Hybridauto aus China | Bildquelle: REUTERS

E-Autos und autonomes Fahren Wie China Autotrends setzt

Stand: 28.11.2017 02:52 Uhr

Die deutschen Auto-Konzerne verkaufen inzwischen jedes dritte ihrer Fahrzeuge in China. Die hohe Abhängigkeit macht das Land zum Trendsetter und zwingt BMW, Daimler und VW, sich bei den Themen E-Mobilität und autonomes Fahren zu bewegen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Im Zentrum von Shanghai steigt Bernhard Weidemann in den schwarzen Testwagen. Ein Standard-Mercedes mit aktueller Fahrer-Assistenz-Technik, versehen aber mit einer Kamera und Computern, die alle Daten der Testfahrt mitprotokollieren. Um die Assistenzsysteme an die ganz speziellen chinesischen Gegebenheiten anzupassen, fahren Daimler-Ingenieure in China zigtausende Kilometer durch die Gegend.

Getestet wird zum Beispiel: Wie reagiert das System auf die vielen quer über die Straße fahrenden Elektroroller oder auf die vielen Fußgänger und Zäune am Straßenrand. Und: Was macht das mit dem Navigationssystem verknüpfte Assistenzsystem, wenn sich das Auto unterhalb einer der vielen Hochstraßen befindet?

"Wenn wir eine Situation haben wie gerade eben, dass wir unterhalb einer Hochstraße sind, die Karte aber denkt, wir sind noch oben drauf, kann das recht verwirrend sein", sagt Weidemann. "Insofern ist es eine der Herausforderungen, eine präzise Lokalisierung hier in China hinzubekommen. Das hat auch was mit der Präzision der Karten zu tun, dass wir die noch weiter präzisisieren müssen."

Ein BMW-Händler in China | Bildquelle: AFP
galerie

Deutsche Autobauer verkaufen jedes dritte Auto nach China.

Schnell wandelnder Markt

BMW, Daimler und VW verkaufen inzwischen jedes dritte Auto in China. Doch der Markt wandelt sich hier noch schneller als in Europa oder den USA. Deswegen müssen die drei großen deutschen Autokonzerne eine Menge Geld in die Hand nehmen, um den technologischen Vorsprung nicht zu verlieren.

Beispiel E-Mobilität: In diesem Bereich will allein Volkswagen in den nächsten sieben Jahren zehn Milliarden Euro in China investieren. Doch auch die heimische, chinesische Konkurrenz steckt viel Geld in Forschung und Entwicklung und sieht sich langfristig im Vorteil. So sagt William Li, der Gründer eines Shanghaier E-Auto-Startups namens Nio: "Die großen Auto-Konzerne sind zu groß. Das hindert sie daran, Fortschritte zu machen. Sie haben zwar das Geld und die richtigen Leute, aber in Zeiten wie diesen - wenn sich alles so schnell wandelt - sind sie ganz einfach nicht so schnell wie wir."

Vorteil für Zulieferer

Klar im Vorteil sind die deutschen Autozulieferer - denn sie bedienen sowohl deutsche als auch chinesische Hersteller. Continental vermeldete zum Beispiel Anfang November ein Quartals-Gewinnplus von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ausdrücklich nannte Conti-Finanzchef Wolfgang Schäfer die guten China-Geschäfte als Grund. Auch Bosch gibt sich optimistisch und will zweigleisig fahren. Erstens: Zusammenarbeit mit den großen, etablierten Autokonzernen und zweitens auch mit den neuen chinesischen Startup-Firmen, die vor allem im E-Auto-Bereich aktiv sind. David Xu, die Nummer zwei bei Bosch in China, sagt: "Das kommt uns zugute. Wir beliefern fast jeden einzelnen Hersteller in China. Bosch wächst in China um mehr als 20 Prozent pro Jahr."

Das vernetzte Auto, E-Mobilität und autonomes Fahren: Was diese drei großen Trends angeht seien BMW, Daimler und VW durchaus gut mit dabei, sagen Experten. Entscheidend sei aber nun, wie schnell die deutschen Auto-Firmen nachlegen können. Denn die heimische Konkurrenz in China holt auf.

China bestimmt Autotrends
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
28.11.2017 10:11 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. November 2017 um 09:00 Uhr.

Darstellung: