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Der Tatort - das Büro des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Der Täter - ein Reporter eines irakischen Fernsehsenders. Während Maliki und US-Präsident George W. Bush Fragen von Journalisten beantworten, steht der Mann plötzlich auf - und wirft seine beiden Schuhe nach Bush, erst den einen, dann den anderen. Er ruft: "Das ist ein Abschiedskuss des irakischen Volkes, Du Hund!"
Von Carsten Kühntopp, ARD-Hörfunkstudio Amman
[Bildunterschrift: US-Präsident Bush weicht einem Schuh eines Journalisten aus. ]
Beide Schuhe verfehlen Bush und knallen gegen die Wand hinter dem Präsidenten; reflexartig duckt sich Bush. Schließlich überwältigen Sicherheitsbeamte den Angreifer und führen ihn ab. Bush wirkt belustigt und meint später, die Schuhe hätten die Größe 10 gehabt, eine deutsche 43, und er habe sich überhaupt nicht bedroht gefühlt. Jemanden mit einem Schuh zu schlagen oder ihm die Schuhsohle zu zeigen und ihn einen Hund zu nennen - ein Tier, das im Nahen Osten als unrein gilt - das sind in der arabischen Welt die vielleicht schlimmsten Arten, einen Menschen zu beleidigen.
Bei Bushs Pressekonferenz habe sich der schuhewerfende Journalist einfach nicht zurückhalten können - so Mohammed Abdul Rahman, ein Kollege des Mannes in Baghdad: "Er konnte sich nicht mehr beherrschen, denn Herr Bush sprach von den 'Erfolgen' im Irak, von den Errungenschaften, die er im Irak erzielt habe, von der Demokratie - dabei können wir das einfach nicht feststellen." Ganz im Gegenteil, es gebe keinen Strom, keine Dienstleistungen und keinen Wiederaufbau. "Deshalb wollte er Bush beleidigen und ihm sagen: Du bist ein Lügner, so kannst Du mit uns nicht umgehen." Es sei eine Ironie der Geschichte, so Abdul Rahman: Nachdem Bush Saddam Hussein gestürzt habe, hätten die Iraker damals, 2003, die Statue des Diktators mit Schuhen geschlagen - nun sei es Bush, der die Schuhe der Iraker abbekomme.
Vor der Pressekonferenz hatten Bush und Maliki symbolisch ihre Unterschriften unter das Abkommen über die künftige US-Militärpräsenz gesetzt. Alle Kampfeinheiten sollen bis Juni kommenden Jahres die irakischen Städte verlassen - und das gesamte Land bis Ende 2011. Wie gewaltig groß das Versagen der scheidenden US-Administration im Irak ist, geht aus einem internen Regierungsbericht hervor, aus dem die "New York Times" am Wochenende zitierte. Das Geld, das bis Mitte diesen Jahres für den Wiederaufbau des Irak ausgegeben wurde - an die 120 Milliarden US-Dollar -, sei nahezu wirkungslos verpufft. In Washington habe man nicht genug über das Funktionieren der irakischen Gesellschaft verstanden, es hätten Ignoranz und Inkompetenz geherrscht.
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