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10.02.2012

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Ausland
Überlebender des Bebens in Duchato. (Foto: AP)
Chile: Überlebende zwischen Wut und Verzweiflung
Nach dem Erdbeben in Chile

Überlebende zwischen Wut und Verzweiflung

Trauer, Verzweiflung, Wut: Auch drei Tage nach dem Erdbeben in Chile campieren die Überlebenden im Freien, in vielen Gebieten fehlt es an Wasser, Lebensmitteln und Strom. Trotz Ausgangssperre haben die Sicherheitskräfte Mühe, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Plünderer können sie kaum stoppen.

Von Gottfried Stein, ARD-Hörfunkstudio Buenos Aires

In Chile herrschen Trauer, Wut und Verzweiflung: Trauer der Angehörigen über die Toten. Wut der Überlebenden über schlechte Versorgung. Und Verzweiflung Tausender Menschen über den Verlust ihrer Existenz. Auch die dritte Nacht nach dem katastrophalen Erdbeben campieren viele Menschen im Freien.

Verzweifelte Überlebende in Duchato. (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Verzweifelte Überlebende in Dichato. ]
Im Küstenort Dichato, der von Flutwellen verwüstet ist, verharren die Überlebenden auf Anhöhen, weil es Gerüchte über einen neuen Tsunami gab: "Was wird aus uns, wo sollen wir hin, wenn wir nichts haben, wo wir hin können? Wir müssen hier bleiben, wir Ärmsten. Ich habe Angst, denn jetzt kann ich nicht in mein Haus". Und ein anderer Überlebender sagt: "Wir haben nichts mehr. Wir kommen, um nachzusehen, was noch da ist, und es ist nichts mehr da."

Leben gerettet, Existenz zerstört

Dichato ist nur ein Beispiel für Wut und Verzweiflung der Menschen. Die chilenische Marine hatte am Samstag Entwarnung gegeben, der Tsunami würde die Küste nicht bedrohen. Während Offizielle die Menschen mit Megaphonen aufforderten, in ihre Häuser zurückzukehren, flüchteten viele auf die nahe Anhöhe. So retteten die hier lebende Fischer ihr Leben, aber ihre Existenz ist zerstört: "Wir wissen nicht, was wir machen sollen, denn alles ist kaputt, die Schiffe, Motorboote. Wir haben keine Netze, wir haben gar nichts. Fischfang war unser ganzes Leben." Und ein anderer Fischer erzählt: "Ich habe alles verloren, mein Haus, zwei Schiffe, alles. Jetzt sitze ich auf der Straße. Das wird zehn Jahre dauern, denke ich. Wir haben kein Wasser, die Kanalisation ist kaputt, es gibt keinen Strom."

Mann in Duchato rettet Erinnerungsstücke aus seinem Haus. (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Überlebt: Ein Mann mit Erinnerungsstücken aus seinem Haus in Dichato.]
Ein von der Flutwelle aufs Land geschleudertes Boot (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Gestrandet: Ein von der Flutwelle an Land geschleudertes Boot.]
 

"Wo sind die Verantwortlichen?"

Noch immer fehlen in den am Schlimmsten betroffenen Gebieten  um Concepcion, Talca, Constitution und Talcahuano Strom, Wasser und Lebensmittel. In die überspülten und weitgehend zerstörten Küstenorte wie Dichato sind die Rettungskräfte immer noch nicht vorgedrungen, und die Menschen haben Angst vor Seuchen: "Wir bitten dringend, dass sie kommen, wir brauchen die Verantwortlichen hier", sagt ein junger Mann. "Wir haben nichts zu essen, wir suchen in den Abfällen, die Abwässer kommen alle hoch und dort suchen wir nach Kartoffeln und die essen wir. Wir brauchen Chlor, wir haben niemanden hier, und die Verantwortlichen - wo sind sie?"

Krankenhäuser sind schwer beschädigt

In der Krisenregion herrscht Ausnahmezustand. Tausende Soldaten kontrollieren die Straßen. Wegen der Plünderungen und Zusammenstößen mit der Polizei hat die Regierung von neun Uhr abends bis sechs Uhr früh eine Ausgangssperre verhängt - trotzdem gehen Plünderungen weiter. Immer wieder kommt es zu wütenden Protesten und Prügeleien. Augenzeugen berichten von chaotischen Szenen und Vandalismus.

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  • Internationale Hilfe im Katastrophengebiet Chile läuft an
    tagesschau 20:00 Uhr, 02.03.2010 [Matthias Ebert, SWR]
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Wegen kaputter Gasleitungen kommt es zu Bränden, und auch die Krankenhäuser wie in Constitution sind schwer beschädigt, sagt ein Arzt: "Im Moment ist das Krankenhaus nicht funktionsfähig, es werden nur Notfälle behandelt. Das reicht nicht für die Stadt, und es gibt viele Verletze und Kranke, die gekommen sind, wegen der Kälte, wegen des Regens, die Infektionen bekommen haben. So wie das Krankenhaus jetzt ist, ist es nicht im Stande, sie zu behandeln."

Inzwischen spricht Präsidentin Michelle Bachelt von knapp 800 Todesopfern. Und noch immer versuchen Rettungskräfte, Verschüttete zu retten, ein Wettlauf mit der Zeit. Vom Wiederaufbau ist man noch weit entfernt, immerhin will die Regierung in der Hauptstadt Santiago den Alltag normalisieren und morgen den Flugverkehr wieder schrittweise öffnen.

Bilder:

Erdbeben in Chile (Foto: AFP)
Bilderstrecke Erdbeben in Chile Heute vor einem Jahr: Zerstörungen in Santiago, Concepción und anderen Städten des Landes. [mehr]
Stand: 27.02.2011 12:28 Uhr
 

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