Ein Polizist steht vor einem Polizeiauto und zielt auf einen schwarz gekleideten Mann. Das Foto ist ein Filmstill aus einem Video. | Bildquelle: AFP

Mordanklage gegen Polizist aus Chicago Video zeigt Tötung von Teenager

Stand: 25.11.2015 08:57 Uhr

Mehr als ein Jahr nach den tödlichen Schüssen auf einen schwarzen Teenager in Chicago hat die Polizei ein Video von dem Vorfall veröffentlicht. Es zeigt, wie ein Polizist den 17-Jährigen niederstreckt. Nun steht der Beamte wegen Mordes vor Gericht.

Von Rolf Büllmann, ARD-Hörfunkstudio Washington

Es war eine Pressekonferenz, wie man sie nur selten erlebt. Der Bürgermeister von Chicago und sein Polizeichef, die ihre Bürger buchstäblich anflehen, ruhig zu bleiben: "Dieser Vorfall kann für uns ein Moment des Lernens und des Verständnisses sein. Werden wir ihn nutzen, um Brücken zu bauen, die uns als Stadt zusammenbringen, oder wird er dazu führen, dass wir Hindernisse aufbauen, die uns als Stadt zerreißen?"

Der Vorfall, von dem Bürgermeister Rahm Emanuel spricht, hat sich bereits vor mehr als einem Jahr ereignet, am 20. Oktober 2014. Damals hat der Polizeibeamte Jason van Dyke den schwarzen Teenager Laquan McDonald erschossen. Bald danach wurde van Dyke versetzt, es folgte eine lange Ermittlung, und jetzt wurde Mordanklage gegen ihn erhoben.

Chicagos Bürgermeister Emanuel und Polizeichef McCarthy reden auf einer Pressekonferenz. | Bildquelle: AP
galerie

Chicagos Bürgermeister Emanuel (l.): "Dieser Vorfall kann für uns ein Moment des Lernens und der Verständnisses sein."

Video zeigt die Tat

Wenige Stunden später wurde dann auch das Video der Tat veröffentlicht, das aus einem Polizeiauto heraus gefilmt wurde. Es ist ohne Ton, die Bilder aber sprechen für sich: "Kein anderer Polizist am Tatort hat das Gefühl, schießen zu müssen, außer van Dyke, der laut Anklage sechs Sekunden nach seiner Ankunft 16-Mal auf McDonald geschossen hat. Das dauerte 14 Sekunden, von denen der Teenager 13 Sekunden lang auf dem Boden lag. Laut Anklage wollte van Dyke gerade nachladen, als ihm befohlen wurde, das Feuer einzustellen", beschreibt der Sender CBS das Geschehen.

In dem Video ist außerdem zu sehen, dass McDonald ein Messer in der Hand hat. Der Obduktionsbericht ergab später, dass er Spuren der Droge PCP im Blut hatte. Er ist aber weder auf van Dyke zugegangen noch hat er ihn angriffen. Dass es dieses Video gibt, war schon seit Monaten bekannt. Aber erst nach einer richterlichen Anordnung, es zu veröffentlichen, wurde es jetzt auch publik gemacht.

Die Webseite der Polizei brach unter dem Ansturm derer, die das Video sehen wollten, zwischenzeitlich zusammen. Wenige Minuten, nachdem es dann zugänglich war, waren dann die ersten Demonstranten auf den Straßen Chicagos und riefen "Sixteen Shots!", 16 Schuss.

Washington: Proteste in Chicago nach Mordanklage wegen Polizeigewalt
R. Büllmann, ARD Washington
25.11.2015 07:26 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

"Sie haben kein Recht, kriminell zu sein"

Cornell William Brooks, Chef der Bürgerrechtsorganisation NAACP, sagte: "Natürlich wollen wir, dass es ruhig bleibt. Aber Tatsache ist nun mal, dass diese Mordanklage in einem Umfeld erhoben wurde, in dem es schon lange daran fehlt, dass Polizisten zur Verantwortung gezogen werden. Wir wollen also Gewaltlosigkeit - aber auch Deutlichkeit in unserem Protest, wenn sie so wollen."

Deutlichkeit? Ja!, sagt auch Chicagos Polizeichef Garry McCarthy. Aber Gewalt? Nein! "Die Leute haben ein Recht, wütend zu sein und zu protestieren und ihre Meinung zu sagen. Aber sie haben kein Recht, kriminell zu sein."

Angesichts der Vorfälle der vergangenen Monate, bei denen in anderen Städten Proteste gegen Polizeigewalt eskalierten, fürchten die Verantwortlichen eben, dass es auch in Chicago dazu kommen könnte. Die Stadt hält den Atem an.

Darstellung: