Alter und neuer Pass Großbritannien | Bildquelle: AFP

Briten streiten über neue Pässe Mit französischem Druck in den Brexit

Stand: 23.03.2018 11:10 Uhr

Großbritannien will aus der EU austreten, neue Pässe nach dem Brexit sollen die neue Unabhängigkeit demonstrieren. Doch die sollen künftig ausgerechnet im EU-Land Frankreich gedruckt werden.

In Großbritannien gibt es Ärger um die nach dem Brexit geplanten neuen blauen Reisepässe. Die Dokumente, die Premierministerin Theresa May als "Ausdruck unserer Unabhängigkeit und Souveränität" bezeichnet hat, werden künftig in dem EU-Land Frankreich produziert.

Die neuen Pässe sollen von der französisch-niederländischen Firma Gemalto gedruckt werden. Das bestätigte auch der Chef des britischen Unternehmens De La Rue, Martin Sutherland, der BBC. De La Rue hatte bisher die britischen Pässen produziert, verlor aber eine erneute Ausschreibung gegen ein billigeres Angebot von Gemalto.

Theresa May | Bildquelle: AFP
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Ein "Ausdruck unserer Unabhängigkeit und Souveränität" sollten die neuen Pässe sein, sagte Premierministerin May.

Brexit-Befürworter erbost

Sutherland zeigte sich enttäuscht über den verlorenen Auftrag: "Ich muss nun mit den Arbeitern sprechen, ihnen in die Augen schauen und erklären, warum die britische Regierung glaubt, dass es eine vernünftige Entscheidung ist, französische und keine britischen Pässe zu kaufen", sagte er. Die Entscheidung für ein Unternehmen im Ausland sei "enttäuschend und überraschend". "Jetzt wird dieses Symbol der britischen Identität in Frankreich hergestellt." Auch die Befürworter des EU-Ausstiegs im Parlament reagierten erbost und forderten Aufklärung.

Ein Sprecher des Innenministeriums teilte dagegen mit, es sei schon seit 2009 zulässig, Reisedokumente außerhalb Großbritanniens herzustellen. Es seien also ohnehin bereits viele britische Pässe im Ausland produziert worden. Zudem spare der Steuerzahler bei dem nun gewählten Angebot etwa 140 Millionen Euro während der Laufzeit des Vertrages. Stärker noch als der Preis sei aber die Qualität berücksichtigt worden.

Ein Symbol, das keins ist

Großbritannien hatte 1988 burgundrote Pässe eingeführt. Die Regierung in London hatte die nun beschlossene Abschaffung der roten Pässe als Meilenstein auf dem Weg zur Selbstbestimmung nach der Trennung von Brüssel gefeiert - vor allem Brexit-Befürworter hatten den Schritt begrüßt. Allerdings hat die EU-Kommission bereits darauf verwiesen, dass Großbritannien auch ohne einen EU-Austritt blaue Pässe hätte nutzen können, weil dies eine nationale Entscheidung sei. Das Land will bis April 2019 die EU verlassen.

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