Bundeswehr-Soldaten bilden Peschmerga-Kämpfer im Irak aus | Bildquelle: dpa

Die Bundeswehr im Einsatz gegen den IS Fast an der Front

Stand: 17.10.2016 15:57 Uhr

Die Bundeswehr beteiligt sich in vielfältiger Weise am Kampf gegen den "Islamischen Staat". Die Marine schützt einen französischen Träger und die Luftwaffe klärt Ziele auf. Im Irak bilden Soldaten kurdische Peschmerga aus - knapp hinter der Front.

Von Andreas Reuter, ARD-Hauptstadtstudio

Im Sommer 2014 schien der Vormarsch des IS nicht zu stoppen und in der Bundesregierung reifte die Erkenntnis, "dass solche terroristischen Organisationen, die jeden Andersdenkenden einfach umbringen, dass die mit aller Schärfe auch von der internationalen Staatengemeinschaft in die Schranken gewiesen werden müssen". So zumindest erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel damals.

Zuerst wurden nur Waffen an kurdische Kämpfer geliefert, dann wurde auch die Bundeswehr selbst aktiv und Schritt für Schritt wurde das Engagement ausgeweitet. Erst am vergangenen Mittwoch kündigte Regierungssprecher Steffen Seibert an, "dass sich Deutschland an der Unterstützung der NATO für die internationale Anti-IS-Koalition durch AWACS-Luftraumüberwachungsflugzeuge beteiligt. Das geht zurück auf einen Beschluss des NATO-Gipfels in Warschau im Juli dieses Jahres."

AWACS-Aufklärer mit Deutschen an Bord

Dieser Einsatz wurde vom Kabinett beschlossen und muss vom Bundestag noch abgesegnet werden. Die Mandatsobergrenze von 1200 Soldaten für den Anti-IS-Einsatz muss nicht aufgestockt werden. Für die AWACS-Maschinen werden nur rund 20 Soldaten benötigt.

Dennoch, sagt Jens Flosdorff, der Sprecher des Verteidigungsministeriums, leisteten die AWACS einen wichtigen Beitrag: "Sie haben eine sehr große Reichweite mit ihren Aufklärungsmöglichkeiten. Da geht es darum, dass man gut Bescheid weiß, welche Nationen dort fliegen, an welchen Positionen, dass man sich nicht gegenseitig irgendwie in die Quere kommt, nicht Unfälle produziert." Es würden dabei viele Daten erhoben, die für das gesamte Lagebild des Kampfes gegen den IS von Bedeutung seien.

Ein AWACS-Flugzeug der NATO startet von der Basis in Geilenkirchen (Archiv) | Bildquelle: dpa
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Die AWACS-Flugzeuge (Archiv) bleiben im internationalen Luftraum ...

Ein Recce-Tornado der Bundeswehr-Luftwaffe im türkischen Incirlik. | Bildquelle: dpa
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... die "Tornados" fliegen auch im gefährlichen Luftraum über Syrien und Irak. (Archiv)

"Tornados" starten in Incirlik

Das Lagebild am Boden spähen derweil die sechs deutschen "Tornados" aus, die seit Anfang des Jahres vom türkischen Stützpunkt Incirlik abheben. Die "Tornado"-Aufklärer beobachten die Bewegung der IS-Kämpfer und suchen nach Angriffszielen, die die anderen Partner in der Anti-IS-Koalition dann angreifen.

Im Gegensatz zu den AWACS-Maschinen, die nur über der Türkei und dem internationalen Luftraum operieren, fliegen die "Tornados" auch über Syrien und dem Irak. Ein durchaus gefährlicher Einsatz, sagt der Kommodore des deutschen Tornado-Geschwaders, Oberst Michael Krah: "Wir sind uns durchaus im Klaren, dass wir uns auch in Höhenbereichen bewegen, wo der IS auch gegen uns wirken kann. Aber da kennen wir uns aus. Wir haben sehr gute Verfahren und sehr gute Selbstschutzsysteme, uns dagegen zu schützen."

Mit "wirken" wird bei der Bundeswehr umschrieben, dass die Maschinen vom IS beschossen werden können.

Kampf gegen den IS: Was die Bundeswehr tut
A. Reuter, ARD Berlin
17.10.2016 14:59 Uhr

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Training nahe der Front

Ebenfalls von Incirlik aus operiert ein deutsches Flugzeug, das Maschinen der Anti-IS-Koalition in der Luft betankt. Eine deutsche Fregatte gibt im Mittelmeer Geleitschutz für den französischen Flugzeugträger "Charles de Gaulle".

Und der Ausbildungseinsatz für Kämpfer im Irak wurde vorigen Monat auch modifiziert. Waren die deutschen Soldaten bisher nur im sicheren Hinterland tätig, sollen sie jetzt die Kämpfer auch in der Nähe von Mossul trainieren - nur wenige Kilometer entfernt von der Front.

Bundeswehr-Soldaten bilden Peschmerga-Kämpfer im Irak aus | Bildquelle: REUTERS
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Bundeswehr-Soldaten bilden Peschmerga-Kämpfer unter anderem im Häuserkampf aus. (Archiv)

Über dieses Thema berichtete die Tagesschau am 17. Oktober 2016 um 17:00 Uhr

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