Krawalle in Bujumbura | Bildquelle: REUTERS

Krise in Burundi Auf dem Weg zum Völkermord?

Stand: 16.11.2015 05:03 Uhr

Burundi hat schon einen langen Bürgerkrieg hinter sich - seit Monaten gibt es aber neue Gewalt mit vielen Toten und mörderischer Rhetorik. Die Regierung bestreitet eine Krise - doch das sieht die UNO anders.

Von Linda Staude, ARD-Hörfunkstudio Ostafrika

Der Überfall auf eine Bar in Bujumbura am vergangenen Wochenende kostete mindestens neun Menschen das Leben. Der Augenzeuge will aus Angst vor Verfolgung anonym bleiben.

"Es war ungefähr um acht Uhr abends. Ich habe Kunden weglaufen sehen, andere sind in Deckung gegangen", schildert er. Ihnen sei befohlen worden, sich auf den Boden zu legen und ihre Handys und ihr Geld rauszurücken. "Die haben die Angreifer genommen und dann haben sie angefangen zu schießen. Sie haben jeden in der Bar getötet."

Die Angreifer hätten Polizeiuniformen getragen haben, sagt er. Aber die Polizeioberen wollen von dem Mordanschlag selbstverständlich nichts gewusst haben. Die offiziellen Stellen in Burundi tun derzeit alles, um die Krise in ihrem Land herunterzuspielen

"Anders als es radikale Kräfte und einige Medien behaupten, steht Burundi nicht in Flammen", sagt der burundische Außenminister Alain Nyamitwe. Einige Verbrechen hätten "die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft erregt", aber die bringe man unter Kontrolle.

Krawalle in Bujumbura | Bildquelle: REUTERS
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Demomstranten bereiten sich darauf vor, Polizisten mit Steinen zu bewerfen.

Hunderte Tote

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Seit Beginn der Unruhen wurden laut UN-Schätzungen mindestens 250 Menschen getötet worden. Allein im Oktober wurden über 50 Opfer gefoltert, mehr als 400 verschleppt.

Über Wochen zogen Tausende Demonstranten durch die Straßen der Hauptstadt Bujumbura, errichteten Straßensperren und zündeten Autoreifen an. Das Chaos hatte Ende April begonnen, als die Regierungspartei Pierre Nkurunziza für eine dritte Amtszeit als Präsident nominierte.

Zwar haben die öffentlichen Proteste in der Hauptstadt Bujumbura inzwischen aufgehört. Seither geht das Morden aber im Stillen weiter. In sozialen Netzwerken kursieren Bilder von grauenvoll zugerichteten Leichen, mit herausgerissenen Herzen oder abgehackten Köpfen.

"Es gibt keine Sicherheit in Burundi", klagt ein Einwohner der Hauptstadt. Jede Nacht seien Schüsse zu hören. "Wir wissen nicht, wohin es mit unserem Land geht oder was hier geschieht."

"Wie Kakerlaken vernichten"

"Die jüngsten aufrührerischen Bemerkungen von Regierungsmitgliedern" deuteten darauf hin, dass diese Krise, in der bisher Menschen für ihre vermutete politische Zugehörigkeit ins Visier genommen wurden, zunehmend eine ethnische Dimension annehmen könnte, sagt der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Zeid Ra‘ad al Hussein, besorgt.

Burundi hat bereits einen zwölfjährigen Bürgerkrieg zwischen den Volksgruppen der Hutu und der Tutsi hinter sich. Aber Regierungssprecher William Nyamitwe weist jeden Gedanken an einen neuen Genozid in der Region als puren Unsinn zurück: "Als Burunder bleiben wir stark und fest entschlossen, weiter daran zu arbeiten, ewigen Frieden in unserem Land und in der ganzen Region zu erreichen."

Die UN schenkt diesen vollmundigen Versprechen offenbar wenig Glauben. Derzeit wird diskutiert, Blauhelm-Soldaten von der MONUSCO-Mission im Kongo abzuziehen und nach Burundi zu verlegen.

Burundi auf dem Weg zum Völkermord?
Linda Staude, ARD-Hörfunkstudio Nairobi
16.11.2015 05:06 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 12. November 2015 um 22:50 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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