Cannabis-Gewächshaus | Bildquelle: Marcus Schuler/ARD

Legalisierung in Kalifornien Cannabis - neuer Markt für Unternehmer

Stand: 29.12.2017 15:51 Uhr

Ab Januar ist in Kalifornien der Verkauf von Marihuana legal. Für Unternehmer erschließt sich damit ein neuer Markt. Viele stockten im Vorfeld ihre Lager auf und stellten mehr Personal ein. Marcus Schuler hat sich in der vielleicht bald Boom-Branche umgehört.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Marc Matulich sagt, er sei vorsichtig aufgeregt. Der kommende Montag - der 1. Januar 2018 - ist in Kalifornien eigentlich ein Feiertag. Matulich öffnet trotzdem seinen Arzneimittelshop "Airfields" in San Jose im Süden des Bundesstaates. Seit 1996 ist Cannabis für medizinische Zwecke in Kalifornien legal. Wer ein vom Arzt ausgestelltes Attest vorlegen konnte, durfte in Kalifornien die Droge kaufen. Ab kommenden Jahr darf das jeder, der 21 Jahre alt ist.

Matulich, 35 Jahre alt, hat BWL studiert. Er betreibt seit sieben Jahren gleich gegenüber vom Flughafen das "Airfields" und verkauft Cannabis. "Wir wissen noch nicht, was da genau auf uns zukommt", sagt Matulich mit Blick auf den 1. Januar. "Der Umsatz wird sicherlich nach oben gehen." Das sei natürlich gut. "Es gibt aber auch viele ungeklärte Fragen, was die Nachfrage und den Nachschub angeht."

Schwerer Geruch

Marc Matulich | Bildquelle: Dennis Hunter
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"Endlich ist Kalifornien so weit." Marc Matulich, Betreiber des Arzneimittelshops "Airfields" in San Jose.

Unternehmer Matulich freut sich, dass Kalifornien endlich so weit ist. "Vor Monaten haben wir unsere Lager aufgestockt. Wir haben mehr Personal eingestellt. Alle zwölf Kassen sind geöffnet, und unsere Mitarbeiter sind in der Lage, die Produkte zu wiegen und zu verkaufen."

Insgesamt achtzig Mitarbeiter hat Airfields mittlerweile fest angestellt. Das besondere an Matulichs Konzept ist, dass er direkt neben dem Verkaufsraum die Hanfpflanzen anbaut. Auf zwei Stockwerken. Der Geruch, den die Blüte der Pflanze verströmt, ist schwer. Man muss sich daran gewöhnen.

Umgerechnet knapp 30.000 Euro gibt Matulich allein für Stromkosten im Monat aus. "Am meisten verkaufen wir hier die Blüten - sie machen rund 65 Prozent unseres Umsatzes aus. Danach sind die Vaporizer stark im Kommen" so Matulich. Er meint damit Inhalatoren, die kaum nach Cannabis riechen und auch nicht die Giftstoffe des Joints enthalten.

Cannabis-Gewächshaus | Bildquelle: Marcus Schuler/ARD
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Das Cannabis-Gewächshaus im "Airfields" in San Jose liegt direkt neben dem Verkaufsraum und erstreckt sich über zwei Stockwerke.

Neue Produkte

"Die Blüte der Cannabis-Pflanze zu rauchen, hat keine Zukunft" sagt Matulich. "Meine Idee damals war, der Hanfpflanze ihre Wirkstoffe zu entziehen, um sie aufzuteilen und daraus neue Produkte zu machen. Die Dosierung wird dadurch einfacher." Außerdem sei es nicht jedermanns Sache, auf der Straße einen Joint zu rauchen.

Dennis Hunter kennt das Problem. Für den 45-Jährigen ist Cannabis seit seinem 17. Lebensjahr eine große Leidenschaft. Hunter hat nie einen Beruf erlernt. Heute gehört sein Unternehmen "Cannacraft" zu den größten Cannabis-Herstellern in Kalifornien. Cannacraft entzieht den Pflanzen zunächst das Öl und reinigt es. Und je nachdem, für welche Produkte es weiterverarbeitet werden soll, isolieren die Mitarbeiter den chemischen Bestandteil THC, der für die Wirkung von Cannabis verantwortlich ist. "Der Reinheitsgrad des THC beträgt zwischen 90 und 94 Prozent", sagt Hunter. "Wir extrahieren alle Terpene, Fette und das Chlorophyll. Dadurch erhalten wir pures Cannabis-Öl."

Juristische Grauzone

Dennis Hunter
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Dennis Hunter saß im Gefängnis, weil er Cannabis angebaut hatte. Nun verdient er damit legal sein Geld und führt ein großes Unternehmen.

Sechseinhalb Jahre saß Dennis in zwei Bundesgefängnissen ein, weil er Cannabis in großem Stil angebaut hatte. Jetzt, wo die Droge vollständig legalisiert wird, ist es fast genau zehn Jahre her, dass er wieder auf freien Fuß gekommen ist. Hunter sieht sich als Opfer in einer juristischen Grauzone. Denn was auf Bundesstaatenebene seit 1996 in Kalifornien zumindest zunächst schon für medizinische Zwecke legal war, ist auf nationaler Ebene in den USA nach wie vor illegal.

"Viele unserer finanziellen Transaktionen werden mit Bargeld abgewickelt, weil die Banken uns nach wie vor nicht als Kunden akzeptieren", sagt Hunter. "Wir haben hier viel Cash, und das ist natürlich ein Sicherheitsrisiko, weil wir zum Ziel eines Raubüberfall werden könnten." Was die vollständige Freigabe von Cannabis angehe, hinke Kalifornien bislang hinterher.

In Staaten wie Colorado oder Washington ist die Droge schon seit mehreren Jahren legal. Kalifornien ist jedoch für die Branche besonders attraktiv. Und das liegt an seiner Größe. Gut 40 Millionen Menschen leben in dem Bundesstaat. Und es gibt mehr als 2500 staatlich lizenzierte Verkaufsstellen für Cannabis. Das Filialnetz des Kaffeehausunternehmen "Starbucks" ist kleiner.

Kiffen ganz legal in Kalifornien
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
29.12.2017 10:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Dezember 2017 um 14:50 Uhr.

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