Das Porträt von Fidel Castro auf einer Mauer in Havanna | Bildquelle: AP

Ein Jahr nach Fidel Castros Tod Kuba hofft vergeblich auf Fortschritt

Stand: 25.11.2017 04:11 Uhr

Ein Jahr nach Fidel Castros Tod ist das Gedenken an den Revolutionsführer allgegenwärtig. Doch wer auf mehr politische Öffnung gehofft hatte, wurde enttäuscht. Und das wieder getrübte Verhältnis zu den USA drückt die wirtschaftliche Entwicklung.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-City

"Ich bin Fidel", schallte es vor einem Jahr über das trauernde Kuba. Die Parole sollte die Unsterblichkeit des Revolutionsführers ausdrücken. "Fidel war Fidel, ist Fidel und wird immer Fidel bleiben", erklärt ein junger Soldat der Ehrenwache vor Castros Grabstein. "Er brauchte kein Amt, um seinen besonderen Platz im Herzen des kubanischen Volkes und aller Völker zu bewahren."

Castros Grabstelle ist Pilgerstätte und Touristenattraktion in Santiago de Cuba geworden. Orte, die nach ihm benannt wurden, gibt es keine. Der derzeitige Präsident Raúl Castro versicherte, sein Bruder Fidel habe darauf bestanden, dass sein Name niemals für Personenkult benutzt werden dürfte.

Das Grab von Fidel Castro auf dem Friedhof Santa Ifigenia in Santiago de Cuba | Bildquelle: dpa
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Das Grab von Fidel Castro ist für viele seiner Anhänger eine Pilgerstätte.

Kaum Fortschritte unter Raúl Castro

Fidel Castros Andenken ist trotzdem omnipräsent. Wände und Transparente erinnern an seine Worte: Sozialismus und Vaterland oder Tod. Der Sozialismus ist im Einparteienstaat nach wie vor Gesetz.

2006 hatte sich Fidel Castro nach Jahrzehnten an der Staatsspitze wegen schwerer Krankheit aus den Regierungsgeschäften zurückgezogen und sie seinem Bruder Raúl überlassen. Die Kontinuität war gewährleistet. Nach Fidels Tod sind die Reihen der kommunistischen Partei- und Staatsführung fest geschlossen.

Wer auf mehr politische Öffnung nach dem Tod des Maximo Líder gehofft hatte, wurde enttäuscht. Fidel galt als Politiker, der auf der Bremse stand. Unter anderem war er nicht einverstanden mit der Annäherung Kubas und der USA, die sein Bruder Raúl und der frühere US-Präsident Obama Ende 2014 begonnen hatten. Doch Fortschritte sind nach seinem Tod nicht zu verzeichnen.

Das Bild Fidel Castros auf einem pinken Cadillac | Bildquelle: AFP
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Auch ein Jahr nach seinem Tod ist Fidel Castro omnipräsent.

"Fidel für immer", steht an einer Wand in Havanna | Bildquelle: AFP
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An vielen Wänden in Havanna wird an den Maximo Líder erinnert.

Wechsel im Weißen Haus bringt Wirtschaft in Schwierigkeiten

Obamas Nachfolger Donald Trump stoppte den Annäherungskurs und begrub die Hoffnungen von Millionen Kubanern auf wirtschaftlichen Aufschwung.

Kubas Außenminister Bruno Rodriguez warf Trump vor den Vereinten Nationen vor, im Interesse der extremen Rechten in den USA zu handeln: "Präsident Trump hat immer wieder betont, dass er das Wirtschaftsembargo nicht aufheben wird, solange es bei uns keine politischen Veränderungen gibt", sagt Rodriguez. Doch Kuba werde niemals Bedingungen oder Auflagen akzeptieren. "Wir erinnern Präsident Trump daran, dass das Embargo - wie bei seinen Vorgängern - noch nie funktioniert hat und nie funktionieren wird."

Dem Ansturm hunderttausender US-Touristen, die nach Jahrzehnten der Eiszeit neugierig die Insel erkundeten, hat Trump ein Ende gesetzt - zum großen Bedauern der Kubaner, die auf eigene Rechnung arbeiten. "Er muss verstehen, dass sich unsere Situation dadurch sehr verschlechtert", sagt eine der Selbstständigen. "Viele von uns - vor allem in Havanna - leben von den US-Touristen. Sie werden ihre Arbeit verlieren."

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Abschied von Fidel Castro (November 2016)

Staatstrauer um Fidel Castro

Nach dem Tod des Revolutionsführers Fidel Castro am 25. November nehmen die Kubaner Abschied. Eine Woche lang herrscht Staatstrauer in Kuba. Zum Auftakt mehrtägiger Trauerfeierlichkeiten zogen die Menschen zur Gedenkstätte für den Nationalhelden José Martí in Havanna, um Castro dort die letzte Ehre zu erweisen. | Bildquelle: dpa

Kontinuität auch nach der Machtübergabe

Wirtschaftlich steht Kuba mit dem Rücken zur Wand. Das verbündete Venezuela schickt wegen seiner eigenen Krise nur noch einen Bruchteil der früheren Unterstützung.

Politische Veränderungen sind für Kuba dennoch nicht verhandelbar, auch nicht, wenn die Ära der Castros endet. Der 86-jährige Raúl hat angekündigt, das Präsidentenamt im Februar abzugeben. Wer sein Nachfolger wird, steht noch nicht fest. Nur eines ist wieder garantiert: die Kontinuität. Der Übergang ist längst organisiert.

Kuba nach dem Tod von Fidel Castro
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexico City
24.11.2017 21:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR5 am 25. November 2017 um 06:05 Uhr.

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