Sicherheitskräfte beziehen auf einem Hausdach  im Brüsseler Stadtteil Forest Stellung. | Bildquelle: dpa

Razzia in Brüssel "Das hätte ein echtes Drama werden können"

Stand: 16.03.2016 04:22 Uhr

Abermals ist Brüssel zum Brennpunkt des Anti-Terror-Kampfes geworden. Was als Hausdurchsuchung durch Sicherheitskräfte begann, mündete völlig unerwartet in einer heftigen Schießerei mit tödlichem Ausgang. Und in einer langwierigen Verfolgungsjagd.

Von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

"Wir können sagen, dass wir viel Glück gehabt haben. Wir haben vier leicht verletzte Polizisten. Das hätte ein echtes Drama werden können", fasste Belgiens Premier Charles Michel am späten Abend den Einsatz zusammen.

Einigermaßen glimpflich verlief er aus Regierungssicht für die Sicherheitskräfte wohl auch deshalb, weil sie zunächst überhaupt nicht damit gerechnet hatten, angegriffen zu werden. Zwar stand die gestern Nachmittag begonnene Hausdurchsuchung durchaus im Zusammenhang mit den Terror-Angriffen von Paris. Die Polizisten gingen aber davon aus, eine leere Wohnung vorzufinden, als sie die Tür des Appartements im Süden Brüssels aufbrachen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde dann aber sofort das Feuer auf sie eröffnet.

Anti-Terror-Einsatz in Brüssel | Bildquelle: dpa
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Anti-Terror-Einsatz in Brüssel

Polizisten waren nicht auf Beschuss eingestellt

"Es ist völlig klar, dass die Polizei nicht passend ausgerüstet und bewaffnet war für ein Aufeinandertreffen mit bewaffneten Personen. Sie erwarteten eine leere Wohnung", erklärt Anti-Terrorexperte Thomas Renard im belgischen Sender RTBF.

Zu den Verletzten zählt auch eine Polizistin aus Frankreich. Der Einsatz wurde von belgischen und französischen Sicherheitskräften gemeinsam durchgeführt. Als sie die Wohnung schließlich stürmten, erschossen sie dabei offenbar einen der Bewaffneten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hielt der Mann ein Kalaschnikow-Sturmgewehr in den Händen, als er tot aufgefunden wurde.

Gleichzeitig gelang es anderen Verdächtigen durch ein Fenster zu fliehen. Die Sicherheitskräfte beeilten sich, Verstärkung anzufordern und riegelten das Stadtviertel ab. Kinder durften Schulen und Kitas stundenlang nicht verlassen.

Einsatz dauerte bis in die Nacht

Belgiens Premier Michel dankte der Bevölkerung am Abend für ihre Ruhe und Gelassenheit. Die Polizeioperation selbst dauerte bis in die Nacht an - ohne dass die Flüchtigen gefasst und alle offenen Fragen geklärt worden wären.

Es dürfte auch nicht die letzte Razzia im Zusammenhang mit den Paris-Anschlägen gewesen sein: Einer der Hauptverdächtigen, Salah Abdeslam, soll sich nach den Attentaten wochenlang in Brüssel versteckt haben. Abdeslam ist einer der meistgesuchten Terroristen Europas. Von ihm fehlt weiter jede Spur. Sein Bruder Brahim war einer der Selbstmordattentäter von Paris.

Bei den Anschlägen in und um Paris waren am 13. November 2015 insgesamt 130 Menschen getötet worden. Zu der schwersten Anschlagsserie in der Geschichte Frankreichs bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Anti-Terror-Razzia in Brüssel mit tödlichem Ausgang
K. Küstner, NDR Brüssel
16.03.2016 04:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. März 2016 um 09:00 Uhr.

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