Fidel Castro | Bildquelle: dpa

Eine ungewisse Zukunft Leben in Kuba ohne Castro

Stand: 28.11.2016 03:13 Uhr

Fast 50 Jahre lang hat Fidel Castro das sozialistische Kuba regiert. Wie geht es nach seinem Tod weiter? Brechen die alten Strukturen auf oder bleibt die Macht fest in den Händen der kommunistischen Partei- und Staatsführung?

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD Studio Mittelamerika und Karibik

"Ich bin Fidel", rufen Studenten an der Universität von Havanna. Einige haben Tränen in den Augen. Nur die Alten kennen ein Kuba ohne Fidel. Was für Generationen unvorstellbar war, ist seit zwei Tagen real: Der Sozialismus existiert weiter ohne den maximo líder. Ein Student erzählt: "Fidel hat Kuba auf die Weltkarte gehoben. Durch ihn wurde Kuba für viele Völker zum Vorbild, vor allem für die Ärmsten, die Marginalisierten."

Im Staatsfernsehen tritt Elián González auf - eine der wichtigsten Propagandafiguren. 1999, als er sechs Jahre alt war, begleitete er seine Mutter bei der Flucht übers Meer in das nahe Florida. Sie kam ums Leben, Elian rettete sich auf einem Autoreifen an die US-Küste und wurde zum Spielball der Mächte. Am Ende kam er wieder nach Kuba, zu seinem Vater - und zu Fidel Castro, der sich als Vaterfigur des traumatisierten Kindes inszenierte: "Fidel war wie ein Vater, später wurde er zum Freund. Wie meinem Vater wollte ich auch ihm zeigen, was ich erreicht oder gelernt hatte. Es sind so viele Dinge, die ich ihm jetzt nicht mehr zeigen kann. Ich habe gehofft, dass er uns immer begleitet, dass er von all meinen Erfolgen erfährt und stolz auf mich ist."

Kubaner nehmen Abschied von Revolutionsführer Fidel Castro
tagesschau 14:00 Uhr, 28.11.2016

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Viel Schmerz durch Castro erlebt

Diese Art von Trauer ist im Alltag nicht sichtbar. In einem Zeitungskommentar beschreibt die Bloggerin Yoani Sánchez die Stimmung als gleichgültig, die Menschen zuckten mit den Schultern. Die Nation werde sich nicht in das Schwarz einer Witwe hüllen, weil sie durch Castro zu viel Schmerz erlebt habe - die vielen auf der Flucht Ertrunkenen etwa. Nur wenigen, wie dem Bruder, Präsident Raúl Castro, werde Fidel fehlen: "Für Raúl Castros Leute wird es schwierig, weiter zu behaupten, schnelle und tiefgreifende Reformen seien nicht möglich, weil in einer Villa am Stadtrand von Havanna ein 90-Jähriger den Fuß nicht von der Bremse nimmt."

Fidel galt als Kritiker der Wirtschaftsreformen und des Annäherungsprozesses an die USA. Angeblich stritten die Brüder über den neuen Kurs. Der Bad Cop Fidel aber fehlt jetzt.

Kann das Regime überleben?

Der konservative peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa war einst beeindruckt von Fidel Castros Revolution. Auf der größten Buchmesse Lateinamerikas, der FIL in Mexiko, erzählt er, wie schnell er dann enttäuscht gewesen sei, als Castro aus Kuba einen sozialistischen Staat machte. Deshalb werde die Geschichte Fidel nicht freisprechen. "Sein Tod wird einen Schneeball ins Rollen bringen wie der Tod von Stalin. Ohne den Diktator wird das Regime auf Dauer kaum überleben. Ich glaube nicht, dass Fidel als Mythos, Legende oder Titelheld ersetzbar ist. Die Kontroll-und  Herrschaftsstrukturen werden nach und nach aufbrechen. Wir können nur hoffen, dass dieser Prozess kurz und schmerzlos ist und dem kubanischen Volk nicht noch mehr Leid bringt", sagt Llosa.

Aber die kommunistische Partei- und Staatsführung hatte seit Fidel Castros Krankmeldung im Jahr 2006 viel Zeit, die Strukturen zu stärken. Die Macht ist in festen Händen, an einen Politikwechsel derzeit nicht zu denken.

Über dieses Thema berichteten die tagesschau am 28. November 2016 u.a. um 05:30 und 14:00 Uhr und tagesschau24 u.a. um 10:00 Uhr.

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