Schutzanlagen in der Schweiz Das Land der Bunker

Stand: 10.08.2013 13:04 Uhr

Erstaunlich, dass ausgerechnet ein Land, das schon lange keine Kriege mehr geführt hat, diesen absurden Rekord aufstellt: Die Schweiz hat mehr Bunkerplätze als Einwohner. 300.000 Schutzanlagen gibt es in dem Land. Sie gehören einfach dazu, so wie Uhren und Schokolade.

Von Nina Barth, SWR, ARD-Hörfunkstudio Zürich

Wäre das Bunker-Bauen olympische Disziplin, die Schweiz hätte Gold sicher. Als einziges Land der Welt könnte sie ihre gesamte Bevölkerung in Bunkern unterbringen und hätte noch Plätze übrig. Und die Schweizer bauen noch immer neue Schutzanlagen. Weil sie es müssen.

Schweiz (Bildquelle: Picture-Alliance/KEYSTONE)
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Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs im Kanton Bern. Die Schweizer bauen noch immer neue Schutzanlagen

Eigentlich sollte das Bunker-Bau-Gesetz 2011 abgeschafft werden, erklärt die Historikerin Silvia Berger von der Uni Zürich. Aber dann geschah die Atomkatastrophe von Fukushima.

Und deshalb müssen auch heute noch bei Mehrfamilienhäusern ab 38 Zimmern Bunker mitgebaut werden. Mehr als 300.000 Bunker gibt es in der Schweiz. Die öffentlichen werden oft vermietet, an Jugendtreffs, Vereine oder auch Seniorentreffs. Die militärischen Schutzräume vor allem in den Alpen werden oft als Datenspeicher oder Lagerräume genutzt. Schweizer Unternehmen werben mit den sichersten Safes der Welt.

Schweiz - Das Land der Bunker
N. Barth, ARD Zürich
16.08.2013 10:49 Uhr

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Bunker gehören zur Schweiz wie Uhren und Schokolade

Die Schweizer wollen auf ihre Bunker nicht verzichten. Was aus deutscher Sicht vielleicht befremdlich wirkt, ist für Schweizer völlig normal. Der Begriff Untergrund sei in der Schweiz anders besetzt als zum Beispiel in Deutschland, sagt die Historikerin.

Die meisten Bunker der Schweiz sind Relikte aus dem Kalten Krieg, weil die Schweiz damals darauf baute, dass man die gesamte Bevölkerung schützen müsse. Als Silvia Berger ein Kind war, musste sie oft in den Bunker hinunter.

Bunker gehören zur Schweiz wie Uhren und Schokolade. Und damit haben die Schweizer auch ein bisschen etwas von einer Murmeltier-Mentalität.

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