Unterwasserdrohne ist beigelegt. Beide Seiten teilten mit, dass die Volksrepublik das unbemannte Vehikel zurückgegeben habe.

Die Rückgabe erfolgte nach chinesischen Angaben durch ein Schiff in der Nähe der Stelle, wo die Drohne vor einigen Tagen beschlagnahmt worden war. Der Vorfall hatte sich im Südchinesischen Meer etwa 50 Seemeilen nordwestlich der philippinischen Subic-Bucht ereignet.

Nun ein freundlicher Ton

Das Verteidigungsministerium in Peking teilte mit, der Rückgabe seien "freundliche Konsultationen" vorausgegangen. Genau danach hatte es in den vergangenen Tagen nicht ausgesehen. Der Vorfall hatte sich rasch zu einer diplomatischen Krise entwickelt.

Die USA protestierte gegen die Beschlagnahmung und forderten die Rückgabe des Mini-U-Boots. China beschwerte sich daraufhin ungewöhnlich deutlich über eine unangemessene Dramatisierung des Vorgangs durch die USA.

Zusätzliche Dramatik brachte der künftige US-Präsident Donald Trump in die Auseinandersetzung. Er warf auf Twitter China zunächst vor, die Drohne in einem beispiellosen Akt gestohlen zu haben und schrieb später, China solle die Drohne doch einfach behalten.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
We should tell China that we don't want the drone they stole back.- let them keep it!

Ozeanische Forschung - oder mehr?

Die Drohne war nach US-Darstellung vom US-Marineschiff "Bowditch" zusammen mit einem weiteren Unterwassergleiter ausgesetzt worden, um im Südchinesischen Meer ozeanische Daten wie den Salzwassergehalt und die Temperatur in dem Gebiet zu sammeln. Als das Schiff die Drohnen wieder aufnehmen wollte, sei ein chinesisches Schiff aufgekreuzt und habe eines der eindeutig gekennzeichneten Mini-U-Boote abtransportiert.

Die chinesische Seite erklärte, das zunächst nicht identifizierte Objekt sei beschlagnahmt worden, um Gefährdungen für die Seefahrt zu verhindern. Möglicherweise aber geht es bei dem Vorgang um den Verdacht oder den Versuch der Spionage. In ihrer Begründung nämlich warf die Volksrepublik den USA eine "langjährige" Praxis "militärischer Erkundungen aus nächster Nähe" in von China beanspruchten Gewässern vor. Und US-Medien zitierten namentlich nicht genannte Militärexperten, die es für wahrscheinlich hielten, dass die Drohne zu Spionagezwecken eingesetzt wurde, um Informationen über U-Boot-Aktivitäten der chinesischen Marine in der Region zu sammeln.

Die Beziehungen verschlechtern sich

Zudem fiel der Streit um die Drohne in eine Phase zunehmender Spannungen zwischen beiden Staaten. Ausgelöst wurde sie durch zahlreiche China-kritische Äußerungen Trumps im Wahlkampf, die sich vor allem gegen die Handels- und Währungspolitik des Landes richteten. Trump machte sie verantwortlich für den Verlust vieler Jobs in den USA und versprach eine Kehrtwende. Dies löste international die Sorge vor einem Handelskrieg zwischen den größten Wirtschaftsnationen der Welt aus.

Zudem hatte Trump nach seinem Wahlsieg demonstrativ mit der taiwanesischen Präsidentin Tsai Ing Wen telefoniert und damit mit der jahrzehntelangen Linie der US-Außenpolitik gegenüber der Volksrepublik und Taiwan gebrochen. Diese beruhte darauf, mit der Volksrepublik diplomatische Beziehungen zu unterhalten, mit Taiwan lediglich informelle Kontakte und Handelsbeziehungen zu pflegen. Die Regierung in Peking betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz.

Die Auseinandersetzung um die Drohne berührt eine militärisch brisante Region. China erhebt Anspruch auf weite Teile des Südchinesischen Meeres und streitet sich darüber mit anderen Staaten. In der Region werden reiche Öl- und Gasvorkommen vermutet. Außerdem ist sie für die Fischerei wichtig und liegt auf der direkten Schifffahrtsroute zwischen Europa und Ostasien. Zuletzt hatte die Regierung in Peking ihre Ansprüche mit einer wachsenden Militärpräsenz in der Region untermauert und zur Demonstration seiner Ansprüche mehrere künstliche Inseln in dem Meeresgebiet aufgeschüttet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Dezember 2016 um 08:00 Uhr

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