Mevlüt Cavusoglu. | Bildquelle: AFP

Deutsch-türkische Beziehungen Cavusoglu will einen "Neustart"

Stand: 05.01.2018 04:06 Uhr

Am Samstag trifft der türkische Außenminister Cavusoglu seinen deutschen Amtskollegen Gabriel in Goslar. Vor dem Treffen fordert Cavusoglu in einem Zeitungsbeitrag einen "Neustart" für die deutsch-türkischen Beziehungen. Dabei erwähnt er auch den Fall Deniz Yücel.

Vor dem Treffen mit seinem Kollegen Sigmar Gabriel hat der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu für mehr gegenseitiges Verständnis geworben. "Beide Seiten haben Interesse an einem Neustart im bilateralen Verhältnis, da wir in einer Zeit voller Herausforderungen leben", schreibt er in einem Gastbeitrag für die Funke Mediengruppe.

Außenminister Sigmar Gabriel (l.) spricht bei einem Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu am 08.03.2017 im Hotel Adlon in Berlin. | Bildquelle: dpa
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März 2017: Außenminister Sigmar Gabriel bei einem Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu.

"Es wäre daher rational, unsere Beziehungen, wie schon seit 300 Jahren, in Freundschaft und Zusammenarbeit fortzuführen", schreibt er weiter. Das sei allerdings nur möglich, wenn beide Seiten die "gegenwärtige Krisenspirale" durchbrächen. Bereits an Neujahr hatte sich Cavusoglu zu den deutsch-türkischen Beziehungen geäußert und sprach davon, diese "zu normalisieren".

"Megaphon-Diplomatie" fehl am Platz

Cavusoglu wird am Samstag auf Einladung Gabriels in dessen Heimatort Goslar erwartet. Der politische Dialog auf hoher Ebene solle "vertrauensvoll und gegebenenfalls durch inoffizielle Gesprächskanäle fortgeführt werden", schreibt Cavusoglu. "Megafon-Diplomatie" sei fehl am Platz.

Als größte Erwartung an Deutschland nannte Cavusoglu, dass es eine "entschlossene Haltung" bei der Unterbindung der Aktivitäten der Gülen-Bewegung und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zeige. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch im Juli 2016 in der Türkei verantwortlich.

Türkische Regierung: Stellungnahme zu Yücel

Zum Fall des seit Februar 2017 ohne Anklage wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft sitzenden "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel schrieb der Minister: Er wisse, dass "insbesondere die Fälle einzelner Inhaftierter in der Türkei in der deutschen Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt" würden. Seine Regierung tue alles, um juristische Verfahren zu beschleunigen.

Gestern kam zum ersten Mal seit Yücels Verhaftung Bewegung in den Fall. Die Regierung in Ankara reichte nach neun Monaten ihre Stellungnahme beim türkischen Verfassungsgericht zur Beschwerde des "Welt"-Korrespondenten gegen dessen Untersuchungshaft ein. Wie die "Welt" berichtete, bekräftigt das Ministerium darin die Vorwürfe, dass sich Yücel mit seinen Artikeln für die Zeitung der "Terrorpropaganda" und der "Volksverhetzung" schuldig gemacht habe.

Cavusoglu wirbt in deutschen Medien für Normalisierung der Beziehungen
J. Wiening, ARD Berlin
05.01.2018 12:13 Uhr

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Über dieses Thema berichteten NDR 1 Niedersachsen am 03. Januar 2018 um 13:00 Uhr und Deutschlandfunk am 05. Januar 2017 um 09:00 Uhr.

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