Biermarkenstreit vor EuGH "Budweiser ist tschechisch und soll es auch bleiben"

Stand: 29.07.2010 21:26 Uhr

Der EuGH hat entschieden: "Budweiser"-Bier darf nur aus Tschechien kommen - zumindest in der Staatengemeinschaft. Damit hat das Gericht dem US-Konzern Anheuser-Busch, der ebenfalls "Budweiser" verkauft, einen Dämpfer erteilt. Im Land des berühmten Bieres freut man sich, dass aus dem tschechischen Traditionsgetränk kein Einheitsgebräu wird.

Von Gerwald Herter, ARD-Hörfunkstudio Prag

"Nazdravi" – auf die Gesundheit der Biertrinker, und auch auf die der Luxemburger Richter. Im Prager Lokal "U Mecenase" hat sich die Neuigkeit bereits herumgesprochen. Budweiser ist ein tschechisches Bier und eine tschechische Marke, das bezweifelt hier sowieso niemand, schon gar nicht der Wirt Lubomir Koubek: "Das Budweiser hat hier eine sehr lange Tradition, das amerikanische Gegenüber kann mit der Qualität hier nicht mithalten. Das ist noch ein wirklich tschechisches Produkt. Ich arbeite hier seit 35 Jahren. In der Zeit haben wir die verschiedensten Biere ausprobiert, aber letztlich sind wir beim Budweiser gelandet, denn das wird von ausländischen Touristen am meisten nachgefragt, das ist für uns sehr wichtig. Alle kennen es."

Die Brauerei von Anheuser-Busch Budweiser in St. Louis, Missouri.
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Der Konzern Anheuser-Busch verkauft Bier unter dem Namen "Budweiser" in den USA.

Natürlich ist auch die Brauerei im böhmischen Ceske Budejovice - also in Budweis - erleichtert. Diese Entscheidung sei ein Schlusspunkt, allerdings nur in diesem konkreten Fall, so der Sprecher der Brauerei Petr Samec. In 14 Ländern sind in dieser Sache noch 22 Verfahren anhängig. Die Luxemburger Entscheidung ist aus seiner Sicht auf jeden Fall ein positives Signal, sie stabilisiere die Position der Brauerei in der Europäischen Union.

"Budweiser" gehört den Tschechen

Die Brauerei befindet sich immer noch in staatlichem Besitz. Wechselnde tschechische Regierungen hätten den erwarteten Verkaufserlös von weit über einer Milliarde Euro im Haushalt zwar gut gebrauchen können, die Folgen einer Privatisierung wären aber nur schwer zu steuern. Was wäre, wenn sich der Gigant Anheuser-Busch/Inbev die böhmische Brauerei einverleiben würde und der Markenstreit so eine völlig andere Wendung bekäme?

In der Tschechischen Republik befürchten viele Bier-Liebhaber, dass die Braumeister in Budweis dann mit anderen Rezepturen und Rohstoffen arbeiten müssten und vom "Budweiser" vielleicht nur noch der Name übrig bliebe. Auch für die Gäste im Prager Lokal "U Mecenase" wäre das eine nationale Katastrophe: "Das Budweiser ist tschechisch und soll es auch bleiben. Das ist unsere Tradition. 1989 bin ich auf die Straße gegangen, weil ich dachte, danach würde es uns besser gehen. Für das Budweiser würde ich das wieder tun," sagt ein Mann im "U Mecenase."

Und selbst ein slowakischer Gast stimmt dem zu, obwohl sich Tschechen und Slowaken nicht immer einig sind: "Es gehört den Tschechen, der Tradition und der Geschichte wegen."

Tschechische Biere haben häufig ausländische Besitzer

Ein großer Teil der tschechischen Brauereien ist tatsächlich längst in ausländischem Besitz. Unter dem Diktat ausländischer Investoren, so kommentiert zum Beispiel die Zeitung „Lidovne Noviny“, verliere das tschechische Bier mehr und mehr seinen eigenen Geschmack und verkomme zum verwechselbaren Einheitsgebräu. Manche Tschechen sprechen abfällig von „Euro-Bier“.

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