Ein Bundeswehr-Tornado in Incirlik | Bildquelle: dpa

Türkischer Stützpunkt Incirlik Bundeswehr beginnt mit Abzug

Stand: 09.07.2017 23:06 Uhr

Auf dem türkischen Stützpunkt Incirlik beginnt das große Abrücken: Die deutschen Soldaten werden in Jordanien stationiert. Sie waren im vergangenen Jahr zunehmend zum Druckmittel im Dauerstreit zwischen der Türkei und der Bundesregierung geworden.

Seit mehr als einem Jahr ist der Truppenstützpunkt Incirlik Dauerstreitthema zwischen der Türkei und der Bundesregierung. Vor zweieinhalb Wochen setzte die Entscheidung des Bundestages einen Schlusspunkt unter den immer wieder aufkommenden Zwist: Der Abzug der rund 250 dort stationierten deutschen Soldaten wurde beschlossene Sache.

"Große Differenzen" bleiben bestehen

Nun begann die Bundeswehr, den Stützpunkt zu räumen. Zunächst wurde das Tankflugzeug für die Tornado-Jets sowie eine Maschine mit Personal und Ersatzteilen nach Jordanien verlegt, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die Soldaten hatten mit den Tornados Aufklärungsflüge über Syrien und den Irak geflogen und auf diesem Wege die US-geführte Militärkoalition im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" unterstützt. Dieser Einsatz wird für zwei Monaten unterbrochen, bis der Umzug auf einen Stützpunkt in Jordanien abgeschlossen ist.

Zuletzt hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Thema Incirlik nochmals bei ihrem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan beim G20-Gipfel auf den Tisch gebracht. Doch die Fronten blieben verhärtet, die "großen Differenzen" - wie Merkel es ausdrückte - konnten nicht beigelegt werden.

Besuchsrechte als Druckmittel

Begonnen hatte der Streit im vergangenen Juni. Die Türkei verbot deutschen Abgeordneten erstmals den Besuch der deutschen Truppen auf dem Stützpunkt. Die Begründung aus Ankara: Das Verbot sei eine Reaktion auf die Resolution des Bundestages, die die Massaker des Osmanischen Reiches an den Armeniern vor hundert Jahren als Völkermord verurteilt.

Doch auch bei anderen Streitpunkten wird Incirlik zum Druckmittel: Etwa bei der Forderung der türkischen Regierung nach Visa-Erleichterung. Später erhebt Erdogan den Vorwurf, Deutschland würde Anhängern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die die Türkei als Terrororganisation einstuft, unterstützen und Unterschlupf gewähren. Prompt werden Besuche in Incirlik wieder gestrichen.

Tornados sollen im Oktober wieder fliegen

Da war es "mit der Geduld mit der Türkei" zu Ende, wie Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor etwa vier Wochen ausdrückte. Bis Oktober soll der Umzug auf den jordanischen Stützpunkt Muwaffak Salti bei Al-Asrak abgeschlossen sein, dann sollen die sechs Tornados wieder starten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. Juli 2017 um 22:00 Uhr in den Nachrichten.

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