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Signalwege erforscht
US-Zellbiologen bekommen Nobelpreis in Chemie
Für ihre Forschung an lebenswichtigen Sensoren im menschlichen Körper erhalten die US-Wissenschaftler Lefkowitz und Kobilka den Chemie-Nobelpreis. Sie entdeckten die G-Protein-gekoppelten-Rezeptoren, über die Zellen auf Veränderungen in der Umwelt reagieren.
Von Tim Krohn, ARD-Hörfunkstudio Stockholm
Da sage noch einer, Chemie sei langweilig! Sven Lidin, Chemiker an der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm, hat Spaß an seinem Fach. Seine Erläuterungen zu den neuen Nobelpreisträgern begannen mit einem großen "Bumm": "Erinnern Sie sich an das letzte Mal, als Sie richtig erschrocken waren? An die Trockenheit im Mund, an das Herz, das einen Schlag überspringt? Das alles sind Zeichen dafür, dass sich Ihr Körper auf Flucht oder Kampf vorbereitet. Durch den Körper strömt Adrenalin. Das führt zu einer koordinierten Reaktion der Milliarden von Zellen, aus denen unser Körper besteht. Es ist seit langem bekannt, dass das Adrenalin nicht in die Zellen eindringt. Und trotzdem führen die Adrenalinmengen auf der Außenseite der Zelle zu einer Reaktion im Inneren der Zelle."
Nobelpreis geht an US-Forscher
T. Krohn, ARD Stockholm
10.10.2012 14:48 Uhr
Die amerikanischen Wissenschaftler Robert Lefkowitz und Brian Kobilka untersuchten genau das. Die Grundlagenforschung der beiden trägt dazu bei, diesen Effekt besser zu verstehen. Jede unserer Zellen hat winzige Rezeptoren, die dafür sorgen, dass wir unsere Umgebung überhaupt wahrnehmen können, dass wir riechen, schmecken, fühlen oder dass wir uns eben erschrecken.
Nobelpreis für Chemie geht an Zellforscher Lefkowitz und Kobilka
tagesschau 17:00 Uhr, 10.10.2012, Markus Zeidler, ARD Washington
Wie die Signale in die Zellen gelangen
Lefkowitz und Kobilka fanden heraus, dass die Signale von außen mit Hilfe der sogenannten G-Proteine ins Zellinnere kommen. Entscheidend dabei, so erklärt die Chemikerin Sara Snogerup Linse, sind die Rezeptoren, die an dieses Protein gekoppelt sind. "Die G-Protein-gekoppelten-Rezeptoren liegen auf der Zellmembran. Sie sagen dem Inneren der Zelle, was außerhalb geschieht. Dank der Arbeit von Lefkowitz und Kobilka wissen wir jetzt, wie diese Rezeptoren arbeiten. Sie funktionieren in etwa wie eine Telefonzentrale in der Wand eines Gebäudes."
Solche Erkenntnisse sind nach den Worten der Experten ganz entscheidend für mögliche Medikamente. Schon jetzt richten sich bis zu 50 Prozent aller Arzneimittel genau an diese Rezeptoren.
Nobelpreis statt Frisörbesuch
Das mit dem Adrenalin übrigens hätte der frisch gekürte Preisträger Lefkowitz heute auch gleich an sich selber untersuchen können. Als der Anruf des Nobelkomitees kam, war es bei Lefkowitz in den USA sechs Uhr morgens. Der Chemiker schlief mit Ohrstöpseln. Seine Frau musste ihn wecken. Die Aufregung danach war umso größer. "Ein völliger Schock war das. Ich glaube, das wird ein hektischer Tag heute. Eigentlich wollte ich ja noch zum Frisör, aber das wird dann wohl eher ein verrückter Tag im Büro." "Sie sollten mich mal sehen", sagte Lefkowitz noch. Ein neuer Haarschnitt sei wirklich dringend notwendig.
Stand: 10.10.2012 15:17 Uhr
