Bill de Blasio bei der Bürgermeisterwahl in New York | Bildquelle: REUTERS

New York wählt Bürgermeister Favorit mit durchwachsener Bilanz

Stand: 07.11.2017 18:01 Uhr

Eine Woche nach dem Terroranschlag wählt New York heute einen neuen Bürgermeister. Großer Favorit ist Amtsinhaber de Blasio. Obwohl er einige Erfolge verbuchen kann, bleibt er zentrale Wahlversprechen schuldig.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Der Bürgermeister der Millionenstadt wirkt bei einem seiner letzten Auftritte vor der Wahl fast wie ein Prediger - Bill de Blasio spricht in gleich fünf Kirchen im Stadtteil Brooklyn. "Der beste Grund, am 7. November wählen zu gehen, ist das, was am 8. November vergangenen Jahres passiert ist. Millionen haben die Wahl ausgesessen, Millionen."

Gemeint ist die US-Präsidentschaftswahl, die der Republikaner Donald Trump gewinnen konnte. Nun geht es um die New Yorker Bürgermeisterwahl. Dabei wird höchstwahrscheinlich ein Demokrat siegen: de Blasio. Eine zweite Amtszeit für ihn sei auch dank Trump wahrscheinlich, sagt David Goodman von der "New York Times": "Als Republikaner hier zu gewinnen - auch ohne so eine polarisierende Person im Weißen Haus - ist schwierig, und dieses Jahr ist es praktisch unmöglich."

Geringe Wahlbeteiligung

Etwa 4,3 Millionen Menschen können zur Wahl gehen. So viel werden es aber wohl nicht. Zuletzt lag die Wahlbeteiligung bei gerade einem Viertel derjenigen, die sich vorab hatten registrieren lassen. Gerechtigkeit ist ein Hauptthema des Bürgermeisters, der in seiner Demokratischen Partei eher links zu verorten ist.

Konkret heißt das: Bezahlbarer Wohnraum, bezahlte Krankentage, höherer Mindestlohn und Gratis-Vorschulen. "Bei den Gratis-Vorschulen erkennen die meisten an, dass er sich etwas Schwieriges vorgenommen hat", analysiert Goodman. "Eine neue Schulstufe zu starten - das ist in einer Stadt wie New York nicht einfach. Es ist das größte öffentliche Schulsystem im Land."

Gemischte Bilanz

Als Schulnote würde Goodman dem Bürgermeister eine Eins minus geben. New York ist die sicherste Großstadt der USA, die Mordrate wird dieses Jahr voraussichtlich auf den niedrigsten Stand seit Jahren sinken. Bei einigen Wahlversprechen gibt es allerdings Probleme, so etwa das Verhältnis zwischen Polizei und den Bürgern. Diese Beziehungen wollte de Blasio eigentlich deutlich verbessern. Da aber sei noch Luft nach oben, sagt Goodman.

Mehr als 60.000 Menschen in New York sind obdachlos - diese Krise hat der Bürgermeister zu spät erkannt. Sie beschädigt seine Gerechtigkeitsagenda. Und auch in puncto bezahlbarem Wohnraum - ein Dauerbrenner-Thema im überteuerten New York - sind die Erfolge noch nicht recht spürbar, trotz Zehntausender neuer, mietregulierter Wohnungen.

"Ich will ihm dafür keine Note geben", so Goodmann. "Viele Veränderungen, die er anstrebt, werden Jahre brauchen. Dass all das schon eine messbare Auswirkung auf die Stadt gehabt hätte - dafür ist es noch zu früh."

Bill de Blasio und seine Frau Chirlane McCray bei einer Ansprache nach dem Terroranschlag von Ende Oktober. | Bildquelle: AFP
galerie

Bill de Blasio und seine Frau Chirlane McCray sprachen den New Yorker Trost und Mut zu nach dem Terroranschlag von Ende Oktober.

Lange Erfahrung

De Blasio ist Politiker durch und durch - er saß im Stadtrat, hat als Kampagnenmanager für die Senatsbewerbung von Hillary Clinton gearbeitet. Statt mit diesem geradlinig-trockenen Werdegang hat er vor vier Jahren lieber mit seiner Familie geworben. Die steht für die Vielfalt der Weltstadt. Er selbst ist italienischer Abstammung, seine schwarze Frau hat den Rassismus im Land selbst erlebt. Lange vor ihrer Ehe hatte sie sich einst als lesbisch geoutet.

De Blasio tritt ein schweres Erbe an: Der wohl bekannteste Bürgermeister der Stadt ist Rudy Giuliani - er wurde durch die Anschläge vom 11. September 2001 zu einer Art "Bürgermeister der Welt". Auch Michael Bloomberg hatte sich als Medienunternehmer, Philantrop und Milliardär schon vor dem Amt einen Namen gemacht. De Blasio ist von solcher Prominenz noch weit entfernt, auch wenn der Terror vor einer Woche ihn unfreiwillig ins Rampenlicht gestellt hat. Beeindruckt zeigte er sich da von der Unbeugsamkeit der New Yorker. Trotz des grausamen Anschlags: Nie würden in dieser Stadt Terroristen siegen.

Versprochen – gebrochen? Erste Amtszeit Bürgermeister Bill de Blasio
K. Clement, ARD New York
07.11.2017 18:09 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete WDR5 am 07. November 2017 um 08:49 Uhr.

Darstellung: