Die C-Star der rechtsextremen Identitären Bewegung im Mittelmeer | Bildquelle: AFP

"C-Star" in Seenot Flüchtlingshelfer eilen Rechtsextremen zu Hilfe

Stand: 11.08.2017 19:04 Uhr

Eigentlich wollten sie die Arbeit der privaten Seenotretter behindern, die vor der libyschen Küste Flüchtlinge vor dem Ertrinken retten. Nun sind Mitglieder der rechtsextremen "Identitären Bewegung" offenbar selbst in Seenot geraten - weisen aber die Hilfe der Retter zurück.

Ein Schiff rechtsextremer Aktivisten, die Flüchtlinge an der Überfahrt nach Europa hindern wollen, ist nach Angaben der deutschen Organisation "Sea-Eye" vor Libyen in Seenot geraten. Die "C-Star" der "Identitären Bewegung" sei durch einen Maschinenschaden manövrierunfähig, teilte die deutsche Flüchtlings-Rettungsorganisation mit.

Sea-Eye @seaeyeorg
⚠️ BREAKING NEWS (11.8.17): Identitären-Schiff "C-Star" in Seenot - Sea-Eye zur Hilfe gerufen Regensburg... https://t.co/Ll43A9KIAI

"Sea-Eye"-Gründer Michael Buschheuer sagte, seine Crew sei von der EU-Krisenbewältigungsoperation "Sophia" aufgefordert worden, der "C-Star" zu Hilfe zu eilen. Das Schiff habe einen Maschinenschaden, sei manövrierunfähig und brauche Hilfe, hieß es. "In Seenot Geratenen zu helfen, ist die Pflicht eines jeden, der auf See ist - unterschiedslos zu seiner Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Gesinnung", so Buschheuer.

Das "Nazi-Schiff" habe die Hilfe aber nicht annehmen wollen, sagte ein Sprecher von "Sea Eye". Die zur "Identitären Bewegung" zählenden Aktivisten der "C-Star" schrieben auf Twitter: "Wir haben ein technisches Problem, das aber keine Seenotrettung erforderlich macht."

Defend Europe @DefendEuropeID
���� The #CStar is having technical difficulty. We're resolving it. No distress. #DefendEurope https://t.co/4qksU8fN1N

Vom Verfassungsschutz beobachtet

Die Rechtsextremen, die in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet werden, machen seit mehreren Wochen im Mittelmeer Druck auf Flüchtlingsretter, denen sie "Menschenhandel" vorwerfen. Erst vor wenigen Tagen verfolgten sie ein Schiff der beiden Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée (SOS Mittelmeer). Die "Identitäre Bewegung" hat auch in Frankreich und Italien Anhänger.

Die Sea-Eye bei einer Rettungsaktion im Mittelmeer. | Bildquelle: dpa
galerie

Die Sea-Eye im April dieses Jahres mit einem Schiff der Bundeswehr bei einer Rettungsaktion im Mittelmeer.

Ein Sprecher von "Sea-Eye" übte aber scharfe Kritik an den Zielen der "C-Star"-Aktivisten. Ihnen gehe es um ein "großangelegtes Propaganda-Manöver" gegen Flüchtlinge und ihre Helfer im Mittelmeer. Sie beschränkten sich einseitig auf die Forderung, die Menschen zurück nach Afrika zu bringen.

Der "Sea-Eye"-Sprecher kritisierte zudem die jüngste Drohung Libyens, gegen Flüchtlingshelfer vor der eigenen Küste vorzugehen. Die rechtsextremen Aktivisten hatten die libysche Ankündigung dagegen auf Twitter als "Sieg für die Verteidigung Europas" bezeichnet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. August 2017 um 14:00 Uhr in den Nachrichten.

Darstellung: