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Wirbel um Buch über Bin-Laden-Tötung
Pentagon droht Navy Seal wegen Geheimnisverrats
Am 2. Mai 2011 töteten US-Soldaten in Pakistan Al-Kaida-Chef Bin Laden. Einer von ihnen hat darüber ein Buch geschrieben - darin widerspricht er der Regierungsversion von der Aktion. Mitten im Wahlkampf soll es jetzt erscheinen. Doch das Pentagon droht mit rechtlichen Schritten.
Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington
Über 600.000 Exemplare des Augenzeugenberichtes sind gedruckt - und der Verkaufsstart des Buchs "No Easy Day" wurde wegen der großen Nachfrage vom 11. September auf kommenden Dienstag vorverlegt.
Doch jetzt haben Autor und Verlag Post vom Chefjuristen des Verteidigungsministeriums bekommen: Das Buch verstoße gegen zwei Geheimhaltungserklärungen, in denen sich der Elite-Soldat im Jahr 2007 verpflichtet habe, keine militärischen Geheimnisse preiszugeben. Autor und Verlag hätten das Buch über Bin Ladens Tötung dem Pentagon vorlegen müssen. Sollte es dennoch veröffentlicht werden, verschärfe dies den Straftatbestand.
Autor und Verlag gaben dazu bisher keine Stellungnahme ab. In einem Interview mit CBS hatte der ehemalige Navy Seal zuvor versichert, sein Buch verrate weder Geheimnisse, noch verfolge es politische Zwecke: "Dieses Buch ist in keiner Weise politisch. Es ist keine üble Nachrede - weder über die eine noch die andere Partei. Und wir hatten den 11. September bewusst gewählt, um das Thema aus der Politik herauszuhalten."
Pentagon erwägt rechtliche Schritte gegen Autor
M. Ganslmeier, NDR Washington
31.08.2012 18:29 Uhr
Politische brisante Schilderungen
Doch was der Autor mit dem Pseudonym Mark Owen in seinem Buch schildert, ist politisch brisant - vor allem für die US-Regierung. Sie hatte nach der Tötungsaktion in Pakistan stets behauptet: Der Al-Kaida-Chef wurde nicht vorsätzlich hingerichtet. Bin Laden habe sich in seinem Schlafzimmer umgedreht, um möglicherweise nach einer Waffe zu greifen. "Bin Laden leistete Widerstand!", behauptete Regierungssprecher Jay Carney im Mai 2011.
Als "Berichterstatter aus erster Hand" - so der Untertitel seines Buches - widerspricht Owen dieser Darstellung: Er und seine Navy-Seal-Kollegen gingen demnach die Treppe hoch, als Bin Laden aus seinem Schlafzimmer ins Treppenhaus sah. Daraufhin schoss der vorderste Navy Seal, um kein Risiko einzugehen. Bin Laden wurde im Kopf getroffen und - am Boden liegend - durch gezielte Schüsse getötet. Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung wurden zwei Waffen gefunden. Beide waren jedoch nicht geladen.
Experten halten Owens Version für glaubwürdig
Owens Darstellung ist realistisch und glaubwürdig, sagt Terrorismusexperte Peter Bergen, der selbst ein Buch über die Tötung von bin Laden geschrieben hat. "Das passt zu allem, was ich berichtet habe", meint er. Ich habe mit Dutzenden Menschen gesprochen, die das wahre Geschehen aus erster Hand kennen. Mein Buch und seine Schilderung sind in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich."
Wurde bin Laden also hingerichtet? Der Buchautor verneint dies. Im Vorbereitungscamp habe ihnen ein Anwalt der Regierung gesagt, dies sei "kein Mordanschlag". Wenn Bin Laden keine Bedrohung darstelle, sollten sie ihn festnehmen. Am Tatort aber, nach der verunglückten ersten Hubschrauberlandung und einem 15-minütigen Feuergefecht wollte das Spezialkommando lieber auf Nummer sicher gehen. Und bekam dafür anschließend Lob von US-Präsident Obama für den "gut erledigten Job".
Es wird wohl nur eine Geldstrafe geben
Als Navy Seal, der mithalf Bin Laden zu töten, ist der Autor für viele Amerikaner ein Held. Deshalb halten politische Beobachter einen Prozess der Regierung gegen Owen für ebenso unwahrscheinlich wie einen Verkaufsstopp. Vermutlich wird es eine satte Geldstrafe geben.
Die Freude über seinen Bestseller könnte dem Autor aber jetzt schon vergangen sein. Denn der Sender FoxNews enthüllte seine wahre Identität. Im Internet kursieren bereits Aufrufe islamistischer Extremisten, den ehemaligen Navy Seal zu töten.
Stand: 31.08.2012 18:19 Uhr
