Ex-US-Präsident Bush | Bildquelle: dpa

Rede von Ex-US-Präsident Bush Frontalangriff auf den Nachfolger

Stand: 20.10.2017 01:17 Uhr

Ein Ex-Präsident, der sich zur aktuellen US-Politik äußert - das ist ein seltener Vorgang. Doch bei George W. Bush schien sich einiges aufgestaut zu haben: In einer Rede griff er Donald Trump an. Frontal und ungewohnt virtuos.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Da steht er also - der 43. Präsident der Vereinigten Staaten. Eingeführt von einem amerikanischen Kriegsveteranen: Ramon Perilla. Bush, der neuerdings Ölgemälde fertigt, hatte ihn einst gemalt - und er bedankt sich, auf eine Art wie eben nur George W. Bush sich bedanken kann: Ein Gesicht, das nur die eigene Mutter lieben könne, sagte er über Perilla. Ein typischer Bush eben. Aber dem Ex-Präsidenten ging es in New York bei seiner überraschenden Grundsatzrede eher um das Gesicht des heutigen, des Trump-Amerikas. Fanatismus scheine im Aufwind, die Politik verwundbarer durch Verschwörungstheorien und glatte Lügen.

Am G. W. Bush-Institut in New York schien ausgerechnet für ihn, den in seiner Amtszeit wahlweise angefeindeten oder verlachten US-Präsidenten, die Stunde gekommen, der Welt und vor allem den Amerikanern und seinem Nachfolger zu erklären, wofür dieses Amerika stehen sollte: Die USA sollten eine leuchtende Hoffnung für Flüchtlinge, eine Stimme für Dissidenten, Menschenrechtler und Unterdrückte sein. Im Saal staunen die Zuhörer.

Ex-US-Präsident Bush | Bildquelle: AP
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In seinem eigenen Institut meldete sich der Ex-Präsident zu Wort.

Jubel für den einst Verlachten

Selten bis nie kommt es in den USA vor, dass ein Ex-Präsident einen seiner Nachfolger so öffentlich bloßstellt, noch dazu so virtuos ohne auch nur einmal den Namen Donald Trump aussprechen zu müssen. Der öffentliche Diskurs sei entwürdigt worden durch beiläufige Grausamkeiten, sagte Bush.

Jeder im Saal wohl hatte da die kleinen verbalen Grausamkeiten des amtierenden Präsidenten Trump im Kopf. Und G. W. Bush, der Republikaner, erinnert an Martin Luther King, den Bürgerrechtler. Er und sein Ideal stünden für die USA, nichts anderes: "Menschen jeder Rasse, Herkunft und Religion sind genauso amerikanisch wie andere. Fanatismus und weißes Überlegenheitsgefühl sind Blasphemie gegenüber amerikanischen Werten."

Da jubelten sie ihm zu, dem einst bisweilen so tollpatschigen G. W. Bush, der dieser Tage zum kleinen Leuchtfeuer des besseren Amerika aufzusteigen scheint. "Unsere Identität ist nicht definiert durch Geografie oder Herkunft. Nicht durch Blut oder Boden. Amerikanisch zu sein bedeutet Ideale, Werte zu haben und Verantwortung fürs Gemeinwohl."

"Wahn, die eigene Kultur werde unterlaufen"

Bush Junior versus Donald J. Trump. Zwei Welten prallten da aufeinander. Es schien sich eine Menge aufgestaut zu haben im Gemüt des Ex-Präsidenten. Nationalismus, sagt er, wandele sich zum Wahn, die eigene Kultur werde unterlaufen. "Wir haben die Dynamik vergessen, die Einwanderung unserem Land stets schenkte", kritisierte Bush.

Dass Minuten zuvor gleich zwei Ex-Außenministerinnen, Condoleeza Rice und Madeleine Albright, besorgt über die USA unter Trump redeten, verblasste angesichts der Abrechnung des Ex-Präsidenten, dessen Schlusswort einer kleinen Kampfansage glich: Der amerikanische Geist besage nicht, wir managen das. Er besage "wir werden irgendwann siegen". Gegen wen musste Bush da schon nicht mehr ausführen.

George W. Bush rechnet mit dem Trump-Amerika ab
Georg Schwarte, ARD New York
20.10.2017 00:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Oktober 2017 um 02:00 Uhr.

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