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Nach den Ausschreitungen in Afghanistan zieht sich die Bundeswehr vorzeitig aus ihrem Stützpunkt Talokan im Norden zurück. Zwar sollte das Camp ohnehin im März geräumt werden, doch gestern kam es dort zu wütenden Protesten. In Kabul gibt es auch heute wieder Demonstrationen.
Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi
Unverständnis, Hunger, Armut und tiefe Religiosität, angestachelt von Scharfmachern, ergeben ein hochexplosives Gemisch: Wie aufgepeitscht die Stimmung in Afghanistan derzeit ist, zeigt auch der Rückzug eines kleinen Bundeswehr-Kontingents aus Talokan. Talokan ist die Hauptstadt der nordafghanischen Provinz Takhar.
Dort waren zuletzt noch etwa 60 Soldaten im Einsatz. Ihr Lager war ein kleines Camp mitten in der Stadt. Es sollte im März ohnehin aufgegeben werden, wenn die afghanischen Sicherheitskräfte noch mehr eigene Verantwortung im Einsatzbereich der Bundeswehr übernehmen.
Doch am Donnerstag wurde das schwer zu schützende Camp offenbar von wütenden Demonstranten mit Steinen angegriffen. Die Verantwortlichen befahlen aus Sicherheitsgründen den Rückzug in die benachbarte Provinz Kundus, in der die Bundeswehr ein viel größeres und gut gesichertes Feldlager unterhält.
Nun blicken alle mit Sorge auf die Freitagsgebete, wenn die Koran-Verbrennungen durch US-Soldaten die Moscheen erreicht. In den vergangenen drei Tagen gab es wegen der gewaltsamen Proteste bereits dutzende Tote und Verletzte.
In immer mehr Gebieten haben aufgebrachte Afghanen ihre Wut und ihren Hass auf die Straße getragen. Radikale Extremisten wie die Taliban nutzen die Lage aus und fordern die Demonstranten, aber auch die afghanischen Sicherheitskräfte auf, Ausländer zu töten.
Am Donnerstag eröffnete ein Angreifer in afghanischer Militäruniform im Osten Afghanistans das Feuer auf eine Einheit der internationalen Schutztruppe und tötete zwei amerikanische NATO-Soldaten. Nach dem Oberbefehlshaber der ausländischen Truppen und dem US-Verteidigungsminister hat sich auch Präsident Barack Obama in einem persönlichen Brief beim afghanischen Volk entschuldigt.
Für gläubige Muslime ist die Schändung des Koran eine Todsünde. Die heiligen Schriften waren zuvor afghanischen Gefangenen weggenommen worden, die offenbar versucht hatten, über die Bücher Nachrichten auszutauschen.
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