Eine Frau geht über eine von Smog eingehüllte Brücke in Tianjin | Bildquelle: REUTERS

Ausländer meiden China Schlechte Luft, schlechte Bezahlung, hohe Kosten

Stand: 05.04.2017 10:51 Uhr

Früher galt es als lukrativ und schick, für eine gewisse Zeit nach China zu ziehen und dort zu arbeiten. Doch hat sich der Trend umgekehrt: Immer mehr deutsche Arbeitgeber haben Probleme, gute Leute für ihre Posten in China zu finden. Und das hat viele Gründe.

Von Steffen Wurzel, ARD-Hörfunkstudio Shanghai

Ende vergangenen Jahres ging es für Robin Niethammer zurück. Aus dem westchinesischen Chengdu zog er mit seiner Familie wieder nach Deutschland. Der Abschied kam nicht plötzlich. Er habe China auch nicht im Groll verlassen, sagt er. Ganz im Gegenteil: "Das war eine bewusste Entscheidung für die gute Luftqualität und die gute medizinische Versorgung in Deutschland."

Niethammer hatte drei Jahre lang als Manager eines großen Dax-Konzerns in Chengdu gearbeitet, außerdem engagierte er sich in der Europäischen Handelskammer in China. Generell habe er das Leben in China sehr genossen, betont der 43-Jährige, beruflich und privat. Seit seinem ersten Praktikum in China vor mehr als 16 Jahren sei er Fan des Landes.

Menschen mit Atemschutzmasken stehen an einer Straße in Peking
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Ein "normales" Bild: Menschen mit Atemschutzmasken in Peking.

Ein neues Jobangebot aus Peking lehnte Niethammer trotzdem ab. Die Gründe dafür waren dreckige Luft, zensiertes Internet und Probleme mit der Lebensmittelsicherheit. "Für mich war klar, dass ich mit einem einjährigen Kind und einem achtjährigen Jungen nicht in China bleiben wollte. Zumindest nicht in Peking oder Chengdu," erklärt Niethammer.

Probleme auch im öffentlichen Dienst

Nicht nur in der Privatwirtschaft haben immer weniger Arbeitnehmer Lust, für einige Zeit nach China zu ziehen und dort zu arbeiten. Auch der öffentliche Dienst hat zunehmend Probleme. Als deutscher Lehrer in China zu arbeiten: Vor einigen Jahren galt das noch als ausgesprochen attraktiv. Heute ist das ganz anders. "Aktuell haben wir gerade eine sehr attraktive Stelle in Chongqing ausgeschrieben. Es ist eine Fachschaftsberaterstelle. Es ist sehr, sehr schwer, dafür einen Interessenten zu finden", erklärt Gundula Meyer-Oehring von der Zentralstelle fürs Auslandsschulwesen. Sie koordiniert von Shanghai aus deutsche Lehrer, die an chinesischen Schulen unterrichten: "Ich kann das auch nachvollziehen. Wenn jemand wenig über China weiß und dann zum Beispiel Chongqing googelt, ist die Anzeige nicht gerade motivierend. Da sagt man nicht: Wow, da will ich sofort hin." 

Weniger Lohn bei stark gestiegenen Kosten

Grund für das abnehmende Interesse an China sind aber nicht nur die oft sehr dreckige Luft oder die Einschränkungen beim Internet. Vor allem in der Privatwirtschaft wird deutlich weniger gezahlt für eine Entsendung nach China. Und das bei stark gestiegenen Kosten. "Es ist auch wegen des Geldes. In einem schönen Restaurant in Shanghai zu essen kostet das gleiche wie in Europa", sagt Line Bertheussen. Sie ist Norwegerin und arbeitet für eine Headhunter-Firma in Shanghai. Das Leben sei hier teilweise so teuer wie in ihrer Heimat. China sei kein Billiglohnland mehr.

Gestiegene Preise, geringere Attraktivität für Ausländer - Personaler besetzen immer häufiger auch höhere Positionen in China mit Einheimischen statt mit Ausländern. Dafür steigt dann die Zahl der Dienstreisen nach China. Auf diesem Wege will auch Niethammer China verbunden bleiben: "Ich finde China weiterhin spannend und faszinierend und denke deswegen, dass ich auch in Zukunft öfter in China sein werde."

China wird für Arbeitnehmer immer unattraktiver
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
05.04.2017 10:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio/Kultur am 05. April 2017 um 07:53 Uhr.

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