Bulgarien: Hisbollah steckt hinter Anschlag von Burgas

Attentat auf israelische Touristen vor einem Jahr

Bulgarien macht Hisbollah für Anschlag verantwortlich

Hinter dem Anschlag auf einen mit israelischen Touristen besetzten Bus in Bulgarien 2012 steckt nach Erkenntnissen der bulgarischen Behörden die libanesische Hisbollah-Bewegung. Nach Angaben von Innenminister Zwetan Zwetanow gehörten zwei Verdächtige dem bewaffneten Arm der Hisbollah an.

Unter den beiden Verdächtigen sei auch der Attentäter, sagte Zwetanow. Dem Minister zufolge hatten sie einen kanadischen und einen australischen Pass und lebten zwischen 2006 und 2010 im Libanon. Beide sowie ein in den Anschlag verwickelter Dritter hätten zudem gefälschte US-Führerscheine benutzt. Alle drei hätten unter falschem Namen in Bulgarien gelebt. Die bulgarische Opposition kritisierte die Entscheidung, die Hisbollah bereits offiziell zu beschuldigen. Die Entscheidung sei "unter Druck" gefällt worden.

Rauch steigt über dem Flughafen von Burgas in den Himmel (Bildquelle: AFP)
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Bei dem Anschlag im Juli 2012 kamen sieben Menschen ums Leben, 30 wurden verletzt.

Libanons Regierungschef Nadschib Mikati sicherte Bulgarien seine Unterstützung zu. "Der Libanon vertraut darauf, dass die bulgarischen Behörden eine ernsthafte Auswertung der Ermittlungsergebnisse vornehmen und bekräftigt seine Bereitschaft, mit Bulgarien zusammenzuarbeiten, um die Umstände aufzuklären."

Europa soll gegen Hisbollah vorgehen

Die USA forderten von Europa ein verstärktes Vorgehen gegen die Hisbollah. Die EU-Staaten müssten "proaktiv" vorgehen und Infrastruktur, Finanzierung und Netzwerke der Hisbollah aufdecken, erklärte der Anti-Terror-Berater der US-Regierung, John Brennan. Der Anschlag von Burgas habe die Hisbollah als "Terrorgruppe" entlarvt. Die Miliz stelle eine "zunehmende Gefahr für Europa und die Welt" dar.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte die EU auf, die "Konsequenzen aus der wahren Beschaffenheit der Hisbollah" zu ziehen. Damit bekräftigte er indirekt die Forderung Israels an die EU, die Hisbollah als Terrororganisation einzustufen. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton erklärte, die Ermittlungsergebnisse Bulgariens müssten genau geprüft werden, da es um einen "Anschlag auf EU-Gebiet" gehe, bei dem "unschuldige Zivilisten getötet und verletzt" worden seien. Die Drahtzieher müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Der Attentäter hatte sich am 18. Juli in Burgas am Schwarzen Meer in einem Bus in die Luft gesprengt, in dem sich eine israelische Touristengruppe befand. Er riss fünf Israelis und den bulgarischen Busfahrer mit in den Tod. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt. Unklar ist, ob der Attentäter selbst bei dem Anschlag sterben sollte. Direkt nach dem Anschlag hatte Israel den Iran und die mit Teheran verbündete Hisbollah verantwortlich gemacht.

Netanjahu fordert EU-Maßnahmen gegen Hisbollah
C. Wagner, ARD Tel Aviv
05.02.2013 21:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 5. Februar 2013 um 20:00 Uhr.

Stand: 05.02.2013 19:09 Uhr

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