Die USNS Bowditch | Bildquelle: AP

Streit zwischen USA und China Eine Drohne wird zum Politikum

Stand: 18.12.2016 10:28 Uhr

Die Beschlagnahmung einer Unterwasserdrohne sorgt für neue Spannungen zwischen China und den USA. Das chinesische Militär hatte die Drohne aufgegriffen und sich später bereit erklärt, sie zurückzugeben. Die US-Regierung reagierte verärgert. Und dann twitterte Trump.

Einen Monat vor dem Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident nehmen die diplomatischen Auseinandersetzungen mit China zu. Jüngster Anlass ist die Beschlagnahmung einer Unterwasserdrohne durch das chinesische Militär. Peking hat zwar inzwischen angekündigt, die Drohne zurückzugeben. Doch beide Seiten zeigen sich verärgert über den Umgang mit dem Vorfall. Und Trump irritiert mit mehreren Twitter-Äußerungen zu dem Streitfall.

Zu der Beschlagnahmung war es Ende vergangener Woche gekommen. Nach Darstellung der US-Regierung hatte das US-Marineschiff "Bowditch" zwei Unterwassergleiter ausgesetzt, die im Südchinesischen Meer ozeanische Daten wie den Salzwassergehalt und die Temperatur in dem Gebiet sammeln sollten. Als das Schiff die Drohnen etwa 50 Seemeilen nordwestlich der philippinischen Subic-Bucht wieder aufnehmen wollte, sei ein chinesisches Schiff aufgekreuzt und habe eines der eindeutig gekennzeichneten Mini-U-Boote abtransportiert.

China erwartet Gelassenheit

Die chinesische Seite erklärte, das zunächst nicht identifizierte Objekt zu Prüfungszwecken an sich genommen zu haben, um Gefährdungen für die Seefahrt zu verhindern. Gegen die Beschlagnahmung legten die USA offiziellen Protest ein und forderten die Rückgabe der Drohne. China sagte dies später zu, warf den USA aber zugleich eine unangebrachte Dramatisierung der Ereignisse vor - eine für chinesische Verhältnisse relativ schroffe Formulierung.

Ferner warf China den USA eine "langjährige" Praxis "militärischer Erkundungen aus nächster Nähe" in von China beanspruchten Gewässern vor. Wie die "New York Times" berichtete, halten Militärexperten es für wahrscheinlich, dass die Drohne zu Spionagezwecken eingesetzt wurde, um Informationen über U-Boot-Aktivitäten der chinesischen Marine in der Region zu sammeln. Das Pentagon bestreitet dies.

Und dann kam Trump

Zusätzliche Dramatik in die Auseinandersetzung brachten zwei Tweets von Donald Trump. Dieser warf China zunächst vor, die Drohne "gestohlen" zu haben und sprach von einem "beispiellosen" Vorgang. Später legte er nach und schrieb, man solle China mitteilen, man wolle die gestohlene Drohne nicht zurück - "sollen sie sie doch behalten!"

Donald J. Trump @realDonaldTrump
We should tell China that we don't want the drone they stole back.- let them keep it!

Trump hatte sich bereits im Wahlkampf immer wieder kritisch über China geäußert. Er versprach hohe Einfuhrzölle auf chinesische Waren, weil sich China durch eine künstlich niedrig gehaltene Währung Exportvorteile verschaffe und dadurch amerikanische Jobs vernichte. Das hatte Befürchtungen ausgelöst, es könne zu einem Handelskrieg zwischen beiden Staaten kommen.

Kurz nach seiner Wahl im November telefonierte Trump dann mit der taiwanesischen Präsidentin Tsai Ing Wen, was als möglicher Hinweis auf eine Abkehr von der bisher verfolgten Ein-China-Politik der USA gewertet worden war. Die Regierung in Peking betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz.

Eine brisante Region

Die Auseinandersetzung um die Drohne berührt zudem eine militärisch brisante Region. China erhebt Anspruch auf weite Teile des Südchinesischen Meeres und streitet sich darüber mit anderen Staaten. In der Region werden reiche Öl- und Gasvorkommen vermutet. Außerdem ist sie für die Fischerei wichtig und liegt auf der direkten Schifffahrtsroute zwischen Europa und Ostasien. Zuletzt hatte die Regierung in Peking ihre Ansprüche mit einer wachsenden Militärpräsenz in der Region untermauert und zur Demonstration seiner Ansprüche mehrere künstliche Inseln in dem Meeresgebiet aufgeschüttet.

Mit Material von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Dezember 2016 um 13:14 Uhr

Darstellung: