Soldaten unter dem Eiffelturm | Bildquelle: AFP

Einweihung von Gedenktafeln in Paris Wie hat der Terror Frankreich verändert?

Stand: 05.01.2016 10:42 Uhr

Knapp ein Jahr nach den Anschlägen auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt in Paris hat Frankreichs Staatschef Hollande mehrere Gedenktafeln in Erinnerung an die Opfer enthüllt. Frankreich hat ein Jahr des Terrors erlebt. Wie haben die Anschläge das Land verändert?

Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Polizisten vor dem Anschlagsort der Geiselnahme in Paris | Bildquelle: dpa
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Polizisten vor dem Anschlagsort der Geiselnahme in Paris

Es ist kein geringerer als Premierminister Manuel Valls, der im französischen Fernsehen gesteht: "Ich habe auch ein flaues Gefühl im Magen, ich habe vier Kinder." Angst - der ständige Begleiter der Franzosen seit dem Anschlagsjahr 2015? Viele haben zwar Angst, aber wollen sich von ihr nicht leiten und dominieren lassen.

"Wir finden langsam wieder zu unseren alten Ausgeh-Gewohnheiten von vor den Anschlägen zurück", sagt eine junge Frau in einer Kneipe. Es bringe nichts, sich einzuigeln. "Wir versuchen, wieder Spaß an unserem Leben zu haben."

Ein Land im Ausnahmezustand

Frankreich befindet sich seit den Anschlägen vom 13. November im Ausnahmezustand - und dieser Zustand dauert an. 10.000 Soldaten und Polizisten sind im ganzen Land verteilt, besonders viele in Paris. Was Pariser und Touristen zu gleichen Teilen verunsichert und beruhigt: "Ich bin Tunesierin, ich fühle mich sicher!". Eine ältere Frau nickt heftig und ruft: "Mich beruhigen diese Soldaten, wenn ich sie sehe, das schafft Sicherheit." Es ist eine gefühlte Sicherheit.

Sicher ist aber auch: Frankreich haben die Anschläge von Januar und November zugesetzt - und sie haben das Land nach wie vor im Griff. Die Debatten, wie man dem Terrorismus begegnet, bestimmen die Agenda: Soll man Terroristen die französische Staatsbürgerschaft entziehen? Ja - sagt der Front National. Ja - sagen fast 90 Prozent der Franzosen. Und Ja sagt der sozialistische Premier Valls.

Der französische Präsident François Hollande besuchte Soldaten, die die Feierlichkeiten beschützen. | Bildquelle: REUTERS
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Präsident Hollande begrüßt Silvester Soldaten, die die Feierlichkeiten beschützten.

Es gehe nicht primär darum, wie wirksam diese Maßnahme sei, so Valls. Sie sei vielmehr überaus symbolisch zu sehen: "Diese Sanktion wiegt schwer und sie richtet sich gegen denjenigen, der die Nation verrät wie sonst keiner."

Sind im Krieg alle Mittel Recht?

Frankreich ist im Krieg, dieses Mantra wiederholt der Premier bei jeder Gelegenheit, und auch Präsident François Hollande sieht sich als obersten Kriegsherren. Sind im Krieg aber nun wirklich alle Mittel recht? Hausdurchsuchungen einfach so, ständig? Nicht nur Rechtsprofessoren wie Christine Lazerge bezweifeln das. Das greife wirklich stark in die Bürgerrechte ein, den Rechtsstaat auf diese Weise zu gefährden, das ist unmöglich.

Schweigeminute für die Opfer der Anschläge in Paris: Hollande und Valls | Bildquelle: dpa
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Der französische Präsident Hollande, Ministerpräsident Valls und andere Regierungsmitglieder haben die Gedenkminute zusammen mit Studenten der Sorbonne verbracht.

In dem Ausnahmezustand, in dem sich das Land befindet, werden täglich Bürgerrechte verletzt - und Terroristen nicht gefunden. Trotzdem gibt es keinen Aufschrei. Höchstens Sarkasmus: "Diese Durchsuchungen, die derzeit stattfinden, sind wirklich zum Schießen", meint David Thomson, ein Kenner der Islamisten-Szene. "Ein Dschihadist, den ich kenne, hat mir gesagt: 'Wenn sie so weitermachen, finden sie tatsächlich noch einen echten Dschihadisten.'"

Thomson hat seine Kontakte, und was er erzählt, klingt wenig beruhigend: "Alle, die sich auskennen, wissen, dass wir in einer neuen Zeitrechnung angekommen sind. Diese Attentate werden nicht aufhören, das nächste kommt bestimmt, es ist unvermeidlich."

Angst essen Seele auf? Frankreich ein Jahr nach Charlie Hebdo

05.01.2016 10:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Januar 2016 um 12:00 Uhr.

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Barbara Kostolnik, WDR

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