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Mutmaßlicher Hisbollah-Anschlag in Bulgarien
Der Nahost-Konflikt erreicht Europa
Nun also doch: Bulgarische Behörden machen die Hisbollah für den Anschlag auf israelische Touristen im Sommer 2012 mitverantwortlich. Damals hatte Bulgariens Regierungschef Borissow noch betont, der Nahost-Konflikt sei nicht der Krieg seines Landes. Nun sieht es so aus, als habe der Nahost-Terror Europa erreicht.
Von Christian Wagner, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
"Das war die Hisbollah", da war sich die israelische Regierung gleich nach dem Terroranschlag vom 18. Juli 2012 sicher. Der Attentäter hatte fünf israelische Urlauber und ihren bulgarischen Busfahrer mit in den Tod gerissen. Mehr als 30 weitere Israelis hatten Verletzungen erlitten, als ihr Reisebus am Flughafen der Schwarzmeerstadt Burgas in die Luft flog.
Jetzt, nach einem halben Jahr und durch Unterstützung von Europol, kamen die Ermittler in Bulgarien zu dem Schluss: Es gab mindestens zwei Mittäter - und die hatten Verbindungen in den Libanon, also auch zur schiitischen Hisbollah-Miliz, die Israel an dessen Nordgrenze bedroht.
Letzter Hisbollah-Anschlag in Europa in den 80er-Jahren
"Wenn das im weiteren Verlauf der Ermittlungen bewiesen werden kann, dann bedeutet das, in Burgas hat die Hisbollah zum ersten Mal seit Mitte der 80er-Jahre einen Anschlag in Europa verübt", sagt Rob Wainwright, Direktor von Europol in Den Haag.
Ursprünglich waren die Ermittler in Bulgarien nur von einem Selbstmordattentäter ausgegangen. Dann aber habe man gemeinsam nach weiteren Personen gesucht und noch mehr gefälschte Ausweisdokumente gefunden, erklärt Wainwright.
Netanjahu fordert EU-Maßnahmen gegen Hisbollah
C. Wagner, ARD Tel Aviv
05.02.2013 21:21 Uhr
Der Vergleich von DNA-Proben habe die entscheidenden Hinweise geliefert, erklärte der bulgarische Innenminister Tsvetan Tsvetanov in Sofia: "Diese Analysen belegen eine Verbindung zur Hisbollah. Deshalb haben wir den begründeten Verdacht, dass diese Personen mit gefälschten Ausweispapieren Mitglied von bewaffneten Hisbollah-Einheiten waren."
Netanjahu sieht sich bestätigt
Seit dem Anschlag im vergangenen Juli hatte sich die bulgarische Regierung stark zurückgehalten. Regierungschef Boiko Borissow hatte mit Blick auf den Nahost-Konflikt gesagt: "Das ist nicht unser Krieg." Nun aber sieht es so aus, als ob der Nahost-Terror im vergangenen Sommer nach Europa gekommen ist.
In Jerusalem bedankte sich Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei den bulgarischen Ermittlern, er sieht sich durch deren Abschluss-Bericht bestätigt: "Die internationale Gemeinschaft muss Hisbollah jetzt beim Namen nennen. Sie ist eine Terror-Organisation. Darüber wird in Europa diskutiert und sie sollten dort die richtigen Schritte unternehmen. Denn die Hisbollah hat nur eine Führung - und Terror als Ziel."
Israel und USA fordern Europa zum Handeln auf
Was Netanjahu damit meint: Die Unterscheidung zwischen der Hisbollah als politischer Kraft und Regierungspartei im Libanon und der Hisbollah als Terror-Gruppe sei nicht mehr durchzuhalten, die Europäer sollten sich davon verabschieden.
Auch den USA ist die europäische Haltung zur Hisbollah seit Jahren zu weich: John Brennan, Sicherheitsberater von Präsident Obama, sagte, die europäischen Partner sollten aktiv werden und helfen, Geldströme und Kontakte der Hisbollah weltweit aufzudecken.
Auch der libanesische Regierungs-Chef Nadschib Mikati hat sich zu Wort gemeldet. Er sicherte Bulgarien Unterstützung bei den weiteren Ermittlungen zu - ein Angebot, das wohl nicht sehr ernst genommen werden dürfte.
Stand: 06.02.2013 02:57 Uhr
