Union Jack vor Big Ben | Bildquelle: AP

Brexit eingereicht Am Tag danach

Stand: 30.03.2017 04:43 Uhr

Das Thema Geld prägte die Beziehung zwischen den Briten und der EU. Und das wird wohl so bleiben: Die EU-Kommission präsentierte nun eine mögliche Schlussabrechnung. Was die britische Regierung dazu sagt und wie es jetzt weitergeht, berichtet Thomas Spickhofen.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Eine 60-Milliarden-Euro-Rechnung aus Brüssel? "Das sind doch nur Spekulationen", sagte Theresa May. Eine formelle Forderung kenne sie bislang nicht, die Verhandlungen hätten ja noch gar nicht begonnen, und natürlich werde man den Verpflichtungen, die man habe, nachkommen. Mit einem halbstündigen Fernsehinterview schloss die britische Premierministerin am Abend den historischen Tag ab.

Beim ganzen Brexit gehe es um die Selbstbestimmung als Vereinigtes Königreich, sagte May, es gehe darum, selbst wieder die Kontrolle zu haben. Eine Rechnung aus Brüssel lehnte sie nicht pauschal ab, vielmehr werde man weiter seinen Teil tragen, so lange man Mitglied sei.

Nigel Farage bei der ersten Sitzung des Europaparlaments nach dem EU-Referendum
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Nigel Farrage: Ich bin der Überzeugung, dass dieses europäische Projekt ein Fehler ist."

die britische Premierministerin Theresa May | Bildquelle: dpa
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Theresa May zur 60 Milliarden-Euro-Rechnung aus Brüssel: "Das sind doch nur Spekulationen"

Nigel Farage genießt den Triumph

Für die EU-Bürger im Land wolle sie schnell eine Lösung, für neue Einwanderer solle es bald Regeln geben, auf Sicherheitsebene müsse man weiterhin eng zusammenarbeiten. Die britische Regierungschefin war erkennbar um Nähe zu Europa bemüht.

Nigel Farage hat dafür kein Verständnis. Der Brexit-Frontkämpfer und frühere UKIP-Chef genoss seinen Triumph am Straßenrand von Westminster, mit einem Pint aus dem Pub: "Tut mir leid, aber das ist lächerlich. Sie kann doch nicht sagen: Wir Briten werden unabhängig und global, und ihr anderen 27 bleibt besser bei Herrn Juncker! Ich bin der Überzeugung, dass dieses europäische Projekt ein Fehler ist."

Die Uhr tickt im Alarmmodus

Heute geht die Regierung den nächsten Schritt: Sie will ihren Entwurf für ein Gesetz veröffentlichen, das europäisches Recht in britische Gesetzbücher überträgt. Damit soll Rechtssicherheit geschaffen werden für Tag eins nach dem Ausstieg. Anschließend schaut man sich dann jedes einzelne Gesetz an um zu sagen: Wollen wir noch oder wollen wir nicht mehr? Wenn es nur mal immer so einfach wäre.

In den kommenden zwei Jahren müsste ja nicht nur mit der EU etwas ausgehandelt werden, sagt Hannah White vom Institute for Government. Gleichzeitig müssten Gesetze verabschiedet, Behörden aufgebaut und Leute eingestellt werden, um zum Beispiel das neue Einwanderungssystem zum Laufen zu bringen. Überall tickt die Uhr vom ersten Tag an im Alarmmodus, man wisse ja nicht, was da ganz spät, am Ende der zwei Jahre stehe, sagt White, und die Zeit sei dann sehr kurz.

Wie knapp die Zeit wird, lässt sich sekundengenau beim Fernsehsender sky news verfolgen: Dort läuft der Countdown für die Verhandlungen herunter. Heute zeigt er noch 729 Tage an.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 29. März 2017 um 22:15 Uhr und auf WDR5 am 30. März 2017 um 06:18 Uhr.

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