Jeb Bush mit seiner Enkelin bei der offiziellen Bekanntgabe seiner Kandidatur am 16. Juni 2015 | Bildquelle: AP

Republikaner gibt Kandidatur bekannt Mehr Jeb als Bush

Stand: 16.06.2015 00:57 Uhr

Ein Auftritt ohne Schlips und Sakko - und am Ende mit der Enkelin auf dem Arm: Jeb Bush hat sich bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur für die US-Präsidentschaft als gemäßigter Republikaner präsentiert. Die Frage lautet nun: Wird der große Name zum Trumpf oder zur Last?

Von Rolf Büllmann, ARD-Hörfunkstudio Washington

Kein patriotischer Country, keine staatstragenden Märsche - sondern fröhliche Latino-Musik: Jeb Bush hat bei seinem Wahlkampfauftakt von Anfang an klar gemacht, dass er ein ganz eigener Kandidat ist, nicht Mitglied der Washington-Elite, sondern bodenständig und hemdsärmelig. Er trat ohne Schlips und Jacket auf und gab sich eng verbunden mit der wichtigen Latino-Minderheit.

Aber eines hat er dann doch mit allen anderen Bewerbern gemeinsam. Er will gewinnen: "Unserm Land geht es schlecht, und wir müssen uns fragen, was wir dagegen tun? Ich habe für mich entschieden, für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten von Amerika zu kandidieren."

Jeb Bush bewirbt sich fürs Präsidentenamt der USA
tagesschau 12:00 Uhr, 16.06.2015, Sandra Ratzow, ARD Washington

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Er wolle Washington, die Hauptstadt des Stillstands, wieder zum Funktionieren bringen, sagte Bush. Und er betonte, er habe die Erfahrung, die man brauche, um das zu schaffen - aus seiner Zeit als Gouverneur von Florida von 1999 bis 2007: "Ich weiß, dass wir das reparieren können. Ich habe es nämlich schon mal geschafft, hier in diesem großartigen Staat." Minutiös zählte er seine Erfolge aus dieser Zeit auf: Steuersenkungen und Wirtschaftswachstum, mehr Arbeitsplätze und mehr Freiheiten - so beschrieb er es jedenfalls.

Bush gibt sich moderat - parteiintern könnte das ein Nachteil sein

Jeb Bush tritt an als gemäßigter Republikaner. Im Vorwahlkampf könnte ihm das schaden, denn im parteiinternen Ausscheidungsrennen um die Kandidatur punkten bei den Republikanern oft diejenigen, die sich besonders unnachgiebig geben. Bei diesem Spiel will Bush nicht mitmachen, er werde stattdessen an seinem Kurs festhalten, kündigte der 62-Jährige an.

Und dann sind da natürlich noch sein Name und seine Familie: Jeb Bush ist der Sohn und der Bruder von US-Präsidenten. George Herbert Walker Bush und George W. Bush waren beim Wahlkampfauftakt zwar nicht zugegen, doch Barbara Bush war da, Jebs Mutter. Die Frage ist, ob die Wähler der Bush-Familie überdrüssig sein könnten. Und auch auf andere Weise könnte es für Bush zum Problem werden, dass er Teil einer politischen Dynastie ist.

Amerikanist Andreas Etges, Ludwig-Maximilian-Universität, zur Bush-Kandidatur
tagesschau24 10:00 Uhr, 16.06.2015

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"Jeb" steht auf seinem Logo, von "Bush" ist nichts zu sehen

"Einer der Nachteile ist, dass man für Dinge geradestehen muss, die man nicht getan hat", sagte der Politikjournalist Reid Wilson dem Sender NPR. "Jeb Bush zum Beispiel ist nicht gut damit umgegangen, als er gefragt wurde, ob er in den Irak einmarschiert wäre. Erst wollte er gar nicht antworten, dann gab er einige ziemlich seltsame Antworten, bis ihn schließlich seine Berater davon überzeugten zu sagen, dass er nicht einmarschiert wäre, nach allem, was man heute weiß."

Jeb Bush muss also ein Gleichgewicht finden und versuchen, seine Prominenz zu nutzen, ohne unter ihrer Last einzubrechen. Er scheint jedenfalls lieber als eigenständige Person "Jeb Bush" wahrgenommen zu werden und nicht als Sohn oder Bruder von irgendjemandem. Sein Wahlkampflogo zeigt nur den Schriftzug "Jeb", mit einem Ausrufezeichen, darunter steht 2016. Der Name Bush taucht nicht auf.  

Jeb Bush will Präsident werden
R. Büllmann, ARD Washington
16.06.2015 00:23 Uhr

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