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Feiertag in Bulgarien

Machtkampf um Kirchenführung

Das Geld lockt bulgarische Geistliche

Die orthodoxe Kirche in Bulgarien ist auf der Suche nach einem neuen Oberhaupt. Um das Amt des Patriarchen ist im ärmsten EU-Land ein Machtkampf entbrannt. Dabei zeigt sich, dass sich die angehenden Kirchenführer weniger für die Not leidende Bevölkerung, als für ihren eigenen Geldbeutel interessieren.

Von Ingo Lierheimer, ARD-Hörfunkstudio Wien

Am Dreikönigstag segnet der Metropolit Kiril die Gläubigen - im Vorbeifahren. Aus dem fahrenden Auto heraus verspritzt er mit einem Buschwedel Weihwasser, die Menschen laufen neben dem Auto her. Für den dem Luxus generell nicht abgeneigten Bischof ist das bequem.

Als er zum Nikolaustag mit seiner neuen Limousine Typ "Lincoln" inklusive goldenem Nummernschild an der Kirche in Varna vorfuhr, verbreitete er stolz, nur Barack Obama und er besäßen dieses Vehikel.

Eine Provokation in einem Land, in dem ein Viertel der Menschen unter der Armutsgrenze lebt. Kiril findet nichts dabei: "Es ist kein Überfluss, als Geschenk ein Auto zu bekommen, das nicht luxuriös ist. Sie kennen den Preis: 35.000 US-Dollar. Ist das Luxus? Außerdem ist es sparsam. Von Varna an die Adria bin ich mit nur einer Tankfüllung gefahren - 1200 Kilometer mit 60 Litern. Welches andere Auto schafft das?"

Gierige Bischöfe im ärmsten Land der EU
I. Lierheimer, ARD Wien
11.01.2013 21:22 Uhr

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Materialismus statt Barmherzigkeit

"Lincoln gegen Rolex" - auf diese Formel bringen viele enttäuschte Kirchenmitglieder in Internetforen den Machtkampf um den Chefsessel in der bulgarisch-orthodoxen Kirche. Denn Kiril ist nicht der einzige, der dem Materialismus zuneigt. Rolex steht für den Metropoliten Nikolaj. Formal ist er zu jung für den Patriachenstuhl, doch das ficht ihn nicht an.

Für den Soziologen Andrej Reitschew symbolisiert er die Gefahr, in die sich die Kirche des Landes gerade begibt. Für ihn besteht sie darin, "für eine lange Zeit geführt zu werden von einem arroganten, moralisch doppeldeutigen Menschen, der eine Uhr für Zehntausende trägt, in Jeeps fährt und zugleich Moral predigt und mit dem Finger auf andere zeigt, ja, sie bestraft".

Kirche spielt im Alltag keine große Rolle

90 Prozent der 7,3 Millionen Bulgaren gelten als orthodoxe Christen. Allerdings spielt die Kirche im Alltag der Menschen keine große Rolle. Zu ethischen Fragen tritt sie nicht in Erscheinung, und um die sozialen Belange kümmert sie sich traditionell so gut wie gar nicht. Bisher waren hier eher katholische Hilfsvereine aus dem Westen aktiv.

Der verstorbene Patriarch Maxim
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15 Metropoliten bewerben sich um die Nachfolge des verstorbenen Patriarchen Maxim.

Erst jetzt plant die orthodoxe Kirche einige Hilfsprojekte für arme Menschen auf dem Land - mit finanzieller Hilfe der EU. Auch das steht im krassen Gegensatz zu den orthodoxen Möglichkeiten. Die Kirche besitzt Immobilien und Land im Wert von über vier Milliarden Euro.

Diese Gegensätze machen die Menschen wütend und bringen sie gegen die Kirchenführer und vor allem gegen Kiril auf: "Ich kann ihn nicht ausstehen. Das ist kein Mann Gottes. Wenn er zum Patriarchen gewählt wird, werde ich keine Kirche mehr betreten", sagt eine Frau in Varna. Ein anderer Pasant sagt: "Es gibt Leute, die an ihm kleine Mängel sehen. Aber es gibt keine sündenfreien Menschen." "Er ist ein Bulle oder arbeitet mit Bullen zusammen", erhebt ein anderer Mann Vorwürfe gegen Kiril.

Elf von 15 Bewerbern haben Stasi-Vergangenheit

Diese letzte Äußerung ist nicht aus der Luft gegriffen. Denn unter den 15 Metropoliten, aus denen in Kürze einer zum Patriarchen gewählt wird, waren elf bis zur Wende als Spitzel für die bulgarische Staatssicherheit aktiv, darunter auch Kiril. Der Theologe Kostadin Nuschew von der Universität Sofia sieht dagegen ein noch größeres Problem: "Die Stasitätigkeit liegt in der Vergangenheit. Für die Zukunft ist die Abhängigkeit mancher Bischöfe von Geschäftsinteressen viel bedeutender."

Diese Geschäftsbeziehungen reichen bis ins Bizarre. So erinnerte sich ein Metropolit eines Ehrentitels aus byzantinischer Zeit, der über Jahrhunderte nicht vergeben wurde und verlieh ihn wieder - an einen ehemaligen Nachtklubbesitzer.

Dieser Beitrag lief am 10. Januar 2013 um 22:51 Uhr auf Deutschlandradio Kultur.

Stand: 13.01.2013 13:44 Uhr

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