Seitenueberschrift

Strafzettel-Versicherung in Tschechien

Eine Flatrate für Knöllchen

Eine Versicherung gegen Strafzettel, die wünscht sich wohl auch in Deutschland so manch notorischer Raser, Handytelefonierer oder Falschparker. In Tschechien ist das bereits Realität - und rechtlich offenbar nicht angreifbar. Kein Wunder, dass das Geschäft mit den Policen boomt.

Von Stefan Heinlein, ARD-Hörfunkstudio Prag

Auto mit tschechischem Polizei-Display
galerie

Wenn dieser Schriftzug im Rückspiegel auftaucht, wird es meistens teuer.

Autofahren in Tschechien kann teuer sein. Radarfallen an jeder Ecke - allerorten Politessen und eifrige Polizisten an vielen Kreuzungen. Die Verkehrskontrollen sind streng und die Strafen saftig. Doch die Beamten haben keinen guten Ruf. Sie gelten als korrupt und wenig zuverlässig - eine Marktlücke für Petr Kocourek: "Viele Autofahrer werden zu Unrecht zu Bußgeldern verurteilt. Die Polizei denkt sich oft irgendeinen Verstoß aus, um dann abzukassieren. Wir wollen die Menschen vor diesen Schikanen schützen."

Rechtshilfe gegen Abzocke ...

Als er wieder einmal einen Strafzettel erhält, hat der Jungunternehmer die Nase voll. Er gründet seine Firma "Fleet Control". Für umgerechnet 60 Euro Jahresbeitrag garantiert die Mitgliedschaft ein sorgenfreies Autofahren: "Unsere Gesellschaft funktioniert ganz einfach. Wir vertreten unsere Klienten vor Gericht und nutzen alle rechtlichen Möglichkeiten. Wir verlangen sattelfeste Beweise und achten darauf, dass alles streng nach Gesetz verläuft."

Verkehrssünder-Flatrate in Tschechien
S. Heinlein, DLF/DLR Prag
12.07.2012 20:58 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

 ... oder Freifahrtschein für Verkehrssünder?

 Die Geschäftsidee funktioniert. Er habe eine Erfolgsquote von 98 Prozent, erzählt Kocourek stolz. Leider sei alles ganz legal, bestätigt der Sprecher des Verkehrsministeriums Jakub Zizka: "'Fleet Control' kennt unser Rechtssystem und verzögert die Verfahren, bis sie nach zwölf Monaten verjährt sind. Es ist ein Spiel auf Zeit. Wenn man will, findet man immer Möglichkeiten, die Gesetze zu umgehen."

 Kein Beistand für Alkoholfahrer

Wenn in einigen wenigen Fällen doch ein Bußgeld fällig, wird zahlt "Fleet Control" den Strafzettel. Gibt es einen Punkt, erhält der Kunde ein Trostpflaster in Höhe der jährlichen Versicherungsprämie. Nur bei Alkoholfahrten wird der Rechtsbeistand verweigert. "Fleet Control" sei deshalb kein Blankoscheck für Verkehrsrowdys, meint Unternehmensgründer Kocourek: "Die Auto-Unfallversicherung stiftet die Fahrer ja auch nicht zu Unfällen an. Wir wollen nur unsere Mitglieder davor schützen, für banale Verkehrsverstöße hohe Strafen zahlen zu müssen."

Keine Rechtsmittel gegen "Fleet Control" geplant

Tatsächlich ist der Bußgeldkatalog in Tschechien beeindruckend. Rund 100 Euro für Gurtmuffel oder das Handytelefonieren am Steuer. Ministeriumssprecher Zizka hat vorerst resigniert. Rechtliche Schritte gegen "Fleet Control" sind nicht geplant - ihm bleibt nur der Appell an das Gewissen der Verkehrsteilnehmer: "Ich glaube fest daran, dass tschechische Autofahrer aus Verantwortungsbewusstsein diese Dienstleistung nicht in Anspruch nehmen. Ich hoffe es zumindest."

Doch diese Hoffnung scheint vergeblich. Das Geschäft von Fleet-Control brummt. Täglich kommen neue Kunden hinzu. Schon kurz nach der Unternehmensgründung freuen sich bereits über 1000 Mitglieder über die Lizenz zum Falschparken.

Stand: 12.07.2012 20:51 Uhr

Darstellung: