Eine Leiche in Bujumbura wird geborgen. | Bildquelle: AP

Gewalt in Burundi Mehr als 80 Tote in einer Nacht

Stand: 12.12.2015 17:58 Uhr

Bei der neuen Eskalation der Gewalt in Burundi sind allein in der vergangenen Nacht mehr als 80 Menschen getötet worden. Das berichtet die Agentur AFP unter Berufung auf Augenzeugen aus der Hauptstadt Bujumbura. Soldaten hätten wahllos auf junge Männer geschossen.

Nach den Angriffen auf drei Militärstützpunkte im ostafrikanischen Burundi sind offenbar allein in der vergangenen Nacht in der Hauptstadt Bujumbura 87 Menschen getötet worden. Wie Augenzeugen der Nachrichtenagentur AFP berichteten, lagen in mehreren Vierteln Leichen auf den Straßen. Die Einwohner beschuldigten Soldaten, während der Nacht wahllos auf junge Männer geschossen zu haben - oft aus unmittelbarer Nähe. Allein im Viertel Nyakabiga wurden demnach 20 Todesopfer gezählt.

Bei Attacken auf drei Armeestützpunkte waren am Freitag in Burundi zwölf Angreifer getötet worden. Hintergrund der Gewalt ist der seit Monaten anhaltende Konflikt über die dritte Amtszeit von Präsident Pierre Nkurunziza, die Kritiker für verfassungswidrig halten. Ein Putschversuch im Mai war gescheitert, Mitte Juli wurde Nkurunziza bei einer umstrittenen Wahl im Amt bestätigt, die Gewalt in Burundi nimmt seitdem weiter zu. Seit Frühjahr kamen nach UN-Angaben mehr als 240 Menschen ums Leben. 215.000 Menschen flohen aus ihren Häusern. Hunderte Oppositionelle wurden inhaftiert.

UN-Sicherheitsrat erwägt Sanktionen

Der UN-Sicherheitsrat kritisierte die jüngste Gewalt am Freitagabend scharf und mahnte Notfallpläne für den Fall einer Eskalation an. Der Rat sei bereit, weitere Schritte wie etwa Sanktionen zu erwägen, hieß es. Auch das US-Außenministerium zeigte sich alarmiert und drängte die Nachbarstaaten zur Vermittlung zwischen Regierung und Opposition in Burundi.

Vorschläge der Vereinten Nationen

Länder wie Großbritannien warnten vor einem Genozid wie im Nachbarland Ruanda 1994. Damals waren auf Veranlassung der damaligen Hutu-Regierung etwa 800.000 ruandische Tutsi und gemäßigte Hutu getötet worden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte dem UN-Sicherheitsrat Anfang Dezember drei Vorschläge gemacht, darunter die Entsendung von UN-Blauhelmsoldaten nach Burundi zur Friedenssicherung. In einem Brief an den Rat empfahl Ban allerdings, im Moment nur ein "Unterstützungsteam" zu entsenden, das einen politischen Dialog zwischen der Regierung und der Opposition voranbringen soll. Die Gewalt in dem Land habe "alarmierende Ausmaße" erreicht, die Aufnahme eines politischen Dialogs müsse daher "absolute Priorität" haben.

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