Demonstranten befestigen bei einer Kundgebung ein Foto des Hongkonger Buchhändlers Gui Minhai. | Bildquelle: dpa

Verhaftung in China Der seltsame Fall eines Buchhändlers

Stand: 13.02.2018 08:39 Uhr

Dem schwedischen Buchhändler Gui Minhai wird in China Staatsverrat vorgeworfen. Trotz Protesten wird ihm konsularische Betreuung verwehrt - nun gipfelt der Fall in einem bizarren Interview.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Lange Vorhänge in beige-gelb, alle zugezogen. An der Decke hängt ein Lautsprecher. Der schwedische Verleger und Buchhändler Gui Minhai sitzt in einem Zimmer und antwortet auf Fragen. Es ist ein mutmaßlich orchestriertes und erzwungenes Interview der chinesischen Behörden. Darin greift Gui Schweden verbal scharf an. "Wenn ich zurück gucke, war ich für Schweden nur eine Schachfigur", sagt Gui. "Ich habe das Gesetz auf Drängen Schwedens erneut gebrochen. Mein wundervolles Leben ist ruiniert. Ich werde Schweden nie wieder trauen."

Festnahme im Zug nach Peking

Der eigentlich china-kritische Verleger und Buchhändler Gui war Ende Januar in einem Zug nach Peking von chinesischen Sicherheitsbehörden festgenommen worden - obwohl er sich in Begleitung schwedischer Diplomaten befand. Der 53-Jährige stand in China zuletzt unter Hausarrest und war - dem Vernehmen nach - auf einer nicht genehmigten Reise zu einem Arzt in Peking. Nach seinem Verschwinden forderten Schweden, die EU und die USA von China die Freilassung Guis.

Buchhändler Lam Wing-kee steht neben einem Plakat mit dem Fotos seines festgenommen Kollegen Gui Minhai. | Bildquelle: AP
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Unterstützung für einen Kollegen: Buchhändler Lam Wing-kee protestierte bereits 2016 vor einem Plakat mit dem Bild Gui Minhais.

Keine konsularische Betreuung

Auch die Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin, Maria Adebahr, äußerte sich zu dem Fall. "Wir teilen die Besorgnis über seine Behandlung und seine Verhaftung durch chinesische Behörden, und wir erwarten von den chinesischen Autoritäten, dass sie ihn unverzüglich freilassen und es möglich sein muss, ihn konsularisch zu betreuen", sagte Adebahr. Sie fordert auch, dass er die medizinische Hilfe erhält, die er benötigt.

China verletzt derzeit internationale Regeln, indem es jede konsularische Betreuung verweigert. Einige Diplomaten in Peking sprechen deshalb auch von einem Präzedenzfall und äußern die Befürchtung, dass es künftig auch andere EU-Bürger treffen könnte.

China lehnt Einmischung ab

Für den Sprecher des chinesischen Außenministeriums ist der Fall allein Sache Chinas. "Ich betone noch einmal: China lehnt jegliche Einmischung von außen ab, die unsere rechtliche Souveränität in Frage stellt", sagt Geng Shuang. "Auch wenn Gui Minhai ein schwedischer Staatsbürger ist, muss dieser Fall nach chinesischem Recht behandelt werden."

China wirft Gui nun Staatsverrat vor. Gui hatte in den vergangenen Jahren als Buchhändler in Hongkong gearbeitet. Ende 2015 waren fünf Hongkonger Buchhändler unter dubiosen Umständen verschwunden, darunter auch er. Einige vermuten, dass eine brisante Publikation zu Chinas Präsident Xi Jinping geplant war und die chinesischen Behörden deshalb so hart und rücksichtlos agieren.

Situation für Buchhändler wird immer schlechter

In Hongkong hat sich die Situation der Buchhändler mit China-kritischer Literatur jedenfalls dramatisch verschlechtert, sagt Bao Pu. Er ist Verleger in Hongkong, Menschenrechtsaktivist und Kollege von Gui. "Seit dem Vorfall 2015 ist die freie Verleger-Industrie in Hongkong tot", sagt er. Im Prinzip seien alle unabhängigen und kritischen Buchläden geschlossen. "Chinas Führung erkennt die Rechte Gui Minhais als ausländischer Staatsbürger nicht an. Sie wollen nicht, dass er die schwedische Staatsbürgerschaft hat."

Dazu passt, dass Gui in dem mutmaßlich erzwungenen Interview damit drohte, seinen schwedischen Pass zurück zu geben. Worte, die ihm die Chinesen vermutlich aufgeschrieben haben. Erzwungene Auftritte vor Kameras, öffentliche Geständnisse und Entschuldigungen, sind in China keine Seltenheit, sondern Strategie. Den Fall Gui macht das nun noch bizarrer. Das schwedische Außenministerium reagierte auf das provokante Interview sachlich - und wiederholte den Ruf nach Freilassung.

Der bizarre Fall Gui Minhai: China und der schwedische Buchhändler
Axel Dorloff, ARD Peking
13.02.2018 08:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 13. Februar 2018 um 08:38 Uhr.

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