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Kommentar

Umstrittene Rede zur Europäischen Union

Man kann Cameron auch ernst nehmen

Von Rolf-Dieter Krause, ARD-Studio Brüssel

Die meisten Politiker in Europa haben heute über Herrn Cameron den Kopf geschüttelt. Die Selbstgerechtigkeit, mit der das oft geschehen ist, erstaunt allerdings ein wenig. Hat eigentlich die Europapolitik der - sagen wir -  vergangenen 20 Jahre so wahnsinnig großen Erfolg gehabt? 

Camerons Analyse stimmt doch. Europa insgesamt verliert seit Jahren an Wettbewerbsfähigkeit, es ist zunehmend gespalten, es reagiert viel zu träge auf jede Herausforderung, es verliert bedrohlich die Zustimmung seiner Bürger. Da von mehr Europa zu reden, ist wirklich gewagt. Das möchte ich sehen, wenn etwa die Wirtschaftspolitik für Deutschland von der längst vorhandenen Mehrheit jener Länder bestimmt würde, die auf diesem Feld - nun ja - nicht gerade erfolgreich waren.  

Nicht Rosinenpickerei, aber mehr Raum für unsere so oft bejubelte, aber nie ernst genommene Verschiedenheit zu schaffen - ist das so falsch, darüber nachzudenken? Und wäre nicht weniger manchmal mehr? Muss Brüssel sich immer wieder um Fragen kümmern, die nicht hierher gehören, egal, wie man dazu inhaltlich steht?

Kommentar: Rolf-Dieter Krause (ARD Brüssel) zu Camerons Europarede
tagesthemen 22:45 Uhr, 23.01.2013

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Ein Austritt wäre das Ende Großbritanniens

Man muss Cameron also nicht niedermachen, man kann ihn auch ernst nehmen. Das gilt nur nicht für die Drohung mit dem Austritt: Der nämlich wäre das Ende Großbritanniens, weil die ohnehin nach Unabhängigkeit strebenden Schotten unbedingt in der EU bleiben wollen.

Vor allem aber würde er einen Verlust bedeuten, den die Briten sich nicht leisten können: Den jenes gemeinsamen Marktes nämlich, auf den Cameron die EU gerne reduzieren würde. Auf genau das aber wird sich in Europa niemand einlassen, muss auch niemand. Da kann man nun wirklich - ganz britisch - gelassen bleiben.

Stand: 23.01.2013 21:36 Uhr

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