Drei Männer mit Gepäckwagen - zwei davon mit je einem Handschuh (markiert) | Bildquelle: AFP

Fahndung in Belgien "Wer kennt diese Männer?"

Stand: 23.03.2016 04:47 Uhr

Millionen Menschen trauern um die Opfer der Anschläge in Brüssel - in Belgien offiziell drei Tage lang. Das Bundeskabinett in Berlin wird über mögliche Maßnahmen beraten. In Belgien fahndet die Polizei nach Terrorverdächtigen, vor allem nach einem Mann mit einem Hut.

Von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

Das Foto ist längst um die Welt gegangen: Es zeigt einen Mann mit heller Jacke und dunklem Hut, mit Brille und Ziegenbart, der am Brüsseler Flughafen einen Gepäckwagen vor sich herschiebt. Dieses Bild veröffentlichte die belgische Polizei im Kurznachrichtendienst Twitter - versehen mit der Unterzeile: "Wer kennt diesen Mann?"

Auf diesen Verdächtigen, dem es offenbar gelang, vom Flughafen zu fliehen, konzentrieren sich derzeit die Ermittlungen der Sicherheitskräfte in Brüssel. Nachdem die Behörden die Terror-Serie nicht haben verhindern können, wollen sie diese nun so gründlich und schnell wie möglich aufklären. "Uns lagen vorab keine Informationen vor, dass bestimmte Aktionen in Brüssel geplant waren", sagte Innenminister Jan Jambon.

IS-Flagge, Nagelbombe und Chemikalien

Wie am Dienstagabend bekannt wurde, fand die Polizei beim Durchsuchen einer verdächtigen Wohnung Chemikalien, eine Flagge der Terrorgruppe "Islamischer Staat" sowie einen mit Nägeln gefüllten Sprengsatz. Möglicherweise handelt es sich um ein von den drei mutmaßlichen Attentätern am Brüsseler Flughafen genutztes Appartement.

Ein Taxifahrer hatte einem Medienbericht zufolge die Polizei auf deren Spur gesetzt: Er soll die Männer in der Wohnung abgeholt und sich anschließend gewundert haben, dass sie sich nicht mit ihrem Gepäck helfen lassen wollten.

Auch die anderen beiden Verdächtigen - die mutmaßlichen Selbstmordattentäter - sind auf dem Polizei-Foto zu sehen: Sie tragen an ihrer linken Hand jeweils einen schwarzen Handschuh. Rechts jedoch keinen. Es wird vermutet, dass sie unter den Handschuhen die Auslöser versteckten, mit denen sie die in den Koffern auf dem Gepäckwagen vor sich verborgenen Sprengsätze zündeten. Offenbar mit dem Ziel, sich selbst und möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen.

Drei Männer mit Gepäckwagen - zwei davon mit je einem Handschuh (markiert) | Bildquelle: AFP
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Dieses Bild veröffentlichte die belgische Polizei - es soll es die Attentäter vom Flughafen zeigen.

"Wir werden geschlossen und vereint bleiben"

Belgiens Regierungschef Charles Michel betonte nach den Anschlägen: "All jenen, die sich entschieden haben, einen barbarischen Feind zu unterstützen, sagen wir: Wir werden geschlossen und vereint bleiben." 

Am Tag des Terrors erlebte Brüssel zunächst eine hektische, fast panische Phase, in der ein massives Aufgebot von Sicherheitskräften, Militärs, Panzerwagen an sensiblen Punkten zusammengezogen wurde. Dann aber eine fast gespenstische Phase des Stillstands, weil keine U-Bahn, kein Bus, keine Straßenbahn sich mehr bewegte.

Die Anschläge von Brüssel
nachtmagazin 00:15 Uhr, 23.03.2016, Judith Müllender, ARD Brüssel

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"Wenn wir jetzt nach Hause gehen würden und die Straße leer wären, wäre das ein Sieg für den IS. Und das sollten wir so nicht zeigen", sagte ein in Belgien lebender Deutscher.

Er nahm wie Hunderte andere am Abend an einer spontanen Gedenkfeier im Herzen der Hauptstadt teil. Die Menschen legten Blumen nieder, entzündeten Kerzen, malten mit Kreide Botschaften auf den Asphalt. "Vive la vie" - "Es lebe das Leben", so lautete eine davon. Wenn wir jetzt unseren Lebensstil ändern, dann haben die Terroristen gewonnen - da waren sich hier alle einig.

Auch Belgiens König versucht in seiner Fernsehansprache eine Botschaft der Geschlossenheit, der Zuversicht an seine Landsleute zu senden: "Lasst uns das Vertrauen in uns selbst bewahren - dieses Vertrauen ist unsere Kraft."

Die Fahndung nach den Verantwortlichen für den Terror läuft auf Hochtouren. Der Flughafen Brüssel bleibt heute noch geschlossen. Doch U-Bahnen und Busse sollen langsam wieder den Betrieb aufnehmen. Schulen und Kindergärten sind geöffnet. Eltern und Lehrer wurden angewiesen, weiter wachsam zu sein. 

Christian Feld, ARD Brüssel, zur Lage in Brüssel
ARD-Morgenmagazin 05:30 Uhr, 23.03.2016

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