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Anschlag auf Bus in Bulgarien

Regierung beschuldigt Iran

Israel sucht die Drahtzieher des Anschlags in Bulgarien

An der bulgarischen Schwarzmeerküste sind mehrere israelische Touristen Opfer eines Terroranschlags geworden. In Israel herrscht Entsetzen über den Angriff, die Regierung beschuldigt das Regime in Teheran. Steht nun ein israelischer Angriff auf den Iran bevor?

Von Torsten Teichmann, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Israel schickt seine eigenen Experten zum Flughafen nach Burgas. Noch in der Nacht ist Mati Goldshare mit seinem speziellen Rettungsteam von Israel nach Bulgarien geflogen. Der Chef einer Rettungseinheit erklärt: "Wir sind ein Vorausteam. Wir stellen fest, was wirklich vor Ort geschehen ist. Nicht auf Basis von Gerüchten, sondern wirklich mit Informationen am Schauplatz des Anschlags. Wir haben jede Ausrüstung, die wir brauchen, um Menschen zu identifizieren und um zu helfen."

Als sicher gilt: Mindestens sieben Menschen starben bei der Explosion in einem  Reisebus - sechs der Opfer sind Israelis. Mehr als 30 Passagiere und Passanten wurden zudem verletzt. Die Touristen in dem Bus gehörten zu einer israelischen Reisegruppe, die gerade an der Schwarzmeerküste angekommen war.

Entsetzen und Ratlosigkeit in Burgas nach dem Anschlag
tagesschau 12:00 Uhr, 19.07.2012, Susanne Glass, ARD Wien, zzt. Burgas

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Viele Menschen in Israel sind entsetzt über den Anschlag im Ausland. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist sich bereits sicher, wen er für die Tat verantwortlich macht. Der mörderische iranische Terror ziele weiter auf unschuldige Leute, ließ er erklären. Der iranische Terror breite sich weltweit aus. Israel werde mit Stärke reagieren.

Heißt das, Israel werde Iran angreifen? "Ja, wahrscheinlich", erklärt als erster in der Nacht John Bolton im US-Fernsehsender Fox News. Bolton war einmal Botschafter der USA bei den Vereinten Nationen. Ein Neokonservativer, der jetzt im Team von Präsidentschaftskandidat Mitt Romney mitfährt. Es habe andere Anschläge auf Israelis auf der Welt gegeben, erklärt Bolton, jüngst in Thailand und Indien. "Die wurden auch dem Iran zugeschrieben. Aber die hatten nicht diese verheerenden Auswirkungen auf Zivilisten."

Er denke, wenn Netanjahu sagt, es sei Iran und nicht Hisbollah verantwortlich, und Israel werde mit Stärke darauf reagieren, dann sei "das ein deutlicher Hinweis auf einen möglichen direkten israelischen Angriff auf Iran".

Frage nach den Drahtziehern der Anschläge von Burgas
T. Teichmann, ARD Tel Aviv
19.07.2012 12:04 Uhr

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Keine umgehende Vergeltung geplant

Aber so einfach ist die Sache nicht. Denn mit militärischen Mitteln wollte Netanjahu - so seine Drohung und die gegenwärtigen Spekulationen - gegen das iranische Atomprogramm vorgehen. Die Luftwaffe gegen die mutmaßlichen Drahtzieher eines Anschlags einzusetzen, die Netanjahu womöglich in höchsten Regierungskreisen in Teheran vermutet, könnte auch dem israelischen Ministerpräsidenten als unkalkulierbares Unterfangen erscheinen.

Der stellvertretende israelische Außenminister Moshe Yaalon gibt sich zurückhaltender und sagt, man werde reagieren. Er bringt dann doch die libanesische Hisbollah ins Spiel, will keine Einzelheiten nennen und lässt durchblicken, dass es keine umgehende Vergeltung geben werde. "Aus unserer Sicht", betonte Yaalon, "muss man nicht nur den Iran isolieren, sondern auch die Hisbollah. Außenminister Avigdor Lieberman hat schon vor einiger Zeit von  der internationalen Staatengemeinschaft gefordert, die Hisbollah als Terrororganisation einzustufen. Wir planen jetzt eine ernsthafte Kampagne, damit auch Europa erkennt, dass die Hisbollah eine Terrororganisation ist."

Hisbollah weist Vorwürfe zurück

Hassan Nasrallah, Chef der Hisbollah, hat den Vorwurf zurückgewiesen. Man verübe keine Vergeltung für israelische Taten, in dem man Touristen tötet, erklärte Nasrallah.

Für Israels Verteidigungsminister Ehud Barak ist Nasrallah allenfalls einer von mehreren Akteuren: "Der Anschlag ist sehr schwerwiegend. Wir verfolgen schon seit einiger Zeit die Absichten von Terrororganisationen, Anschläge auf der Welt zu verüben - also Hisbollah, Hamas und iranische Elemente. Wir führen mit ihnen einen langen Kampf. Wir haben dabei viele Erfolge und manche schwere Tage. Heute ist so ein schwerer Tag."

Ein Tag, der vor allem zeigt, wie wenig stabil die gesamte Region ist. Und so lang der von Barak sogenannte "lange Kampf" weiter geht, wird sich daran auch nichts ändern können.

Bundesaußenminister Westerwelle zu Syrien und zum Anschlag in Bulgarien
ARD-Morgenmagazin, 19.07.2012

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Stand: 19.07.2012 04:38 Uhr

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