Brüsseler Sicherheitskräfte sperren den Zentralbahnhof nach dem Anschlag. | Bildquelle: dpa

Vereitelter Anschlag Brüsseler Bahnhofsattentäter identifiziert

Stand: 21.06.2017 12:58 Uhr

Erst gibt es am Zentralbahnhof eine Explosion, dann fallen Schüsse: Nur knapp ist Brüssel am Abend offenbar einem schweren Anschlag entgangen. Als Täter wurde ein 36-jähriger geborener Marokkaner identifiziert. Er stammt aus dem Problemviertel Molenbeek.

Von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

Es ist vor allem eine Frage, die nicht nur Belgiens Sicherheitskräfte, sondern auch die Menschen in Brüssel seit gestern Abend umtreibt: Wer ist der Attentäter? Wer ist dieser Mann, der am Dienstag Abend im Brüsseler Zentralbahnhof mutmaßlich Menschen in den Tod zu reißen versuchte?

Zumindest in Ansätzen gab Staatsanwalt Erik van der Sypt darüber nun Auskunft: "Die Person wurde als O.Z. identifiziert. Wir geben nie den ganzen Namen preis. Er wurde am 12. Januar 1981 geboren und ist Marokkaner." Der Mann sei den Behörden nicht wegen terroristischer Verbindungen bekannt gewesen.

Belgische Polizei identifiziert getöteten Attentäter von Brüssel
tagesschau 15:00 Uhr, 21.06.2017, Bettina Scharkus, ARD Brüssel

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Problem-Stadtteil Molenbeek

Klar ist ebenfalls, dass der 36-Jährige aus dem Brüsseler Problem-Stadtteil Molenbeek stammt. Also jenem Bezirk, in dem auch einige Mitglieder der Terrorzelle gelebt hatten, die mutmaßlich für die Anschläge von Paris und Brüssel verantwortlich sind.

Der in Haft sitzende Salah Abdeslam hatte hier nach den Paris-Attentaten vom November 2015 Unterschlupf gefunden. Vergangene Nacht nun durchsuchten Spezialkräfte das Haus des mutmaßlichen Angreifers vom Zentralbahnhof, wie de Staatsanwalt bestätigte.

Derzeit finden sich keine Hinweise darauf, dass es Komplizen oder Hintermänner gab. Klar ist aber mittlerweile, dass die Stadt Brüssel offenbar nur knapp einem schweren Anschlag entgangen ist.

Um 20.39, so schildern die Behörden den Hergang der Tat, habe der Mann den Zentralbahnhof betreten. Um 20.44 Uhr habe er sich in die Mitte einer Gruppe von Passagieren begeben: "Er griff seinen Koffer, schrie und sorgte für eine Teil-Explosion. Zum Glück wurde niemand verletzt", erläutert van der Sypt.

Arnim Stauth, ARD Brüssel, zu den aktuellen Entwicklungen
tagesschau24 18:00 Uhr, 21.06.2017

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Kein Sprengstoffgürtel

Während der Koffer brannte, lief der Mann nach unten auf den Bahnsteig. Währenddessen explodierte der Koffer ein zweites Mal. Diesmal heftiger, so die Schilderung des Staatsanwalts: "Der Koffer enthielt Nägel und kleine Gasflaschen."

Anschließend sei der Mann in die Bahnhofshalle zurückgekehrt, sei auf einen Soldaten zugelaufen, habe "Allahu akhbar" geschrien. Und sei daraufhin erschossen worden. Einen Sprengstoffgürtel, wie zunächst berichtet, habe der Mann nicht getragen. Doch nach diesen Schilderungen ist für die belgischen Behörden klar, dass der Attentäter es durchaus darauf abgesehen haben dürfte, Unschuldige in den Tod zu reißen oder schwer zu verletzen. Gelungen ist ihm das nicht.

Trotzdem rief der versuchte Terrorakt Erinnerungen an die Anschläge vom 22. März 2016 am Brüsseler Flughafen und der Metro-Station Maelbeek im EU-Viertel wach: "Die Botschaft, die ich noch einmal wiederholen möchte, lautet: Wir lassen uns von Terroristen nicht einschüchtern. Wir werden unser Leben so normal wie möglich weiter führen", sagte Belgiens Premierminister Charles Michel.

Tatsächlich läuft der Zug- und Metro-Verkehr am Zentralbahnhof wieder wie an jedem anderen Arbeitstag auch. Die Sicherheitskräfte wurden jedoch angewiesen, wachsam zu sein. Die Menschen müssen sich auf verstärkte Kontrollen einstellen.

Brüssel entgeht Terroranschlag - Attentäter identifiziert
K. Küstner, NDR Brüssel
21.06.2017 12:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Juni 2017 um 12:20 Uhr und die Tagesschua um 14:00 Uhr.

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