Zensur China

Kein freies Internet Wirtschaft leidet unter Chinas Zensur

Stand: 16.04.2016 12:03 Uhr

Zensierte Inhalte, langsamer Seitenaufbau: Die Internetblockaden in China machen europäischen Unternehmen zunehmend zu schaffen. Besonders betroffen sind die Bereiche Forschung und Entwicklung. Eine Besserung ist nicht abzusehen - im Gegenteil.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Europäische Unternehmen in China leiden zunehmend unter der Internetblockade durch die Behörden. Und die Situation verschlechtert sich offenbar immer mehr. Es sei inzwischen so schwierig, von China aus internationale Webseiten zu öffnen, dass sich das negativ aufs Geschäft der Firmen auswirke, sagt der wichtigste Lobbyverband europäischer Unternehmen in China. Und selbst wenn Seiten oder Online-Dienste nicht gesperrt seien, sei die Geschwindigkeit oft sehr langsam. Das mache vor allem den Bereichen Forschung und Entwicklung zu schaffen.

Besonders stark blockiere die chinesische Regierung das Netz, wenn bestimmte politische Ereignisse anstünden, sagte Robin Niethammer, der Vorsitzende der Europäischen Handelskammer für Südwestchina in Chongqing. Als Beispiel nannte er den vor Kurzem zu Ende gegangenen Nationalen Volkskongress in Peking - oder aber die jüngsten Enthüllungen zu Hunderttausenden Briefkastenfirmen in Panama. "Da wurde alles noch einmal langsamer. Generell sehe ich beim Internet, dass es stärker und stärker reglementiert wird", klagt Niethammer.

Twitter und Facebook nicht verfügbar

Chinas Internetsperren betreffen zwei Bereiche: Erstens den Inhalt - kritische Berichte oder Blogeinträge werden zensiert, gefiltert. Zweitens wird technisch blockiert. Sämtliche Google-Dienste - inklusive GMail - sind nicht verfügbar in China, ebenso auch Twitter und Facebook. Auch so gut wie alle anderen nicht-chinesischen Webseiten laden deutlich langsamer und unzuverlässiger als inländische Webseiten.

Europas Wirtschaft beklagt Internet-Blockaden
S. Wurzel, ARD Schanghai
16.04.2016 11:19 Uhr

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US-Regierung spricht von Handelshemmnis

Die chinesischen Behörden haben die Kontrolle des Internets in den vergangenen Monaten noch ausgeweitet und Gesetze verschärft. Die Regierung Peking sagt, damit schütze sie China vor gefährlicher Einflussnahme aus dem Ausland. Viele Anbieter von Softwares, mit denen sich die Sperren umgehen lassen, werden inzwischen auch blockiert.

Vor einigen Tagen hat bereits die US-Regierung in Washington die Internet-Sperren in China offiziell als Handelshemmnis eingestuft. Die zunehmenden Probleme mit dem Internet sind einer von sieben Punkten, die die Europäische Handelskammer Südwestchina in ihrem neuen Positionspapier beschreibt. Weitere Probleme seien die Luftverschmutzung und die unzureichende Gesundheitsversorgung.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. April 2016 um 17:19 Uhr

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