Polizisten vor dem  Zentralbahnhof von Brüssel | Bildquelle: AFP

Vereitelter Anschlag in Brüssel Attentäter sympathisierte wohl mit IS

Stand: 21.06.2017 21:02 Uhr

Was genau ihn zu seiner Tat trieb, ist unklar. Doch offenbar sympathisierte der Mann, der im Brüsseler Zentralbahnhof eine Bombe zünden wollte, mit dem IS. Und er hat den Sprengsatz zu Hause gebaut.

Von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

Es ist vor allem eine Frage, die nicht nur Belgiens Sicherheitskräfte, sondern auch die Menschen in Brüssel seit Dienstagabend umtreibt: Wer genau ist der Attentäter? Wer ist dieser Mann, der im Brüsseler Zentralbahnhof mit einer Nagelbombe mutmaßlich Menschen in den Tod zu reißen versuchte?

"Als O.Z. identifiziert"

Staatsanwalt Eric van der Sypt | Bildquelle: dpa
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Van der Sypt informierte auf einer Pressekonferenz über den Attentäter.

Zumindest in Ansätzen gab Staatsanwalt Erik van der Sypt darüber nun Auskunft: "Die Person wurde als O.Z. identifiziert. Wir geben nie den ganzen Namen preis. Er wurde am 12. Januar 1981 geboren und ist Marokkaner. Er war den Behörden nicht wegen Terrors bekannt."

Klar ist ebenfalls, dass der 36-Jährige aus dem Brüsseler "Problem-Stadtteil" Molenbeek stammt. Also jenem Bezirk, in dem auch einige Mitglieder der Terrorzelle gelebt hatten, die für die Anschläge von Paris und Brüssel mutmaßlich verantwortlich sind. Der in Haft sitzende Salah Abdeslam hatte hier nach den Paris-Attentaten vom November 2015 Unterschlupf gefunden.

Wohnung des Mannes durchsucht

Vergangene Nacht nun durchsuchten Spezialkräfte das Haus des mutmaßlichen Angreifers vom Zentralbahnhof, wie der Staatsanwalt bestätigte. Zunächst fanden sich keine Hinweise darauf, dass es Komplizen oder Hintermänner gab. Durchaus aber darauf, dass der Mann mit dem "Islamischen Staat" sympathisierte. Die Staatsanwaltschaft geht auch davon aus, dass der Mann den Sprengsatz bei sich zu Hause selber zusammenbaute.

Bahnhofsattentäter von Brüssel versuchte Kofferbombe zu zünden
tagesschau 20:00 Uhr, 21.06.2017, Bettina Scharkus, ARD Brüssel

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Klar ist jedenfalls, dass die Stadt Brüssel offenbar nur ganz knapp einem schweren Anschlag entgangen ist. Um 20:39 Uhr - so schildern die Behörden den Hergang der Tat - habe der Mann den Zentralbahnhof betreten. Um 20:44 Uhr habe er sich in die Mitte einer Gruppe von Passagieren begeben: "Er griff seinen Koffer, schrie und sorgte für eine Teil-Explosion", so Staatsanwalt van der Sypt. "Zum Glück wurde niemand verletzt."

Koffer enthielt Nägel und kleine Gasflaschen

Während der Koffer brannte, lief der Mann nach unten auf den Bahnsteig. Währenddessen explodierte der Koffer ein zweites Mal. Diesmal heftiger, so die Schilderung des Staatsanwalts. "Der Koffer enthielt Nägel und kleine Gasflaschen."

Anschließend sei der Mann in die Bahnhofshalle zurückgekehrt, sei auf einen oder mehrere patroullierende Soldaten zugestürmt und habe "Allahu Akbar" geschrien. Daraufhin sei er erschossen worden.

Einen Sprengstoffgürtel - wie zunächst berichtet - habe der Mann nicht getragen. Doch nach diesen Schilderungen ist für die belgischen Behörden klar, dass der Attentäter es durchaus darauf abgesehen haben dürfte, Unschuldige in den Tod zu reißen oder schwer zu verletzen.

Reparaturarbeiten nach der Explosion im Zentralbahnhof von Brüssel | Bildquelle: AFP
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Die Schäden, die die Explosion im Bahnhof verursacht hatte, wurden inzwischen repariert.

"Wir lassen uns von Terroristen nicht einschüchtern"

Trotzdem hat der versuchte Terrorakt natürlich Erinnerungen wachgerufen an die Anschläge vom 22. März 2016 am Brüsseler Flughafen und der Metro-Station Maelbeek im EU-Viertel. "Die Botschaft, die ich noch einmal wiederholen möchte, lautet: Wir lassen uns von Terroristen nicht einschüchtern. Wir werden unser Leben so normal wie möglich weiter führen", sagte Belgiens Premierminister Charles Michel.

Tatsächlich läuft der Zug- und Metro-Verkehr am Zentralbahnhof in Brüssel wieder wie an jedem anderen Arbeitstag auch. Trotzdem wurden die Sicherheitskräfte angewiesen, wachsam zu sein. Die Menschen müssen sich auf vermehrte Kontrollen einstellen. Dass Brüssel einem erneuten Terror-Anschlag offenbar nur mit viel Glück knapp entgangen ist, hat zwar keine Panik ausgelöst. Aber es hilft der Stadt nicht bei ihrem Heilungsprozess, den sie seit den Attentaten 2016 noch immer durchmacht.  

Mutmaßlicher Attentäter sympathisierte offenbar mit IS
K. Küstner, ARD Brüssel
21.06.2017 20:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Juni 2017 um 20:00 Uhr.

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