Karte: Südchinesisches Meer

Spannungen im Südchinesischen Meer Chinesische Raketen auf Woody Island?

Stand: 17.02.2016 09:43 Uhr

Erneut sorgen Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer für Irritationen. Nach Angaben aus den USA und Taiwan hat China dort auf einer Insel ein modernes Raketensystem stationiert. Peking bestätigte die Berichte zwar nicht, betonte aber, auf eigenem Territorium Militär stationieren zu dürfen.

China hat im Streit um Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer angeblich Boden-Luft-Raketen auf einer Insel in der Region stationiert. Das sagte ein Sprecher des taiwanesischen Verteidigungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Auch das US-Verteidigungsministerium sprach von einer Verlagerung der Raketen, wie der US-Sender Fox News berichtete. Demnach zeigen Satellitenbilder zwei Raketenbatterien, die auf Woody Island aufgestellt wurden.

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EXCLUSIVE: China sends surface-to-air missiles to contested island in provocative move https://t.co/iClVzzvKiP https://t.co/kBWU4b86dd

Bei den Raketen handelt es sich demnach um ein System zur Verteidigung gegen Luftangriffe, das eine Reichweite von rund 200 Kilometern hat. Woody Island gehört zur Paracel-Inselgruppe, die seit mehr als 40 Jahren unter Kontrolle Chinas steht, aber auch von Taiwan und Vietnam beansprucht wird.

Der Kommandeur der US-Streitkräfte im Pazifik, Admiral Harry Harris, sagte, die Stationierung von Raketen wäre keine Überraschung, stehe aber im Gegensatz zum chinesischen Versprechen, die Region frei von Militär zu halten. Er kündigte als Reaktion weitere Patrouillenfahrten in der Region an.

"Im Einklang mit internationalem Recht"

Das chinesische Außenministerium verteidigte dagegen generell die Stationierung von Abwehrsystemen auf eigenem Territorium. "Das steht in Einklang mit dem internationalen Recht auf Selbstverteidigung", sagte Außenminister Wang Yi. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hatte der Minister zuvor westlichen Medien vorgeworfen, die Stationierung von Raketen zu erfinden.

Das Südchinesische Meer liegt zwischen China, Vietnam, Malaysia und den Philippinen. Ein Drittel des weltweiten Schiffsverkehrs wird dort abgewickelt. In der Region werden große Öl- und Gasvorkommen vermutet. China beansprucht 90 Prozent des 3,5 Millionen Quadratkilometer großen Gebietes, darunter Inseln und Riffe, die teils mehr als 800 Kilometer von der chinesischen, aber nur etwa 220 Kilometer von der philippinischen Küste entfernt liegen.

Vietnam hatte in der Vergangenheit mehrfach gegen chinesische Ölbohrungen vor seiner Küste protestiert, die Philippinen protestieren gegen chinesische Landaufschüttungen sowie den Bau von Leuchttürmen und einer Landbahn auf einigen der Riffe.

Die Berichte über die Stationierung der Raketen wurden veröffentlicht, während US-Präsident Barack Obama mehrere südostasiatische Staaten zu einer Konferenz in Kalifornien empfing, um über Möglichkeiten zur Entspannung des Konfliktes in der Region zu sprechen. "Wir werden weiterhin unseren Verbündeten und Partnern dabei helfen, ihre Marine-Fähigkeiten zu verstärken", sagte Obama nach dem Ende des Asean-Gipfels in Rancho Mirage.

Zuletzt hatte sich auch die USA verstärkt in den Konflikt eingeschaltet. Erst im Januar war ein US-Kriegsschiff in die von China beanspruchten Gewässer um die Paracel-Inseln eingedrungen. Im Oktober hatte sich der US-Zerstörer "Lassen" einer von China beanspruchten Insel der weiter südlichen gelegen Spratly-Inselgruppe auf weniger als zwölf Seemeilen genähert. Washington rechtfertigte dies mit der Verteidigung der Freiheit der Navigation; das Gebiet sei internationales Gewässer.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Februar 2016 um 12:30 Uhr.

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