Karte Bulgarien Türkei

Innenministerium spricht von Unfall Flüchtling in Bulgarien erschossen

Stand: 16.10.2015 08:32 Uhr

An der bulgarischen Grenze ist ein Flüchtling von einem Wachmann erschossen worden. Nach Angaben des Innenministeriums in Sofia hatten 50 Afghanen versucht, die Grenze von der Türkei aus zu passieren. Laut dem Ministerium wurde der Mann von einem Querschläger getroffen.

Ein afghanischer Flüchtling ist beim Versuch, illegal über die Grenze nach Bulgarien zu kommen, von bulgarischen Grenzschützern erschossen worden. Nach ersten Erkenntnissen sei der Mann von einem Querschläger getroffen worden, als ein Grenzschützer Warnschüsse abgab, sagte ein ranghoher Vertreter des bulgarischen Innenministeriums in der Nacht dem Rundfunksender BNR. Etwa 50 Flüchtlinge hätten versucht, die Grenze zu überqueren.

Nach Angaben einer Sprecherin des Innenministeriums ereignete sich der Vorfall am Donnerstagabend der Nähe der südostbulgarischen Kleinstadt Sredez. Eine große Gruppe Flüchtlinge habe versucht, aus der Türkei illegal nach Bulgarien zu kommen. Dabei sei einer von ihnen von einer Kugel getroffen worden und auf dem Weg zum Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.

Abgeprallter Warnschuss?

Laut dem Stabschef des Ministeriums, Georgij Kostow, gehörte der Mann einer Gruppe von rund 50 afghanischen Flüchtlingen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren an. Diese hätten den Anordnungen der Grenzpatrouille, sofort anzuhalten und umzukehren, keine Folge geleistet, sagte er BNR. Daraufhin habe einer der Grenzschützer Warnschüsse abgegeben, einer davon müsse "abgeprallt und den Mann am Nacken getroffen" haben. Laut Kostow war keiner der Flüchtlinge bewaffnet. Die restlichen Männer aus der Gruppe seien festgenommen und Ermittlungen zum genauen Tathergang eingeleitet worden.

Es ist der erste tödliche Schuss von einem Sicherheitsbeamten seit Beginn der Flüchtlingskrise in Europa. Der Tod des Flüchtlings überschattete den EU-Flüchtlingsgipfel in Brüssel. Der bulgarische Ministerpräsident Boiko Borissow erfuhr während des EU-Gipfels von dem tragischen Zwischenfalls und reiste sofort in seine Heimat zurück.

Erneut ein Toter in Calais

Am Eurotunnel im nordfranzösischen Calais kam unterdessen erneut ein Flüchtling ums Leben. Das Opfer sei in der Nacht von einem aus Großbritannien kommenden Zug erfasst worden, teilte ein Eurotunnel-Sprecher mit.

Es ist bereits der 16. tödliche Unfall eines Flüchtlings in der Region seit Ende Juni. In Calais und Umgebung sitzen zwischen 4000 und 5000 Flüchtlinge fest, die meisten von ihnen stammen aus Ostafrika, Syrien und Afghanistan. Sie hoffen, auf Fähren über den Ärmelkanal oder auf Zügen durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen. Die Lage eskalierte Ende Juli, als in manchen Nächten rund 2000 Versuche von Flüchtlingen gezählt wurden, auf das Eurotunnel-Gelände zu gelangen.

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