Bundesverteidigungsministerin von der Leyen steigt bei ihrer Ankunft in Afghanistan aus dem Flugzeug. | Bildquelle: AFP

Ausbildungsmission der Bundeswehr "Generationenaufgabe" Afghanistan

Stand: 25.03.2018 17:46 Uhr

Seit mehr als 16 Jahren sind deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert, derzeit ist Verteidigungsministerin von der Leyen auf Truppenbesuch. Doch ist der Einsatz, der das Land stabiler machen soll, ein Kampf gegen Windmühlen?

Von Ariane Reimers, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. in Masar-i-Sharif

"Eine Generationenaufgabe" hat der neue Bundesaußenminister Heiko Maas den Bundeswehreinsatz in Afghanistan genannt - und damit deutlich gemacht, dass ein Ende nicht absehbar ist.

Der Perspektivbericht der Bundesregierung zeichnet dazu ein düsteres Bild, vor allem zur angespannten Sicherheitslage in dem Land: Der afghanischen Armee gelinge es derzeit nur, "die überwiegende Kontrolle über rund 60 Prozent des Territoriums mit etwa zwei Dritteln der Bevölkerung auszuüben".

Ursula von der Leyen in Afghanistan
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Ministerin von der Leyen besucht in Masar-i-Sharif die dort stationierten Bundeswehrsoldaten.

Großteil des Landes nach wie vor instabil

Der afghanische Sicherheitsberater Hanif Atmar sagte vor ein paar Tagen bei einem Besuch in Berlin, nur zwei der 34 Provinzen seien stabil. Besonders die Lage in der afghanischen Hauptstadt Kabul sei schwierig. Erst vor ein paar Tagen, zum Neujahrsfest Newroz, gab es wieder einen Selbstmordanschlag mit mehr als 30 Toten.

Den Abzug von mehr als 100.000 internationalen Soldaten im Jahr 2015 bewertet die Bundesregierung längst als Fehler: überhastet, zu schnell. Die afghanische Armee hätte die Sicherheitsverantwortung für ihr Land zu einem Zeitpunkt übernehmen müssen, als sie noch nicht bereit dafür war. Die afghanische Armee benötige "immer noch intensive Beratungsleistung", analysiert der Perspektivbericht der Bundesregierung.

Ausbilden, aber nicht kämpfen

Das fehlende Wissen sollen internationale Soldaten vermitteln, so ist die NATO-Mission "Resolute Support" auch definiert: Ausbildung und Beratung der afghanischen Armee, ohne selbst ins Kampfgeschehen einzugreifen. Die Bundeswehr ist vor allem im Norden des Landes aktiv: Sie stellt die Infrastruktur in Masar-i-Sharif und leitet dort den Einsatz mit insgesamt 21 beteiligten Nationen.

Jeden Morgen - wenn die Sicherheitslage es erlaubt - fliegen die Ausbilder mit dem Hubschrauber ins benachbarte Camp Shaheen. Die Ausbildung erfolgt auf Korpsebene, das heißt, es geht vor allem um die Schulung des Stabes und die Beratung bei der Operationsplanung. Im Verantwortungsbereich der Bundeswehr sind knapp 30 deutsche Ausbilder aktiv - wenn es gut läuft. Häufig aber können sie aus Sicherheitsgründen nicht ausrücken und damit das einzige Ziel der NATO-Mission nicht erfüllen. Insgesamt gibt es 106 Ausbilder aus verschiedenen Nationen im Norden Afghanistans.

Deswegen hat die Bundesregierung dafür geworben, das Bundeswehrmandat auf 1300 Soldaten aufzustocken. Nicht mehr Ausbilder sollen nach Afghanistan, sondern mehr Soldaten, die für einen noch besseren Schutz der Ausbilder sorgen sollen.

Konsul Robert Klinke mit Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Brigadegeneral Wolf-Jürgen Stahl
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Konsul Robert Klinke mit Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Brigadegeneral Wolf-Jürgen Stahl

Zweifel an der Wirksamkeit des Einsatzes

Die Linkspartei und die AfD stimmten im Bundestag geschlossen gegen die Verlängerung und Ausweitung des Mandats, ebenso die Hälfte der Grünen. Die Opposition bemängelt die fehlende Exit-Strategie, fragt vor dem Hintergrund der hohen Fluktuation bei den afghanischen Sicherheitskräften nach der Wirksamkeit der Ausbildung und will wissen, wie sichergestellt werden kann, dass die Geldmittel nicht in korrupten Kanälen versickern.

Auch der Wechsel der Afghanistan-Strategie der USA unter Präsident Donald Trump - weg vom Staatsaufbau hin zur Terroristen-Aufstandsbekämpfung - sorgt für Fragezeichen. Die Parteien der Großen Koalition und die FDP setzten im Bundestag mit ihrer großen Mehrheit die Mandatsverlängerung durch. Auch wenn sich die Sicherheitslage verschlechtert hat, streichen sie die positiven Entwicklungen in Afghanistan heraus: Die sinkende Kindersterblichkeit, eine höhere Lebenserwartung und der auf ein Drittel gestiegene Mädchenanteil unter den Schülern. Diese Errungenschaften würden aufs Spiel gesetzt, zögen sich die internationalen Truppen zurück. Und die Befürworter der Mission glauben, dass nur ein fortgesetztes Engagement internationaler Truppen verhindern kann, dass Afghanistan wieder zu einem Dorado für Terroristen wird.

Ein Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan ist - bei allen Zweifeln und aller Kritik - auch für die kommenden Jahre nicht zu erwarten. Die Lage ist verfahren, eine nachhaltige Stabilisierung Afghanistans ist nicht in Sicht. Deutsche Verteidigungsminister werden wohl weiterhin die Bundeswehr in Afghanistan besuchen.

Über dieses Thema berichtete BR aktuell am 06. März 2018 um 13:05 Uhr.

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