Elektronik-Messe in Las Vegas Drohnen auf dem Weg ins Kinderzimmer?

Stand: 07.01.2016 17:28 Uhr

Es summt und brummt auf der Consumer Electronics Messe in Las Vegas. Besonders weil Spielzeughersteller immer mehr Technik in ihre Produkte einfließen lassen. Programmierbare Lego-Figuren oder mit der App gesteuerte Quietscheenten sind da nur der Anfang.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Studio Los Angeles, zzt. in Las Vegas

Was da so etwas quäkend summt, ist eine elektronische Biene, gebaut aus Legosteinen, die, aufgehängt an einem kleinen Stab motorgetrieben um eine Blüte kreist, und auch die ist - klar - aus Lego gebaut. Das Besondere: Die Bewegungen der Biene folgen einem Programm, das Pamela Scifers auf einem Tablet zusammenstellt, indem sie Module wie eine Kette aneinanderreiht: "Um zu Programmieren, müssen sie nur eins der Icons für den Motor oder den Klang in die Reihe ziehen, und dann auf 'play' drücken."


Damit das funktioniert, gibt es neben den bekannten Bausteinen auch Sensoren und Motoren - und ein Funkmodul, über das der Bausatz dann von der App aus ferngesteuert werden kann. Die Zielgruppe: Schulkinder der zweiten bis vierten Klasse. "Es lässt sich einfach bedienen und soll diesen jüngeren Schülern ihre ersten Schritte in die Welt des Programmierens ermöglichen", erklärt die Lego-Mitarbeiterin. "Unsere Experten haben darauf geachtet, dass die Schüler auch echte Erfolgserlebnisse haben."

Der Blick über die Einganghalle der Consumer Electronics Messe 2016 in Las Vegas. | Bildquelle: AFP
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Auf der Consumer Electronics Messe 2016 in Las Vegas sind Kinder und Jugendliche sehr willkommen.

Summende Haustiere im Kinderzimmer


In den USA wird schon die Vorversion "WeDo" an zahlreichen Schulen eingesetzt. Für die neue Version 2.0 kostet das Grundpaket für zwei Schüler etwa 450 Euro - es gibt aber auch eine Variante für zuhause für 150 Euro. Lego setzt offenbar darauf, dass den Elten der Geldbeutel etwas lockerer sitzt, wenn das Kind beim Spielen auch noch Programmieren lernt.

Die Dänen haben das System zusammen mit Forschern aus dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt - und liegen damit im Bereich Bildung und Spielzeug voll im Trend: Überall auf der CES brummt und summt es - programmierbare Hunde, Androiden oder Drohnen sollen sichtlich schon bald Standard im Kinderzimmer werden. Besonders früh setzt Edwin an - auf den ersten Blick eine etwas groß geratene Quietsche-Ente.

Selbstvertrauen durch Apps gewinnen


Edwin sei die klügste Ente der Welt, sagt Alicia Thomson von der Herstellerfirma "pi lab". Sie hat selbst vier Kinder und erklärt, sie habe deren Erlebnisse und Probleme in die Geschichten einfließen lassen, die Edwin via Tablet-App erlebt und die von der eigentlichen Gummiente interaktiv begleitet werden: "In der ersten Geschichte wacht Edwin auf und fühlt sich klein und hilflos", sagt Thomson.

Ein BMX-Fahrer springt über eine Rampe und lässt sein Rad im Sprung um die eigene Achse rotieren. | Bildquelle: dpa
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Die Messe lockt Jugendliche unter anderem auch mit Aktionen wie z.B. BMX-Shows.

"Aber dann helfen wir ihm, sich die Zähne zu putzen und Frühstück zu machen. Am Ende der Geschichte erinnert sich Edwin daran, was er schon alles kann und gewinnt ein Wettschwimmen. Wir vermitteln den Kindern also Selbstvertrauen mit der Geschichte."

Nicht jedes Produkt, das auf der CES vorgstellt wird, schafft es auch auf den Markt - Edwin war schon voriges Mal als Konzept zu sehen und ist nun tatsächlich für umgerechnet um die 90 Euro bei der großen US-Elektronikkette Best Buy zu haben.

Klavier spielen wie Beethoven

Fast schon klassisch ist der Ansatz von "The One" - das elektronische Klavier verknüpft sich ebenfalls mit einer Tablet-App und zeigt dem Klavierschüler über LEDs an, welche Tasten er als nächstes anschlagen muss. "Wir starten dabei mit etwas Leichtem wie zum Beispiel Beethoven", sagt Firmenmanager Carlo Niboli. "Die Tasten fangen an zu leuchten und man spielt es nach".


Das Klavier kostet umgerechnet knapp 1.400 Euro - es gibt aber auch eine kleinere Version für etwa 280 Euro. Mit der App und den zugehörigen YouTube-Lernvideos der Firma wird natürlich wieder mal eine menschliche Interaktion zwischen Schüler und Klavierlehrer durch eine zwischen Mensch und Maschine ersetzt.

Ein Junge lernt das Klavier spielen mit Hilfe eines Tablets. | Bildquelle: AFP
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Hier dient das Tablet "nur" als Notenhalter, aber schon bald soll es Kindern das Klavier spielen alleine beibringen.

Doch Carlo Niboli entgegnet: "Mütter lieben daran, dass es bei ihren Kindern zur vermutlich gesündesten Sucht nach einem technischen Gerät führen kann: Man lernt auf einem echten Klavier, aber mit der App kommt der Fun-Faktor dazu, dass man sich zum Beispiel mit anderen in der Familie duellieren kann. Wir haben so viel Interaktion wie möglich hinzugefügt."


Das "Internet der Dinge" - also der Trend in alle möglichen Gegenstände Chips zum Vernetzen und Fernsteuern einzubauen, macht auch vor Spielzeug und dem Bildungsbereich nicht halt. Denn auch da müssen sich die Hersteller natürlich jedes Jahr etwas Neues einfallen lassen, wenn sie ihre Produkte verkaufen wollen - ein Schicksal, das sie mit den großen Computer- und Elektronikfirmen teilen.

Technikmesse CES: Bildung, Spielerei, Geldmacherei? Elektronik für Kinder
W. Stuflesser, ARD Los Angeles
07.01.2016 17:28 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 07. Januar 2016 um 05:38 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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