Anti-Terror-Einsatz in Brüssel  | Bildquelle: dpa

Ein Toter und vier verletzte Polizisten in Brüssel Viele Fragen nach Anti-Terror-Einsatz

Stand: 16.03.2016 08:52 Uhr

Vier verletzte Polizisten, ein erschossener Verdächtiger und mutmaßlich zwei Flüchtige - in Brüssel herrscht am Tag nach der Anti-Terror-Razzia weiter angespannte Stimmung. Die Staatsanwaltschaft will sich im Laufe des Vormittags zu dem Einsatz äußern.

Einen Tag nach der Anti-Terror-Razzia in Brüssel sind offenbar noch immer Verdächtige auf der Flucht. Die Staatsanwaltschaft will sich im Laufe des Vormittags äußern. Auch der nationale Sicherheitsrat tritt zusammen, um über die Ereignisse zu beraten. Die Staatsanwaltschaft hatte am späten Dienstagabend erklärt, zwei Verdächtige hätten fliehen können.

Die Razzia stand im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris. "Wir können sagen, dass wir viel Glück gehabt haben. Wir haben vier leicht verletzte Polizisten. Das hätte ein echtes Drama werden können", fasste Belgiens Premier Charles Michel den Einsatz zusammen.

Anti-Terror-Einsatz in Belgien
tagesschau24 09:30 Uhr, 16.03.2016, Konstantin Sauer, ARD-aktuell

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Polizisten waren nicht auf Beschuss eingestellt

Einigermaßen glimpflich verlief er aus Regierungssicht für die Sicherheitskräfte wohl auch deshalb, weil sie zunächst überhaupt nicht damit gerechnet hatten, angegriffen zu werden. Die Polizisten gingen davon aus, eine leere Wohnung vorzufinden, als sie die Tür des Appartements im Süden Brüssels aufbrachen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde dann aber sofort das Feuer auf sie eröffnet. Als sie die Wohnung schließlich stürmten, erschossen sie dabei offenbar einen der Bewaffneten. Über seine Identität ist noch nichts bekannt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hielt der Mann ein Kalaschnikow-Sturmgewehr in den Händen, als er tot aufgefunden wurde.

Anti-Terror-Einsatz in Brüssel | Bildquelle: dpa
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Anti-Terror-Einsatz in Brüssel

Französische Polizisten beteiligt

Zu den Verletzten zählt auch eine Polizistin aus Frankreich. Der Einsatz wurde von belgischen und französischen Sicherheitskräften gemeinsam durchgeführt. Das hatte Spekulationen angeheizt, die Einsatzkräfte seien auf der Spur von Salah Abdeslam gewesen, der die Attentäter von Paris logistisch unterstützt haben soll. Er gilt momentan als einer der meistgesuchten Terroristen Europas. Sein Bruder war einer der Selbstmordattentäter.

Doch bislang ist nur so viel klar, dass es sich bei dem Toten nicht um Abdeslam handelt. Aus Polizeikreisen in Paris verlautete, dass der Einsatz nicht Abdeslam gegolten habe, "sondern dem Umfeld eines oder mehrerer der elf belgischen Beschuldigten". Von den elf Verdächtigen die in Belgien wegen der Anschläge festgenommen worden waren, sitzen noch acht in Untersuchungshaft.

Premier dankte den Bürgern

Belgiens Premier Charles Michel dankte der Bevölkerung am Abend für ihre Ruhe und Gelassenheit. Das Stadtviertel Forest war stundenlang abgeriegelt, Anwohner konnten nicht in ihre Häuser, Kinder durften Kitas und Schulen stundenlang nicht verlassen. "Ich bin sehr überrascht. Dass ist eigentlich ein familiäres und sehr ruhiges Viertel", sagte eine Anwohnerin. Sie hatte stundenlang an einer der Absperrungen warten müssen, um zu ihrem Sohn zu gelangen.

Bei den Anschlägen in und um Paris waren am 13. November 2015 insgesamt 130 Menschen getötet worden. Zu der schwersten Anschlagsserie in der Geschichte Frankreichs bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat".

Mit Informationen von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

Anti-Terror-Razzia in Brüssel mit tödlichem Ausgang
K. Küstner, NDR Brüssel
16.03.2016 04:01 Uhr

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