Soldaten am Brüsseler Flughafen Zaventem | Bildquelle: AP

Anschläge von Brüssel Der dritte Attentäter vom Flughafen - in Haft?

Stand: 26.03.2016 18:33 Uhr

Der dritte Attentäter des Brüsseler Flughafens, der "Mann mit Hut", ist offenbar gefasst worden. Nach Medienberichten ist Faycal C. bereits seit Freitag in Haft. Für die belgischen Behörden ist der Islamist kein Unbekannter.

Von Holger Romann, ARD-Studio Brüssel

Es ist die Meldung, auf die viele Brüsseler tagelang gewartet haben: Der "Mann mit Hut", der dritte Attentäter vom Flughafen Zaventem, sitzt in Untersuchungshaft. Nachdem mehrere Medien bereits gestern spekuliert hatten, ob es der Polizei gelungen sein könnte, den meistgesuchten Terroristen des Landes dingfest zu machen, veröffentlichte die Staatsanwaltschaft heute den Haftbefehl.

Faycal C. oder Faycal Cheffou - für Medien und Öffentlichkeit in Belgien ist das ein neuer Name in der Akte über die Brüsseler Attentate, bei denen 31 Menschen ums Leben kamen und an die 300 teilweise schwer verletzt wurden. Doch das Bild zu diesem Namen kennen sie seit Dienstag.

Drei Männer mit Gepäckwagen - zwei davon mit je einem Handschuh | Bildquelle: AFP
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Das Fahndungsfoto vom Flughafen. Laachraoui ist ganz links zu sehen, neben ihm Ibrahim El Bakraoui. Der Mann mit dem Hut ist weiter flüchtig.

Danach handelt es sich um jenen Mann mit Kinnbart, der auf dem Überwachungsvideo vom Tag des Anschlags mit einer weißen Jacke und einer dunklen Kopfbedeckung zu sehen ist. Neben ihm die beiden Selbstmordattentäter, deren Identitäten schon etwas länger geklärt sind: Der eine ist Ibrahim El Bakraoui, der sich in der Flughafenhalle in die Luft sprengte. Der andere ist der gesuchte Terrorverdächtige Najim Laachraoui, ebenfalls tot.

Cheffou, der ominöse "Mann mit Hut" sei in der Nacht zum Freitag bei einer Razzia im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek festgenommen worden. Ihm werden Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Mord in mindestens elf Fällen zur Last gelegt. Außer ihm befinden sich derzeit noch fünf weitere Personen im Justizgewahrsam.

Offenbar Fahndungserfolg für belgische Sicherheitsbehörden
tagesthemen 23:25 Uhr, 26.03.2016, Bettina Scharkus, ARD Brüssel

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Tatverdächtiger und Zeuge

Für die Behörden ist Cheffou kein Unbekannter. Er ist Belgier, von Beruf freier Journalist und steht im Verdacht, Jugendliche für den sogenannten Heiligen Krieg in Syrien rekrutiert zu haben. Bei einer Gegenüberstellung soll ihn der Taxifahrer wiedererkannt haben, der das Killertrio vor vier Tagen von Schaerbeek zum Flughafen fuhr.

Die Kofferbombe, die der Beschuldigte mutmaßlich bei sich trug, war aus noch unbekannten Gründen nicht explodiert. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung habe man weder Waffen noch Sprengstoff gefunden, heißt es.

Für die Ermittler ist Cheffou nicht nur Tatverdächtiger sondern auch ein wichtiger Zeuge. Wäre er doch der bisher einzige Beteiligte an den Anschlägen von Brüssel, der über die Verbrechen Auskunft geben kann. Denn drei seiner Komplizen sind tot, einer vermutlich noch auf der Flucht und der inhaftierte mutmaßliche Kopf des Netzwerks, Salah Abdeslam, schweigt. Das einzige, was nach Angaben der Bundesanwaltschaft noch aussteht, um letzte Gewissheit zu haben, ist ein DNA-Test.

Atempause für den Innenminister

Der lang ersehnte Fahndungserfolg dürfte dem massiv unter Beschuss stehenden Innenminister Jan Jambon gelegen kommen. Er musste sich gestern, zusammen mit dem Justizminister, erstmals vor dem Parlament zu diversen Ermittlungspannen im Anti-Terror-Kampf äußern. Dass Jambon einem Verbindungsbeamten der Polizei vorwirft, eine wichtige Information der türkischen Kollegen über einen der Attentäter zu spät weitergeleitet zu haben, hat bei der Polizeigewerkschaft für Empörung gesorgt. Deren Chef Vincent Gilles hält das Verhalten Jambons für ungerecht und wittert ein Bauernopfer.

Dementiert wurde inzwischen das Gerücht, wonach der Wachmann einer belgischen Nuklearanlage von Islamisten ermordet worden sei, um an seinen Sicherheitsausweis zu kommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Charleroi hat der Tod des Mannes keinen terroristischen sondern womöglich einen privaten Hintergrund. Das Echo, das die Geschichte kurzzeitig in den Sozialen Medien fand, ist allerdings ein Beweis dafür, wie angespannt die Lage in Belgien nach wie vor ist.

Terrorverdächtiger "Mann mit Hut" offenbar festgenommen
H. Romann, ARD-Brüssel
26.03.2016 17:43 Uhr

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