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Attentatsversuch mit Gaspistole
Bulgarischer Parteichef entgeht Anschlag
In Bulgarien hat der Chef der Türkenpartei, Ahmed Dogan, einen Anschlagsversuch auf offener Bühne überlebt. Während er bei einer Parteiversammlung in Sofia eine Rede hielt, stürmte ein Mann in schwarzer Lederjacke das Podium und hielt ihm die Gaspistole direkt vors Gesicht. Dogan ging in Deckung, es folgte ein kurzes Gerangel mit dem Täter, dann überwältigten herbeigeeilte Sicherheitskräfte den Angreifer.
Der 25-Jährige wurde festgenommen. Er soll sich mit einer gefälschten Karte als Delegierter ausgegeben haben. Wie er bewaffnet die Sicherheitskontrollen passieren konnte, ist noch ungeklärt. Offen ist auch die Frage, ob der sichtlich erschrockene Dogan den Angreifer rechtzeitig am Abdrücken hinderte oder ein technisches Problem vorlag.
Dogans liberale Bewegung für Rechte und Freiheiten (DPS) verurteilte "die Sprache des Hasses, der Konfrontation und der Aggression gegen die DPS in Bulgariens Gesellschaft". Die in Sofia regierende bürgerliche GERB-Partei verurteilte den Anschlagsversuch.
Besorgnis über politische Zustände in dem EU-Land
Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, zeigte sich schockiert über den Zwischenfall. "Ich bin sehr froh, dass Ahmed Dogan nicht verletzt wurde. Politische Gewalt darf in Europa niemals wieder Fuß fassen", sagte Löning, der als Parteitagsteilnehmer Augenzeuge des Anschlagversuchs war. Auch der Präsident der europäischen Liberalen, Graham Watson, der Gast der Konferenz war, zeigte sich besorgt über die politischen Zustände in dem EU-Land.
Schon 1996 hatte die Ermordung des früheren Regierungschefs Andrei Lukanov für erschütternde Schlagzeilen über die bulgarische Politiklandschaft gesorgt.
Türkische Minderheit auch im EU-Parlament
Die Konferenz der DPS im Kulturpalast der Hauptstadt Sofia wurde mehrere Stunden nach dem Vorfall wieder aufgenommen. Dabei kündigte Dogan seinen Rückzug vom Parteivorsitz an - dies war allerdings in einer vor dem Anschlag geschriebenen Rede enthalten. Zu Dogans Nachfolger wählte die Konferenz den Vize-Chef der Partei, Lütvi Mestan. Dogan bleibt Ehrenvorsitzender.
Die von Dogan gegründete Bewegung der türkischen Minderheit DPS ist im Parlament in Sofia und im EU-Parlament vertreten. Die DPS war bis Mitte 2009 an einer sozialliberalen Koalitionsregierung in Sofia beteiligt. Dogan gehört zu den einflussreichsten Politikern des Balkanlandes. Rund zehn Prozent von 7,3 Millionen Menschen in Bulgarien sind ethnische Türken. Sie besiedeln Gebiete im Nord- und Südosten Bulgariens.
Stand: 19.01.2013 22:53 Uhr
