Mofafahrer vor brennenden Barrikaden in Ouagadougou | Bildquelle: AFP

Tote bei Protesten in Burkina Faso Widerstand gegen die Putschisten

Stand: 18.09.2015 03:02 Uhr

Die Putschisten in Burkina Faso versuchen, die Bürger mit der Ankündigung von Wahlen zu besänftigen. Der neue Machthaber wirbt in Interviews um Verständnis. Doch das Militär geht gegen Proteste vor. Es gab bereits Tote.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Nordwestafrika

Der selbst ernannte neue starke Mann in Burkina Faso heißt General Gilbert Diendéré. Er ist ein langjähriger Verbündeter des alten Regimes, das nach Massenprotesten der Bevölkerung im vergangenen Jahr zusammengebrochen war. General Diendéré und seine Soldaten haben die anschließend eingesetzte Übergangsregierung jetzt festgesetzt und mit Gewalt die Macht im Staat übernommen.

Der Putschistenführer gab angesichts zahlreicher internationaler Proteste am Tag nach dem Staatsstreich auffallend viele Interviews. Im französischen Radiosender RFI bestritt er jede Verbindung zum alten Regime von Ex-Präsident Blaise Compaoré. Dieser sei gar nicht auf dem Laufenden gewesen, sagt der neue Machthaber. "Es gab keinen Kontakt, weder vor noch nach dieser Aktion. Er hat mich nicht angerufen und ich auch nicht ihn."

Fakt ist, dass Gilbert Diendéré schon mit von der Partie gewesen war, als Compaoré sich vor 28 Jahren an die Macht geputscht hatte. Und der General war immer ein enger Vertrauter des autoritären Regimes von Compaoré, der jetzt im Exil an der Elfenbeinküste sitzt.

Vage Ankündigung von Neuwahlen

General Gilbert Diendéré | Bildquelle: AFP
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General Gilbert Diendéré gab nach dem Putsch auffallend viele Interviews.

Als Grund für den Staatsstreich nennt General Diendéré unter anderem ein umstrittenes Wahlgesetz. Das hatte die jetzt ausgehebelte Übergangsregierung beschlossen. Demnach sollten Mitglieder der alten Compaoré-Regierungspartei nicht an den geplanten Präsidentschaftswahlen teilnehmen dürfen. Damit sei das Militär nicht einverstanden gewesen, sagte der Putschistenführer.

Gleichzeitig sprach er vage davon, nun seinerseits Wahlen organisieren zu wollen. "Wir werden mit allen diskutieren, unter welchen Bedingungen wir einen Wahltermin festmachen können."

Klar ist: Die ursprünglich für den 11. Oktober geplanten Wahlen werden nicht stattfinden. Viele Bürger in Burkina Faso hatten große Hoffnungen auf diesen Wahlgang gesetzt. Nicht zuletzt die Gruppierung "Besen der Bürger", Balai citoyen. Die "Besen der Bürger" wollten nach dem Machtwechsel im Herbst 2014 ausmisten: Weg mit Korruption, aber auch weg mit Müll und Dreck in den Städten Burkina Fasos.

Viele Bürger in Burkina Faso betrachteten die "Besen der Bürger" mit Hoffnung, etliche aber auch mit Skepsis. Jetzt laufen die Graswurzel-Aktivisten Gefahr, vom eisernen Besen der Militärs weggefegt zu werden. Aktivisten wie der Rapper Smockey hatten vor allem junge Menschen immer wieder aufgefordert, sich für die Wahl registrieren zu lassen, um einen friedlichen Wechsel herbeizuführen. "Die Jugend muss motiviert werden, sich zu bewaffnen. Und die Waffe für die Präsidentschaftswahl - das ist die Wahlberechtigung", so Smockey.

Militär in Ouagadougou | Bildquelle: AFP
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Das Militär geht gegen die Proteste vor, die sich in verschiedenen Städten von Burkina Faso gegen den Putsch formieren.

Grenzen geschlossen, Flugverkehr eingestellt

Jetzt aber herrscht der selbst ernannte "Nationale Rat für Demokratie". Der hat die Landesgrenzen geschlossen und den Luftverkehr eingestellt. In der Hauptstadt Ouagadougou soll es mindestens drei Tote und mindestens 60 Verletzte bei Protesten gegen den Putsch gegeben haben. Das berichten Ärzte in der Hauptstadt. General Diendéré wollte davon nichts wissen. Es werde kein Blutbad geben, sagte der General im RFI-Interview und fügte wörtlich hinzu: "Das werden wir verhindern, wir sind nicht da, um solche Situationen entstehen zulassen."

Aber aus verschiedenen Städten im Land kommen Berichte über Barrikaden auf den Straßen, über Widerstand gegen den Staatsstreich. Ob die Menschen sich tatsächlich gegen die Waffen der Militärs stellen werden ist aber unklar. In Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt, setzt sich offenbar der Kreislauf  von Umsturz und Gegen-Putsch weiter fort.

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