TÜV muss Betroffenen Pauschalbetrag zahlen Schadensersatz im Implantate-Skandal

Stand: 21.01.2014 15:02 Uhr

Ein französisches Berufungsgericht hat geschädigten Frauen im Brustimplantate-Skandal zugesprochen, vom TÜV Rheinland Schadensersatz einfordern zu können. Mit dem sogenannten Vollstreckungstitel können etwa 1600 Frauen und sechs Händler vom TÜV jeweils 3000 Euro verlangen.

Das Gericht im südfranzösischen Aix-en-Provence wies einen Antrag des deutschen Prüfdienstleisters ab, mit der eine in erster Instanz ausgestellte Verfügung bis zum Ende des eigentlichen Berufungsverfahrens für ungültig erklären lassen wollte.

Gegen Kontroll- und Aufsichtspflichten verstoßen

Der TÜV war im November von einem Gericht in Toulon zur Zahlung von Schadenersatz in Millionenhöhe verurteilt worden. Das Unternehmen, das die Produktion des Brustimplantateherstellers PIP zertifiziert hatte, habe gegen "seine Kontroll- und Aufsichtspflichten" verstoßen. Die Touloner Richter legten auch die Summe von 3000 Euro pro Fall fest. Die genaue Entschädigungszahlung solle später auf Grundlage von individuellen Gutachten festgelegt werden.

TÜV sieht sich als Opfer

TÜV Rheinland | Bildquelle: dpa
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Der TÜV Rheinland sieht sich als Opfer des PIP-Betrugs.

Der TÜV, der sich selbst als Opfer eines Betrugs durch PIP sieht, legte gegen die Entscheidung des Berufungsgericht in Aix-en-Provence umgehend Berufung ein. Das erste Urteil sei schockierend und man werde beweisen, dass es keinerlei Regelverstöße gegeben habe.

Das deutsche Unternehmen sieht sich selbst als PIP-Opfer, was mehrere Gerichte in Deutschland und Frankreich bestätigt haben. Der TÜV prüfte bei PIP lediglich Unterlagen und Qualitätssicherung, nicht aber die Implantate selbst. Weltweit haben Chirurgen Schätzungen zufolge Hunderttausenden Frauen minderwertige Silikonkissen implantiert, die mit billigerem Industriesilikon gefüllt waren. Diese Einlagen reißen zudem schneller und werden für Entzündungen verantwortlich gemacht.

PIP-Gründer Jean-Claude Mas wurde im Dezember zu vier Jahren Haft verurteilt. Ein Gericht in Marseille sah es als erwiesen an, dass der 74-Jährige seine Kunden jahrelang bewusst täuschte. Die Firma selbst ist inzwischen insolvent.

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