Demonstranten in Brüssel | Bildquelle: REUTERS

Nach Anschlägen in Belgien Hooligans stören Trauer in Brüssel

Stand: 27.03.2016 16:27 Uhr

Mehrere Hundert rechtsgerichtete Hooligans haben das Gedenken an die Terroropfer im Stadtzentrum von Brüssel gestört. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Auf der Suche nach Terrorverdächtigen führte die Polizei erneut Razzien durch. Neun Personen wurden festgenommen.

Bei einer Kundgebung für die Opfer der Terroranschläge im Zentrum von Brüssel ist es zu Ausschreitungen gekommen. Etwa 450 Hooligans störten laut Nachrichtenagentur Belga das Gedenken mit nationalistischen und fremdenfeindlichen Parolen. Einige von ihnen waren vermummt, viele auch alkoholisiert.

Ein Augenzeuge berichtete von "sehr aggressiver" Stimmung. Die Störer hätten Streit mit den Trauernden gesucht und den Hitlergruß gezeigt. Nach Angaben der Polizei warfen sie brennende Gegenstände auf die Beamten.

Hooligans stören Gedenkveranstaltung in Brüssel
tagesschau 20:00 Uhr, 27.03.2016, Bettina Scharkus, ARD Brüssel

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Polizisten rückten zur Sicherung des Platzes an und trennten die Hooligans von den übrigen Anwesenden. Es kam zu Rangeleien mit Polizisten, die mit Schlagstöcken, Schildern und Helmen ausgerüstet waren. Die Sicherheitskräfte setzten auch Wasserwerfer ein.

Ein massives Polizeiaufgebot geleitete die Hooligans zurück zum Brüsseler Nordbahnhof. Läden entlang des Weges wurden auf Anordnung der Ordnungskräfte geschlossen. Die Störer wurden mit Zügen nach Mechelen und Antwerpen geschickt. Zehn Verdächtige wurden vorübergehend festgenommen.

Mehrere Hundert Menschen hatten sich auf dem Börsenplatz im Stadtzentrum versammelt trotz der Absage eines Marsches "Gegen die Angst" aus Sicherheitsgründen. Premierminister Charles Michel verurteilte das Verhalten der Unruhestifter scharf. "Ich verlange Respekt in einem Augenblick der Trauer für das ganze Land", erklärte er.

Polizisten auf dem Börsenplatz in Brüssel | Bildquelle: AFP
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Polizisten trennten die Teilnehmer des Gedenkens von den Störern.

Trauernde legen auf dem Börsenplatz Kerzen und Blumen nieder. | Bildquelle: AP
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Viele Menschen kamen trotz der Absage des Gedenkmarsches zum Börsenplatz.

Erneut Razzien in Belgien

Auf der Suche nach Terrorverdächtigen hat die belgische Polizei in Brüssel sowie den Städten Mechelen und Duffel Razzien durchgeführt. Bei 13 Durchsuchungen am frühen Morgen seien neun Personen festgenommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Fünf von ihnen seien nach einer Befragung freigelassen worden. Ob die übrigen vier im Gewahrsam bleiben, entscheide ein Richter noch.

Ob die Aktionen im Zusammenhang mit den Attentaten von Brüssel stehen, teilte die Staatsanwaltschaft nicht mit. Sie erklärte lediglich, es handle sich um eine Ermittlung wegen Terrorismus.

Am Dienstag hatten zwei Anschläge Brüssel erschüttert. Der "Islamische Staat" bekannte sich dazu. Das belgische Krisenzentrum präzisierte nun die Zahl der Toten. Den Selbstmordanschlägen von drei Attentätern fielen demnach 28 Menschen zum Opfer. 340 Menschen wurden verletzt.

In Italien nahm die Polizei zudem einen Algerier mit mutmaßlichen Verbindungen zu den Verantwortlichen der Terroranschläge von Brüssel und Paris fest. Der Mann wurde mit europäischem Haftbefehl gesucht. Offenbar gehört er zu einer Bande von Passfälschern, die auch Dokumente produziert haben, die die Attentäter von Brüssel verwendet haben.

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