Ein Smartphone mit EAN Code | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bezahlen in China Im Land der Geldkoffer

Stand: 10.02.2016 15:27 Uhr

In Deutschland bezahlen nur wenige mit dem Smartphone. In China ist das ganz anders: 1,3 Billionen Euro gingen da im vergangen Jahr über den virtuellen Ladentisch. Allerdings hauptsächlich Kleinbeträge. Für größere Beträge ist Bargeld die erste Wahl.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Wer schon mal in China war, kennt das surrende Geräusch der sprechenden Geldzählmaschinen. Sie zählen Bargeld und sagen dem Kunden anschließend, wie viel eingezahlt wurde.

In Sekunden laufen 1600 Euro durch eine Zählmaschine. Das ist keine ungewöhnlich hohe Summe. Eben wurde ein ins Büro gelieferter Computer bezahlt. Die Geldzählmaschine bringt der Lieferant meist selbst mit. Bis vor einigen Jahren wurde in China so gut wie alles in bar bezahlt. Und auch heute ist China immer noch eine Bargeld-Nation. Fast alles kann bar bezahlt werden: von der Gasrechnung über die Miete bis hin zu Autos oder Häusern.    

Kofferweise Bargeld

Doch der größte chinesische Schein, die 100-Yuan-Banknote, ist gerade einmal knapp 14 Euro wert. Bei größeren Anschaffungen wird dann gleich kofferweise Bargeld angeschleppt. Wenn illegale Kartelle auffliegen oder Korruption in China aufgedeckt, werden teilweise ganze Wohnungen voll Bargeld beschlagnahmt. Immer wieder gibt es Gerüchte über die Einführung einer 500-Yuan-Banknote - das sind knapp 70 Euro - doch bislang bleibt es bei den Gerüchten.

Verschiedene chinesische Yuan-Banknoten. | Bildquelle: dpa
galerie

Sie werden in China unwichtiger: Banknoten der Währung Yuan. Aber verschwinden werden sie nicht.

Der chinesische Staat hat ein Interesse daran, die Menschen zum bargeldlosen Bezahlen zu motivieren. Korruption und Steuerhinterziehung lassen sich so besser verhindern. Außerdem hat der chinesische Staat nichts dagegen, seine Bürger noch besser überwachen zu können.

Mobile-Payment wird immer wichtiger

Im Alltag läuft auch vieles bargeldlos: In Restaurants, Supermärkten und Hotels kann man längst mit Karten zahlen. Häufig funktioniert aber nur das chinesische System UnionPay. Mit ausländischen Karten - Visa oder Mastercard - kann man oft nicht bezahlen.

Vor allem junge Chinesen haben meist mehrere Bankkarten in ihren Portemonnaies. Seit einigen Jahren ist mobiles Bezahlen schwer im Kommen - gerade für Internet-Einkäufe und kleinere Beträge im Alltag. "Das wäre schon unpraktisch, wenn ich nicht mit meinem Smartphone bezahlen könnte," berichtet ein 32-jähriger Pekinger. Und erklärt weiter: "Wenn ich ehrlich bin, könnte ich gar nicht mehr ohne. Stromrechnung, Telefonrechnung, im Supermarkt - das mache ich alles mobil. Bargeld nutze ich immer weniger. Man muss immer Münzen rumschleppen. Beim mobilen Bezahlen dagegen ist alles im Telefon drin."

Mitarbeiter einer Elektronikunternehmens demonstriert mobiles bezahlen mit dem Smartphone. | Bildquelle: AP
galerie

In China immer gewöhnlicher: Statt dem Geldbeutel holen Kunden an der Kasse ihr Smartphone aus der Tasche.

Es gibt zwei große Anbieter von Bezahldiensten in China. Der eine ist der Online-Konzern Alibaba, der andere der Konkurrent Tencent. Beide bieten sowohl Bezahlen im Internet an - ähnlich wie Paypal - als auch mobiles Bezahlen. Im Laden oder am Marktstand scannt man dann einfach einen Code mit der Kamera seines Mobiltelefons. Oder man lässt seinen Code vom Geschäft scannen - und bestätigt die Bezahlung. Für den Nutzer komplett kostenlos. Der Ladenbesitzer bezahlt eine kleine Gebühr.

Eine kleine Revolution in China

"Mobiles bezahlen ist sehr praktisch", sagt ein 18-jähriger Schüler. "Wegen Sicherheit mach ich mir nicht so viele Gedanken. Ich nutze es nur für kleinere Beträge. Und wenn ich mit Schulfreunden zusammen Essen gehe, dann bezahlt einer und die anderen schicken ihm das Geld übers Smartphone. Ich nutze es hauptsächlich dafür."

Der Bezahldienst von Tencent ist in die App We-Chat integriert, die ohnehin fast alle in China nutzen: eine Mischung aus Whatsapp und Facebook. Seit neuestem kann man damit nicht nur bezahlen, sondern auch ganz unkompliziert Geld an Privatpersonen verschicken. In China fast eine Revolution. Denn klassisches Online-Banking ist bis heute teilweise kompliziert und kostet häufig Gebühren.

Bezahlen in China: Geldkoffer oder Smartphone

10.02.2016 11:06 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Dieser Beitrag lief am 09. Februar 2016 um 17:19 Uhr im Deutschlandfunk.

Darstellung: